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"Stiftung Warentest": Smartphones vs. Navis im Test

Die Tester von Stiftung Warentest nahmen im aktuellen "test"-Magazin vier Smartphones und vier Navigationsgeräte unter die Lupe. Taugen Smartphones als Alternative zu klassischen Navis?

Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Smartphones mutieren zum Alleskönner: Sie erlauben neben der Telefonie auch das Surfen im Internet und fungieren als Plattform für Spiele und Apps. Seit Anfang des Jahres bietet der finnische Handyhersteller Nokia die Navigationssoftware Ovi Maps für einige Smartphones kostenlos an, weitere Handyhersteller folgten. Besitzer eines mobilen Android-Gerätes stellt Google beispielsweise eine Gratis-Navigation über Google Maps zur Verfügung. Lösen Smartphones also das klassische Navigationsgerät ab? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen? Die "Stiftung Warentest" nahm für die Januar-Ausgabe von "test" (1/2011) insgesamt vier Smartphones sowie zehn reine Navis unter die Lupe.

Kostenfalle Offboard-Navigation im Ausland

Bei der Handy-Navigation setzen die Anbieter auf zwei verschiedene Ansätze. Garmin, Navigon und Nokia bieten ihre Smartphone-Lösungen als Onboard-System an. Das komplette Kartenmaterial ist dabei bereits auf dem Handy gespeichert, auch die Berechnung der Route erfolgt über das Smartphone. Google setzt dagegen auf eine Offboard-Lösung: Das stets aktuelle Kartenmaterial ist auf den Google-Servern gespeichert, für eine Anfrage zur Routenberechnung ist eine Online-Verbindung erforderlich. "Stiftung Warentest" warnt hierbei vor einem Einsatz der Smartphone-Navigation im Ausland. Durch das notwendige Datenroaming im Ausland fallen schnell hohe Kosten für die Routenführung per Handy an. Die Tester erzeugten im Schnitt ein Datenvolumen von rund 20 Kilobyte pro Kilometer.

Ganz ohne Kosten für die Datenübertragung kommen aber auch die Onboard-Systeme nicht aus, insbesondere dann, wenn sogenannte Navigations Live-Dienste genutzt werden. Diese auch auf Navigationsgeräten immer häufiger anzutreffenden Dienste, informieren beispielsweise über die aktuellen Spritpreise, freie Parkplätze oder Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten in der Nähe. Anwender sollten daher im Ausland alle nicht unbedingt notwendigen Live-Funktionen deaktivieren. Nokia-Smartphones erlauben zum Beispiel die Abschaltung einzelner Ortungssysteme. Das Datenroaming lässt sich bei iPhones sowie auf Android-Smartphones sogar ganz blockieren.

Navigation auf Smartphones ohne Aufpreis nutzbar

Die vier Smartphones im Test lassen sich ohne Aufpreis für die Navigation verwenden. Acht der ausgewählten Navigationsgeräte verfügen über Displays von 4,3 bis 5,0 Zoll, zwei Navis kommen mit einem 3,5 Zoll Bildschirm daher. Die mittleren Preise für die Navigationsgeräte lagen zwischen 105 und 320 Euro, die verwendeten Smartphones waren ab 249 Euro erhältlich. Das iPhone 4 in der Navigon Select Telecom Edition ist nur in Verbindung mit einem entsprechenden Mobilfunkvertrag erhältlich, daher setzen die Tester hier einen mittleren Preis von circa 1.180 Euro an.

