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Tablet trifft Ultrabook: IFA-Trend zum Allround-Gerät

Premierenfeier auf der IFA: Mehrere Hersteller zeigen Tablet-Computer, die sich deutlich vom Vorbild iPad unterscheiden. Im Blickpunkt stehen die ersten Geräte mit Windows 8 sowie Hybrid-Modelle, die eine Brücke zum Laptop schlagen.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Mehr als zwei Jahre nach dem iPad-Start ist der Tablet-Computer im Massenmarkt angekommen. Zahlreiche IFA-Aussteller unterm Berliner Funkturm zeigen neue Geräte, die das Weihnachtsgeschäft ankurbeln und den Marktführer Apple herausfordern sollen. Besonders interessant sind die ersten Tablet-Computer mit dem neuen Microsoft-System Windows 8, kleine Tablets in Notizbuchgröße und sogenannte Hybrid-Geräte, die sich einfach mit einer Tastatur verbinden lassen und sich so nicht nur für die Internet-Nutzung oder auf der Couch, sondern auch zum produktiven Arbeiten anbieten.

"Nächste Phase der Tablet-Revolution"

"Das ist die nächste Phase der Tablet-Revolution", sagt Sony-Manager Kunimasa Suzuki über das auf der IFA präsentierte Xperia Tablet S. Dieser flache Computer, mit 570 Gramm leichter als sein Vorgänger, läuft allerdings noch mit dem Google-System Android. Der eingebaute Vierkern-Prozessor, hier ein Tegra 3 von Nvidia, ist inzwischen schon zum Standard geworden - die Apps sollen möglichst schnell starten und ihre Inhalte flott aufs Display bringen.

Spannender aber sind gerade die ersten Tablet-Computer mit Windows 8 - das Microsoft-System erscheint am 27. Oktober. Und in einem schroffen Bruch mit seiner bisherigen Linie bringt der Software-Marktführer auch selbst ein Tablet heraus, mit der Modellbezeichnung Surface. Mit einer flachen Tastatur, die gleichzeitig als Schutzhülle dient, schlägt das Microsoft-Gerät die Brücke zum Laptop und liegt damit im Trend: Die neuen Windows-Tablets verschmelzen mit Ultrabooks, den besonders flachen und leichten Notebooks mit bestimmten Leistungsanforderungen, die von Intel aufgestellt wurden.

Tablets bremsen Ultrabook-Nachfrage

Die Hersteller von Ultrabooks ziehen so auch die Konsequenz aus der relativ schleppenden Nachfrage nach diesen Geräten - was nicht zuletzt an der Attraktivität der Tablet-Computer liegt. "Wer sich ein Tablet kauft, legt sich wahrscheinlich nicht noch ein Ultrabook zu", sagt Annette Zimmermann, Analystin bei Gartner. Das Marktforschungsunternehmen prognostiziert, dass die Ultrabooks in diesem Jahr gerade einmal 5 Prozent des Notebook-Marktes ausmachen - dabei ist das erfolgreiche Macbook Air von Apple eingerechnet. Erst mit sinkenden Preisen werde die Nachfrage anziehen.

Sony zeigt auf der IFA ein Kombi-Gerät: Das Vaio Duo 11 lässt sich "im Handumdrehen von einem leistungsfähigen Ultrabook in ein praktisches Tablet verwandeln". Der fliegende Wechsel zwischen Tastatur- und Tablet-Modus hat aber seinen Preis: Das 18 Millimeter dünne Gerät mit einem Gewicht von 1,3 Kilogramm und 11,6 Zoll großem Touch-Bildschirm gibt es ab 1.200 Euro; die Markteinführung ist für Ende Oktober geplant, wenn auch Windows 8 da ist. Auch der koreanische iPad-Herausforderer Samsung, der in Kalifornien gerade eine bittere juristische Niederlage im Patentstreit mit Apple hinnehmen musste, geht mit Windows 8 jetzt neue Wege. Auf der IFA präsentierte der Hersteller ein klassisches Tablet, das Ativ Tab sowie ein Hybrid-Tablet, den Ativ Smart PC, mit abnehmbarer, magnetisch haftender Tastatur und zusätzlicher, drucksensitiver Stiftbedienung.

Gleiches gilt für Toshiba. Der japanische Konzern stellte am Donnerstag einen tragbaren Computer mit Windows 8 vor, der sich über den Touchscreen wie auch über die herausschiebbare Tastatur bedienen lässt: Das Satellite U920t hat einen 12,5 Zoll großen Bildschirm und wiegt 1,45 Kilogramm; es soll rund 950 Euro kosten.

Windows 8 muss sich mit Android messen

Konkurrent Asus zeigt auf der IFA hingegen sein bereits auf der Computex im heimischen Taiwan vorgestelltes Tablet 810 mit Windows 8 und Intel-Prozessor sowie das Tablet 600 mit der speziellen RT-Version von Windows für Prozessoren der ARM-Plattform, hier für den Nvidia-Prozessor Tegra 3. Beide Geräte folgen dem Transformer-Konzept von Asus mit ansteckbarer Tastatur, mit dem das Unternehmen schon früh auf den Hybrid-Trend setzte. "Es gibt viele Anwender, die das Tablet nicht nur fürs Konsumieren von Inhalten, sondern auch fürs produktive Arbeiten nutzen wollen", erklärt dazu Asus-Produktmanager Jörg Wissing.

"Ob sich Windows 8 im nächsten Jahr bei Tablet-Computern an Android vorbeischieben kann, muss man abwarten, weil Android doch sehr gut akzeptiert ist", sagt Asus-Manager Wissing. Die Entwicklung wird wohl auch vom Preis der Windows-8-Tablets beeinflusst. Alle Tablet-Hersteller kalkulierten ihre Preise sehr knapp, erklärt Wissing. Das sei bei der Erschließung eines Zukunftsmarktes aber auch üblich, da alle Hersteller daran interessiert seien, sich frühzeitig eine gute Position zu sichern.

Hybrid-Geräte deutlich teurer

Allerdings sind die neuen Hybrid-Geräte deutlich teurer als klassische Tablet. "Das ist leider kein Massenmarkt-Preis, wodurch der Absatz sicher nicht ins Unendliche gehen wird", sagt Marktbeobachterin Zimmermann. Spannend dürfte die Preisgestaltung für das Surface von Microsoft werden: Sollten die Vermutungen eines Preisrahmens von 200 bis 300 Euro zutreffen, sagt Zimmermann, würden "diese Hybride sicher sehr guten Absatz finden".

Wie schon im vergangenen Jahr schauen die Hersteller auf der IFA gebannt auf den nicht anwesenden Tablet-Marktführer Apple: Von den Kaliforniern wird im Herbst eine kleinere iPad-Variante erwartet.

(Christian Wolf)

Quelle: DPA

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