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Streit um Abzocke: Unister mahnt "Computerbild" ab

Weil die "Computerbild" eine "Online-Abzocke 'Made in Germany'" aufdeckte, sieht sich die Unister Holding genötigt, eine Abmahnung nebst Unterlassungserklärung an den Axel Springer Verlag zu schicken.

Internet© rajareddy / Fotolia.com

Zwischen der "Computer Bild" und der Unister Holding, Betreiberin von Portalen wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de, bahnt sich ein juristischer Kleinkrieg an. Bereits Mitte Juni hatte es in der RTL-Sendung "Stern TV" ein hitziges Wortgefecht mit gegenseitigen Anschuldigungen zwischen Computerbild-Redakteur Alexander Krug und Unister-Pressechef Konstantin Korosides gegeben. Nun folgt auch auf anderer Ebene eine Auseinandersetzung.

"Computerbild" recherchierte drei Monate lang

Rückblende: in den zurückliegenden drei Monaten hat die Redaktion der "Computerbild" nach eigenen Angaben umfangreiche Recherchen betrieben, um "hinterlistige Methoden" auf verschiedenen Internetseiten der Unister Holding belegen zu können. In einer Pressemitteilung der Zeitschrift vom vergangenen Wochenende heißt es dazu wörtlich: "Unister kassiert oder kassierte mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Service-Geldern, Klick-Fallen bei Urlaubsbuchungen und weiteren Schwindeleien ganz Deutschland ab."

Mehr noch: ein ehemaliger Manager von Unister erhebt laut "Computerbild" schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Chef Thomas Wagner. "Der Kunde ist für Thomas Wagner ein Gegner, der gemolken werden muss. Seine Philosophie lautet: Dreistigkeit siegt." Ein weiterer Ex-Mitarbeiter wird mit den Worten zitiert: "Abmahnungen von Verbraucherschützern werden meist mit einem Lachen quittiert."

"Stimmt nicht", heißt es von Seiten der Unister-Macher auf Nachfrage von onlinekosten.de. Die Anschuldigungen seien mit Vorsicht zu genießen, weil die Mitarbeiter teilweise gekündigt worden oder zu einem direkten Wettbewerber gewechselt seien. Daher sei nicht auszuschließen, dass die Motivation, Insider-Informationen auszuplaudern, auch geschäftlichen Interessen diene.

Aus Reiseschutz wird Abo-Falle

Die "Computerbild" wirft den Unister-Machern weiter vor, mit frei erfundenen, durchgestrichenen Altpreisen auf ab-in-den-urlaub.de, travel24.com und reisen.de vermeintliche Schnäppchen vorzugaukeln. Ferner werde unter fluege.de ein Reiseschutz (Versicherung für Gepäck, Reiserücktritt u.a.) angeboten, der nur dann nicht mitgebucht wird, wenn der Kunde im Buchungsverlauf aktiv einen Haken setzt. Tests unserer Redaktion haben das bestätigt. Pikant ist auch: der Reiseschutz gilt nicht nur für die gebuchte Reise, sondern für ein ganzes Jahr und verlängert sich zu deutlichen höheren Konditionen automatisch um ein weiteres Jahr, wenn nicht rechtzeitig gekündigt wird.

Das sich fluege.de schon vor dem Bundesgerichtshof und vor dem Landgericht Leipzig wegen ähnlicher Praktiken verantworten musste und zuletzt ein Ordnungsgeld in Höhe von 75.000 Euro zu zahlen hatte, scheint die Macher nicht davon abzuhalten, weiter mit Klickfallen zu arbeiten. Alles nur ein Versehen oder gängige Praxis? Bei Unister sieht man sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und reagiert mit einer Abmahnung in Richtung der Axel Springer AG, zu der auch die "Computerbild" gehört.

Unister weist Vorwürfe von sich

Unister-Sprecher Korosides erklärte gegenüber unserer Redaktion: "Der Artikel von Computerbild zu Unister wimmelt vor Fehlern, Unterstellungen und Verleumdungen." Aufgrund unrichtiger Tatsachenbehauptungen und nicht freigegebener Fotos sehen die Portalbetreiber nicht nur das Unternehmenspersönlichkeitsrecht verletzt, sondern auch das Persönlichkeitsrecht von Geschäftsführer Wagner.

Bezugnehmend auf die von der "Computerbild" aufgedeckte "Abofalle Reiseversicherung" auf dem Portal fluege.de lässt Unister wissen, dass Kunden im Buchungsverlauf die Möglichkeit hätten, Flüge entweder mit oder ohne Reiseschutz zu buchen. Diese Form des Buchungsverlaufs sei weder untersagt noch werde sie rechtlich durch Dritte angegriffen. Gleichwohl muss sich Unister die Frage gefallen lassen, warum auf die Buchungsmöglichkeit "ohne Reiseschutz" nur sehr unscheinbar hingewiesen wird.

Generalstaatsanwaltschaft Dresden fordert neues Verfahren

Abzuwarten bleibt, wie die Auseinandersetzung weitergehen wird. Es kann davon ausgegangenen werden, dass die Axel Springer AG die ihr zugestellte Abmahnung nebst Unterlassungserklärung nicht akzeptieren und schon gar nicht unterzeichnen wird. Abgesehen davon hat die "Computerbild" herausgefunden, dass die Generalstaatsanwaltschaft Dresden die Staatsanwaltschaft Leipzig kürzlich aufforderte, ein eingestelltes Verfahren zu Abzock-Praktiken auf fluege.de noch einmal neu aufzurollen.

(Hayo Lücke)

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