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Querus: Real-Satire am Telefon

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Ganz Deutschland ist dämlich. Ganz Deutschland? Nein! Nur ein aus unbeugsamen Idioten bestehender Teil hört nicht auf, dem gesunden Menschenverstand Widerstand zu leisten. Sonst würden Nummern wie diese hier überhaupt nicht funktionieren – und so mancher andere wäre um einen nachmittäglichen Spaß ärmer. Regieanweisungen für ein Drehbuch, wie es nur das Leben schreiben kann…

Neulich in Absurdistan – das Telefon klingelt: Dran? - Eine Dame von Querus (wer zur Hölle das auch ist…), unbestimmbares Alter, Rothhändle-Stimme mit kölschem Akzent: „Tach, Herr Leinhos, Firma Querus aus Huerth. Sie sind uns wärmstens empfohlen worden. Wir hätten da einen lukrativen Job für Sie!“

Empfohlen? Job? Für mich? Wie nett! Muss ein Headhunter sein! Kopfkino: Ich als Pamelas Medien-Coach, Feldbuschs neuer Ghostwriter oder einfach nur der Hunzickersche Kofferträger. – Zugegeben, für ein paar Sekunden hat sie mich, die Querus-Tante mit dem Idioten-Idiom. Doch dann kommen die Zweifel…

Woher Sie meinen Namen und meine Nummer hat, will ich wissen. - Ja, wärmstens empfohlen worden sei ich, von einem der 1800 Querus-Mitarbeiter. - Von wem? Weiß Sie nicht: "Die Person hat leider vergessen, Ihren Namen auf den Zettel zu schreiben." Ach ne, was'n Zufall: Im Kopfkino fällt endgültig der Vorhang. Klar, Schätzken - was wird das denn für ne armselige Nummer? Aber egal, weiterspielen, weiterreden lassen – könnt’ ja noch lustig werden…

Sie: „Na ja, ich habe hier diesen Zettel mit Ihrem Namen, Telefonnummer und Ihren Eigenschaften: zielstrebig, fleißig, ordentlich und intelligent – das sind doch Ihre Eigenschaften oder?“ Ok, auf zum Tour versauen: „Ähem, ne. Ich bin eigentlich mehr der völlig verplante Faulenzer mit Hang zum Messy-Syndrom und Anfällen akuten Schwachsinns!“ Bingo! Schweigen am anderen Ende, langes Schweigen. In Momenten wie diesen muss Mrs. Querus ihren Job so richtig hassen... Und schon wieder kommt meine verdammte Mitleidsader durch: Ich hätte doch nur ein Späßchen gemacht. Natürlich träfen all diese Eigenschaften ganz klar auf mich zu.“ (Hüstel!)

Erleichterung bei Querus: „Na dann möchte ich Sie hiermit herzlich zum Bewerbungsgespräch in Hürth einladen!“ – Und für was bewerbe ich mich? - „Das darf ich noch nicht sagen…“ - Wie jetzt? Ich soll nach Hürth mich für die Katz im Sack bewerben? – „Äh, ja…“, tönt’s hilflos von Querus. - Also könnt ich mich dann theoretisch gerade bei Ihnen auch als Blumenumtopfer bewerben? – „Äh, wie gesagt, darf ich nicht sagen…“

– Also doch der Blumenumtopfer! – „Hm, hust – nein: Eher was mit Marketing und Dienstleistungen…“ Kurze Erinnerungen bei mir an Susanne B., die schon in der 13 immer so wahnsinnig konkret daherschwätzte und „mal irgendwas mit Medien und so“ machen wollte. – Schön, und was da genau? – Stottern bei Querus: „Äh, ja, äh… Finanzen!“ – Wie jetzt, Marketing, Dienstleistung, Finanzen – was genau? – „Ach, reden Sie doch mit meinem Chef…“ Ja, und genau das tue ich und rufe ihn an. Herr S. aus Hürth ist beredt, wahnsinnig beredt. Kaum habe ich mich vorgestellt, kommt die volle rhetorische Breitseite. Der Mann muss irgendwas mit Marketing machen. Auch er beharrt felsenfest darauf, meine Daten durch Empfehlung bekommen zu haben und nicht durch den Blick ins örtliche Telefonbuch. Empfohlen worden sei ich. Von wem ließe sich nicht mehr rausbekommen. Schließlich hat man seine Zeit ja nicht geschenkt. Und bei hunderten von Empfehlungen von tausenden von Mitarbeitern…

Jedenfalls kann ich bei Querus zwischen 4000 und 8000 Euro pro Monat machen – alles, was ich tun muss, ist mich bewerben, und mich nicht allzu dämlich anstellen. Was ich für die Kohle tun soll, will auch er mir nicht genau sagen. Dafür muss ich schon nach Hürth zum Bewerbungsgespräch...

Ne, lass mal, da geh ich lieber zu www.querus.de: Äußerst dürftig: "Finanzberatung", "Firmengewinnbeteiligung" und Bilder von wahnsinnig geschäftig dreinschauenden Mitarbeitern. Riecht nach Versicherungsvertickerei und Provisionsgeschäften; und irgendwie nach MLM. Mag sein, dass ich schon wieder mal am großen Reibach vorbeigerauscht bin. Ferrari, dicke Konten und die Luxusvilla ausgeschlagen hab. Für's große Geld bin ich wohl leider zu mißtrauisch. Da sterb ich lieber arm und putz meinen Monitor, als wahrscheinlich ständig andererleuts Klinken...

(Alex Leinhos)

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