Getestet wurden folgende vier Smartphones:

  • Garmin-Asus nüvifone M10
  • Navigon Select Telekom Edition auf einem iPhone 4 mit 16 GB
  • Nokia Ovi Maps auf Nokia X6 mit 16 GB
  • Google Maps Navigation als Beta auf dem HTC Desire

Außerdem testete "Stiftung Warentest" diese zehn Navigationsgeräte:

  • Falk Vision 700
  • Garmin nüvi 3790T
  • Medion GoPal X4545
  • Becker Traffic Assist Z215
  • Navigon 40 Premium Live
  • TomTom Go Live 1000
  • Navigon 70 Premium
  • a-rival NAV-PNF 43 EU
  • Garmin nüvi 1245
  • TomTom Start2 Central Europe Traffic

Weiter auf Seite 2: Stärken und Schwächen der Navigation per Smartphone

Wie schlugen sich nun die untersuchten Smartphones und Navis im Test? Bewertet wurde die Navigation selbst, dass heißt die Zeit für Start und Ortung und für die Routenberechnung sowie die Art der Routenführung und Fahrempfehlungen. Außerdem flossen Kriterien wie Handhabung, Verarbeitung, Akkuleistung, Vielseitigkeit, Umfang der Software sowie die Fußgängernavigation in die Bewertung ein.

Smartphones mit Licht und Schatten

Bei den Handys fielen vor allem die durch die kleinen Lautsprecher mancher Smartphones nicht immer verständlichen Ansagen negativ auf. Im Vergleich der vier Handys vorne lag das nüvifone M10 von Garmin-Asus. Der Lautsprecher des Nokia X6 konnte dagegen nicht überzeugen, zudem seien die Aussagen laut den Testern manchmal verspätet erfolgt. Mit lediglich einer Zeile bietet die Nokia-Lösung außerdem auch nur wenig Platz für die Zieleingabe. Auch die Navi-Software von Google weist diese Schwäche auf. "Stiftung Warentest" bescheinigt drei der Smartphones eine "gute Routenführung", auch im Vergleich mit klassischen Navis. Das Navigon erlaubt allerdings kaum Abweichungen von der einmal berechneten Route und berechnet erst nach Rückkehr zur alten Route eine neue Strecke. Das Google-Handy pausiert mit der Navigation beispielsweise bei einem GPS-Ausfall bei einer Fahrt durch einen Tunnel. Während Garmin-Asus sowie Nokia eine Anleitung für die Benutzung der Navigationssoftware bereithalten, fehlt eine solche Erläuterung bei den anderen beiden Smartphone-Lösungen.

Smartphones als Alternative für Gelegenheitsnavigierer

"Stiftung Warentest" kommt zu dem Schluss, dass die Navigation per Smartphone für Gelegenheitsnavigierer durchaus eine Alternative zu einem klassischen Navigationsgerät darstellen kann. Die Navis punkten dagegen mit klareren Ansagen, größeren Displays und besserer Handhabung. Für die Fußgängernavigation eignen sich laut Warentest am besten die Google Maps Navigation auf dem HTC Desire sowie Navigon Select auf dem iPhone 4. Insgesamt die beste Navigation unter den vier Smartphones zeigte das Garmin-Asus nüvifone M10 vor Navigon und Google. Die Navigations-Software von Nokia landete abgeschlagen auf dem vierten Platz.

Acht Navis mit gut, zwei mit befriedigend bewertet

Bei den zehn getesteten Navis wiesen das Falk Vision 700, das Garmin nüvi 3790T sowie das Medion GoPal X4545 jeweils mit der Note 2,2 die besten Bewertungen auf. Mit einem mittleren Preis von 114 Euro stellt das Garmin nüvi 1245 das günstigste gute Navigationsgerät dar. Insgesamt vergab "Warentest" an acht der Navis das Qualitätsurteil gut. Lediglich das a-rival NAV-PND 43 EU sowie das TomTom Start2 Central Europe Traffic wurden mit befriedigend bewertet. Dafür überzeugte TomTom aber mit den besten Verkehrsinformationen und sagte beispielsweise Ankunftszeiten präziser vorher als die Geräte der Konkurrenz.

Der detaillierte Test der Smartphones und Navis lässt sich im Magazin "test", Ausgabe 1/2011, nachlesen. Online ist der Test auf der Homepage von "Stiftung Warentest" zudem kostenpflichtig abrufbar. Bereits im vergangenen Monat hatte auch der Verkehrsclub ADAC Smartphones als Navi-Konkurrenz getestet.

(Jörg Schamberg)

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