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SimTD: Feldversuch für vernetzte Autos in Frankfurt

Seit Montag sind im Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt 120 Testwagen im Rahmen eines Feldversuchs unterwegs. Sechs Monate lang soll ein neues System getestet werden, das Autos untereinander vernetzt und den Austausch von Informationen zur Verkehrslage ermöglicht.

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Achtung, Stau! Der Vordermann bremst stark! Warnungen wie diese und optimierte Routen sollen Autofahrer künftig von ihrem eigenen Pkw erhalten. In Hessen wird ein Computersystem erprobt, mit dem Autos untereinander kommunizieren.

Feldversuch mit 120 Testwagen

Im Rhein-Main-Gebiet hat am Montag die vernetzte Zukunft des Autoverkehrs begonnen. Seit Montag sind bei einem Feldversuch rund um Frankfurt 120 Testwagen unterwegs, die über das Internet untereinander und mit einer Zentrale ständig Informationen zur Verkehrslage austauschen (PDF). Die von einem Herstellerkonsortium auf die Straße gestellte Flotte ist Teil eines neuen Infrastruktursystems zur Unterstützung des Fahrers und der Verkehrslenkung per Computer.

Die Autos tauschen über Mobilfunk Informationen über Gefahren aus und erhielten Hinweise zu Verkehrslage, Wettereinflüssen oder Fahrtroute, teilte die Technische Universität München am Montag mit. Der Feldversuch zwischen Frankfurt und Friedberg ist innerhalb des 69 Millionen Euro teuren Projekts "Sichere Intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland" (SimTD) auf sechs Monate ausgelegt.

Informationen werden von Auto zu Auto und in die Zentrale gesendet

Wissenschaftler sprechen von einem der bisher weltweit größten Flottenversuche im laufenden Verkehr. Die Autos seien auf Autobahnen, Landstraßen und im Frankfurter Stadtgebiet unterwegs. Pro Woche sollen sie 60.000 Kilometer zurücklegen, erklärte ein Projektsprecher. Das wären pro Wagen 500 Kilometer in der Woche. Frankfurt gilt als Pendlerhauptstadt der Republik, zudem liegt die Stadt im Schnittpunkt wichtiger europäischer Straßenverbindungen. Die Autobahnen müssen ein extrem hohes Verkehrsaufkommen bewältigen.

Das System nutzt nach Angaben der Organisatoren eine Funktechnik, die auf dem WLAN-Standard (drahtloses Internet) aufbaut. Entlang der Straßen sind dafür eigens Empfänger installiert worden, die sich mit dem jeweiligen System im Auto verbinden können. Informationen werden von Auto zu Auto sowie in eine Zentrale gesendet. Auch die Mobilfunktechnologien UMTS und GPRS werden eingesetzt.

Das System soll den Fahrer etwa vor Gefahren wie einem stark bremsenden Vordermann warnen und die richtige Geschwindigkeit für eine "grüne Welle" anzeigen. Ein weiteres Ziel sei, durch günstige Routen und das Vermeiden von Staus den Schadstoffausstoß zu senken, sagte Prof. Fritz Busch von der TU München der Mitteilung zufolge. "Wir untersuchen, wie die Autofahrer diese Technik im Alltag annehmen." Die Fahrdaten der vernetzten Fahrzeuge sollen anonymisiert in die übergeordnete Verkehrsplanung einfließen.

Projekt wird von Daimler koordiniert

"Mit dem Projekt werden die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Einführung der Fahrzeug-Fahrzeug und Fahrzeug-Infrastruktur-Vernetzung vorbereitet, erklärte SimTD-Projektleiter Christian Weiß laut einer Mitteilung des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Damit werde der Innovationsvorsprung der deutschen Industrie gesichert.

Koordiniert wird das Projekt von der Daimler AG. Beteiligt sind auch die Autobauer Opel, Audi, BMW, Ford und Volkswagen, die Zulieferer Bosch und Continental sowie die Telekom, mehrere Forschungseinrichtungen und die Straßenbehörden in Hessen und der Stadt Frankfurt. Gefördert wird das Projekt unter anderem vom Bund, dem Land Hessen und dem Verband der Automobilindustrie. Der Bund bringt allein 40 Millionen Euro Förderung auf.

(Jörg Schamberg)

Quelle: DPA

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