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Surface RT: Durchwachsene Kritiken für Microsofts Tablet-Debütant

Das ab Freitag erhältlich Surface-Tablet mit ARM-Architektur und Windows RT hat die ersten Testläufe bei verschiedenen Blogs hinter sich. Das Fazit: Kaufempfehlungen sind selten. Während die Hardware überzeugt, patzt Microsoft ausgerechnet mit Software-Schwächen.

Microsoft© Microsoft

"Surface" heißt Microsofts lange erwartete Antwort auf den Tablet-Boom. Der ab Freitag offiziell erhältliche Flachrechner ist allerdings betont anders als seine Konkurrenten mit iOS- und Android-Betriebssystem. Das Gerät symbolisiert den Versuch, die von Windows dominierte Computer-Welt auf den Tablet-Bereich zu übertragen. Dementsprechend variabel wurde Surface konzipiert, soll es doch die besten Eigenschaften von Notebooks und Tablets in sich vereinen. Schutzhüllen mit integrierter Tastatur liefern das passende Handwerkszeug für die Texteingabe, das Touchscreen-Display ist separat als Tablet verwendbar. Doch grau – oder in diesem Fall ungeprüft – ist alle Theorie. Surface muss auch in der Praxis überzeugen. Am Dienstag sind in den USA erste Einschätzungen zu Microsofts Kombi-Gadget mit Windows RT veröffentlicht worden. Das Urteil dürfte für Redmond ernüchternd sein: Die Symbiose sei (noch) nicht gelungen, heißt es nahezu einhellig. Die Hardware gilt insgesamt als Top, die Software – und das wird durchaus mit Überraschung zur Kenntnis genommen - als Flop. Uneinigkeit herrscht allerdings darüber, ob Surface eher als Tablet oder Laptop einzuordnen ist.

Hardware gut, Software unfertig

"The Verge" lobt sowohl Verarbeitung als auch Styling des Gerätes. Es fühle sich gut an, sei für ein Tablet aber insgesamt zu unhandlich. Kritik äußern die Tester vor allem an Performance-Schwankungen, Software-Bugs und dem schwachen RT-Ökosystem mit bislang nur wenigen tausend Apps. Insgesamt erhält das Surface dabei 7 von 10 möglichen Punkten – und kann letztendlich nicht so recht überzeugen. "Anstatt ein 'Keine-Kompromisse-Gerät' zu sein, fühlt es sich häufig eher wie ein 'Mehr-Kompromisse-Gerät' an", so das Fazit.

Ähnlich lautet die Bewertung der "New York Times": Das Surface habe sich als durchdachtes Gerät präsentiert, "dessen Hardware einem den Atem raube" – und dessen Software gleichzeitig zum Verzweifeln sei.

Auch "BuzzFeed" sieht hier die größte Schwachstelle des RT-Modells. Während es Lob für die Verarbeitung gibt, werden Software und Ökosystem als unfertig getadelt. Es besitze eine gewisse Ironie, dass Microsoft zwar im unbekannten Hardware-Terrain brilliere, in seinem eigentlichen Kerngebiet aber einbreche, so "BuzzFeed"-Autor Matt Buchanan. Surface sei gut, reiche jedoch nicht an Apples iPad heran. "Es könnte eines Tages sehr gut werden. Es hat alles, was es dafür braucht. Derzeit ist es aber nur ein weiteres Tablet. Und keines, was man heute kaufen sollte."

Ebenfalls vom Kauf abgeraten wird bei "Gizmodo". Zwar mache Surface äußerlich einen wertigen Eindruck, könne dem eigenen Anspruch jedoch kaum gerecht werden. "Nachdem die erste Freude über ein weiterentwickeltes Tablet nachgelassen hat, beginnt das Stöhnen – denn Surface erscheint zwar als Einheit, ist aber letztendlich nur das Schlechteste aus beiden Welten", so der Gizmodo-Tester. Das Gerät sei kein Laptop-Ersatz, sondern eher ein "Tablet-Plus" in der Preisklasse des iPad, diesem aber in den meisten Belangen unterlegen.

Keine iPad-Konkurrenz, aber mit Potenzial

Etwas differenzierter urteilt "Wired". Man könne Surface durchaus als einzigen Computer nutzen, bleibe dann aber auf bestimmte Einsatzszenarien – etwa Office-Nutzung, Internet und E-Mail - beschränkt. Zudem fehlten noch Apps und auch Tastatur sowie Display seien zum Arbeiten aufgrund ihrer geringen Größe zumindest gewöhnungsbedürftig. Positiv äußerte sich das Blog über Verarbeitung, geringe Ladezeit des Akkus und die Bedienung; weniger Gefallen fanden unter anderem die allgemeine App-Performance sowie das Fehlen einer Mobilfunkoption. Die Endnote fällt überwiegend zustimmend aus. "Insgesamt ist es [Surface] recht gut; mit Sicherheit besser als jedes Full-Size-Tablet mit Android-Betriebssystem auf dem Markt. Wenn sich auch das Ökosystem entwickelt, ist es ebenfalls eine würdige Alternative zum iPad".

Das Hardware-Magazin "Anandtech" sieht Windows RT sogar eher als Vorteil. Das System sei dem, was die Tablet-Konkurrenz heute vorweisen könne, in vielen Dingen voraus. So biete es Multitasking sowie die Möglichkeit zwischen laufenden Tasks zu wechseln oder mehrere Anwendungen gleichzeitig auszuführen. "Aus Produktivitätssicht ist das Surface in der Tablet-Landschaft ohne Gegenstück." Es sei eine Lösung, mit der sich die Lücke zwischen Unterhaltungs- und Arbeitsgeräten schließen lasse.

"TechCrunch" rät hingegen vom Kauf der ersten RT-Generation ab – ob es überhaupt eine zweite geben wird, ist derweil völlig unklar. Das Surface RT sei weder ein Tablet noch eine Alternative zu iPad oder Galaxy Note 10.1, könne aber als Laptop-Alternative fungieren. "Das Surface ist ohne Touch Cover nicht vollständig. Es ist nicht dafür gemacht, einfach ein Tablet zu sein. Es ist zu groß und lässt sich ohne Tastatur nur umständlich bedienen." Laut dem Tech-Blog hat Apple zudem nichts zu befürchten: Surface sei definitiv kein iPad-Killer.

(Christian Wolf)

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