Analyse

Soziale Netzwerke für Medien inzwischen überlebensnotwendig

Facebook und Co. werden mittlerweile von einer Reihe von Medien eingesetzt, in Zukunft dürften es noch mehr werden: Laut einer Analyse der "New York Times" ist ein Auftritt in sozialen Netzwerken inzwischen überlebensnotwendig.

Smartphone© bloomua / Fotolia.com

Berlin - Etliche Medien setzen inzwischen auf soziale Netzwerke wie Facebook. Das ist auch nicht verwunderlich, sagte der Hamburger Medienwissenschaftler Stephan Weichert im Interview mit der dpa. Facebook sei schließlich der größte Player im Social-Media-Bereich. Die Nutzung solcher Kanäle werde weiter zunehmen. Interessant bleibe die Frage, ob das Netzwerk möglicherweise irgendwann eine eigene News-Redaktion aufmacht.

Warum veröffentlichen Medien Berichte überhaupt in sozialen Netzwerken?

Es ist für alle journalistischen Angebote inzwischen überlebensnotwendig, in den sozialen Medien präsent zu sein - das hat nicht zuletzt der "Innovation Report" der "New York Times" analysiert. Gleichzeitig nimmt die mobile Mediennutzung kontinuierlich zu. Der Trend wird sich fortsetzen. Content-Sharing, also das teilen der Inhalte, wird daher immer wichtiger, die Zeit der Homepages ist definitiv vorbei.

Und warum gerade Facebook?

Facebook hat aktuell weltweit 1,6 Milliarden aktive Nutzer, das heißt die breite Masse hält sich nun einmal dort am häufigsten und am längsten auf. Facebook ist gemeinsam mit WhatsApp, das eine Milliarde Nutzer hat und ebenfalls zum Unternehmen Facebook gehört, der erfolgreichste Player im Social-Media-Bereich. Es ist für viele Verlage nur konsequent, dort präsent zu sein.

Was bedeutet das für die Nutzung von Instant Articles?

Die Nutzung über soziale Kanäle wird zunehmen, vor allem bei den Millennials und erst Recht bei der jetzt heranwachsenden Generation Z unter 18 Jahre, die in den kommenden Jahren stärker in den Fokus der werbetreibenden Industrie geraten. Viele Verlage fürchten, wenn sie jetzt nicht anfangen, diese Zielgruppen für ihre Marke zu begeistern, sind diese für immer verloren.

Nimmt das Tempo der Entwicklung zu?

Ja. Es gab in der deutschen Verlagslandschaft und bei den TV- und Radio-Anbietern sehr lange Zeit eine vornehme Zurückhaltung, ob man Facebook seine Inhalte herschenken soll. Aber nachdem sich in den angelsächsischen Ländern Premiummarken wie die "New York Times", der "Guardian" oder die "Washington Post" zu diesem Modell bekannten, war diese Haltung endgültig vorbei.

Wie geht es weiter?

Die aktuelle Entwicklung ist nur ein Zwischenstadium. Wenn es mit Instant Publishing einigermaßen funktioniert, steigen sicher noch weitere journalistische Anbieter ein. Wir können allerdings schon jetzt beobachten, dass Facebook bei den ganz jungen Mediennutzer überhaupt nicht mehr attraktiv ist. Nächstes Jahr wird man darüber vielleicht noch einmal ganz anders denken.

Gibt es auch Risiken?

Risiken gibt es bei Innovationsprozessen so gesehen immer: Einerseits haben die Verlage Journalismus als Kernkompetenz, die ihnen so schnell keiner wegnehmen wird. Ich sehe Facebook momentan daher nicht als Konkurrent der Verlage. Aber es bleibt die Frage, ob soziale Netzwerke nicht den Aufbau eigener Redaktionen à la Apple News oder Xing Klartext weiter vorantreiben. Es könnte also gut sein, dass Facebook oder Twitter demnächst eigene News-Redaktion ausgründen. Was dann ist, wird sich zeigen.

Marcel Petritz / Quelle: DPA

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