Wegen Übernahme von E-Plus

Telefónica Deutschland wird es 2016 schwerer haben

Telefónica Deutschland steht 2016 vor einem steinigerem Weg als im vergangenen Jahr. Vor allem die Kosten für die E-Plus-Übernahme belasten die Bilanz.

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München - Der Telekomkonzern Telefónica Deutschland steht in diesem Jahr vor schwierigeren Aufgaben als noch 2015. Die schnellen Integrationserfolge des Vorjahrs ließen sich nicht einfach wiederholen - darauf hatte Vorstandschef Thorsten Dirks die Anleger bereits im November eingestimmt. Noch dürften aber deutliche Zuwächse beim operativen Gewinn für Aufwind sorgen, wenn das TecDax-Schwergewicht am Donnerstag (25. Februar) seine Jahreszahlen vorlegt - auch wenn unter dem Strich wegen der Kosten für die E-Plus-Übernahme wohl weiter rote Zahlen stehen werden.

Telefónica will 5 Milliarden Euro einsparen

Für die Anleger richtig interessant wird es aber vermutlich erst beim Ausblick. Bei der überaus vollen Jahresagenda drohten die restlichen Einsparungen aus der Integration erst 2017 oder 2018 erreicht zu werden, warnt Berenberg-Analystin Siyi He. So soll die E-Plus-Hausmarke Base vollständig in O2 aufgehen, und die beiden LTE-Netze sollen ab Mitte 2016 zusammengelegt werden.

Insgesamt will der Konzern über 5 Milliarden Euro einsparen, indem er Verwaltung und Netze zusammenlegt. Einiges hat der fürs Tagesgeschäft zuständige Markus Haas schon angestoßen: Mehr als die Hälfte der insgesamt wegfallenden 14.000 Mobilfunkstationen wechseln in den Besitz der Deutschen Telekom, zudem ist bereits rund die Hälfte der geplanten 1.600 Stellen im vergangenen Jahr gestrichen worden.

Analysten erwarten geringere Zuwächse

Das dürfte mit dafür gesorgt haben, dass der um Sonderkosten bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nach Schätzung von 27 vom Unternehmen befragten Analysten wohl auf 1,74 Milliarden Euro geklettert ist. Gegenüber den zum Vergleich kombinierten Vorjahreswerten von Telefónica Deutschland und E-Plus wäre das ein Plus von knapp 19 Prozent. Die im Herbst erhöhte Zielvorgabe liegt bei einem Zuwachs von 15 bis 20 Prozent. Im Jahresverlauf hat das Unternehmen hier aber deutlich positiv überrascht.

Für das laufende Jahr rechnen die Analysten mit geringeren Zuwächsen. Analystin He von Berenberg kalkuliert mit bis zu 1,88 Milliarden Euro, ihr Kollege Ulrich Rathe von Jefferies mit 1,86 Milliarden. Das wäre ein Plus von gut 7 Prozent.

Abschreibungen auf den E-Plus-Kaufpreis belasten Ergebnis

Der Umsatz ist den Markterwartungen zufolge im abgelaufenen Gesamtjahr mit 7,82 Milliarden Euro nur knapp gewachsen. Vorgenommen hatte sich das Unternehmen stabile Serviceumsätze im Mobilfunk. Nach neun Monaten stand auf Jahressicht noch ein Plus von 0,4 Prozent, was im letzten Quartal Raum für ein leichtes Minus lässt.

Unter dem Strich bleibt es voraussichtlich bei einem Verlust. In den ersten neun Monaten hatte das Unternehmen 347 Millionen Euro verloren. Abschreibungen auf den E-Plus-Kaufpreis sowie auf nicht mehr so lang benötigte Mobilfunkstationen belasten das Ergebnis - das Management hat durchblicken lassen, dass das auch noch einige Zeit so bleibt.

So hoch wie im Vorjahresquartal dürfte der Verlust aber nicht ausfallen, da fehlten wegen Sonderkosten für den Zusammenschluss nach revidierten Angaben 610 Millionen Euro. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg zuletzt befragten sechs Analysten rechnen mit 462 Millionen Euro Jahresverlust.

Ohnehin sollen die roten Zahlen erst einmal nicht zulasten der Aktionäre gehen. Bereits mit den Neunmonatszahlen schlug das Management eine Dividende auf Vorjahresniveau von 0,24 Euro vor. Über 62 Prozent der Anteile gehören der spanischen Konzernmutter Telefónica. Der niederländische KPN-Konzern hält aus dem E-Plus-Verkauf noch gut 15 Prozent.

Marcel Petritz / Quelle: DPA

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