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Schäuble plant Bundes-E-Mail für alle

Das Bundesinnenministerium arbeitet derzeit an der Entwicklung von bombensicheren, digitalen Postfächern für alle Bürger. Doch es gibt auch berechtigte Zweifel an dem Projekt.

Internet© Victoria / Fotolia.com
Trojaner, Viren und Phishing-Attacken – die Bedrohungen im Netz haben viele Namen. Internet-Provider und E-Mail-Anbieter geben ihr Bestes, um der Gefahrenflut Herr zu werden, doch die Cyber-Gangster finden immer neue Wege, um sich Zugang zu den Rechnern von Privatanwendern und Firmen zu verschaffen. Seit einiger Zeit beschäftigt das Problem auch die Politik in Berlin: Im Bundesinnenministerium arbeitet man daher gemeinsam mit Unternehmen an der Entwicklung einer Bundes-E-Mail, die alle Bürger vor Betrügern im Netz schützen soll.

Sicher und rechtsverbindlich

Der "De-Mail" genannte Dienst soll bereits auf dem dritten IT-Gipfel Mitte November in Darmstadt von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgestellt werden, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD). Ab 2010 sollen Bürger nach Überprüfung der Meldedaten ihre eigene, zweifelsfrei identifizierbare De-Mail-Adresse beantragen können, mit der sie untereinander und mit Behörden sicher kommunizieren können. Nach Vorstellungen des Bundesinnenministeriums soll De-Mail künftig den amtlichen Briefwechsel in Papierform ablösen, da Ämter dazu verpflichtet werden, die Anträge mit der gleichen Rechtsverbindlichkeit zu behandeln. Auch digitale Einschreiben und Zustellurkunden werden nach den Plänen möglich sein, worüber sich besonders Banken und E-Commerce-Anbieter freuen dürften. Laut Bericht soll in Kombination mit dem Dienst zudem ein elektronischer Safe angeboten werden, in dem sensible Daten und Dokumente verschlüsselt aufbewahrt werden können.

Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, De-Mail?

Wie die FTD durch ein internes Papier aus dem Bundesinnenministeriums erfahren haben will, bestehe der Antrieb zum weltweit einmaligen Unternehmen "De-Mail" aus der Sorge um die Vertraulichkeit der Kommunikation. Niemand in Deutschland wisse heute, ob seine E-Mails etwa "von unberechtigten Dritten mitgelesen" werden. Eine kühne Feststellung, die umso mehr in Anbetracht der Tatsache an Brisanz gewinnt, dass eben jenes Ministerium der Urheber von digitalen Spionageprojekten wie des Bundestrojaners und der Vorratsdatenspeicherung ist.

Doch nicht nur deshalb hat De-Mail einen bitteren Beigeschmack. Die Politik verlässt sich bei der Entwicklung des Dienstes auf die Hilfe von Unternehmen - mit von der Partie: die Deutsche Telekom. Ihre Tochter T-Systems allein verfüge in Deutschland über das nötige Zertifikat des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, so der Bericht. Doch ob der Ex-Monopolist tatsächlich der geeignete Kandidat ist, um ihm den Schutz der persönlichen Informationen von Millionen von Bundesbürgern anzuvertrauen, ist eher fragwürdig. In der Vergangenheit hat sich die Telekom jedenfalls nicht gerade durch einen engagierten Schutz von Daten einen Namen gemacht.

(André Vatter)

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