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Protestaktion: Freifunk verteilt Gratis-Hotspots

Die Initiative Freifunk will ein Zeichen gegen die sogenannte Störerhaftung setzen, die private Betreiber offener WLAN-Netze im Missbrauchsfall mitverantwortlich macht. Unter dem Motto "Freifunk statt Angst" werden in den kommenden Wochen 100 anonyme und freie WLAN-Hotspots aufgestellt.

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Seit fast zehn Jahren setzt sich das Projekt Freifunk für kostenlose WLAN-Zugänge in der Öffentlichkeit ein. Bis heute ist die Zielsetzung der nichtkommerziellen Initiative unverändert: freie Drahtlos-Netzwerke sollen das Internet möglichst überall ohne Beschränkung verfügbar machen und so zu einer Demokratisierung der Kommunikationsmedien beitragen. Seit 2010 birgt der unverschlüsselte Betrieb eines Funknetzes für Privatpersonen allerdings erhebliche Risiken. In einem Streit um die Haftungsfrage bei Rechtsverstößen entschied der Bundesgerichtshofs (BGH), Privatpersonen seien verpflichtet, ihr WLAN-Netz gegen Missbrauch zu sichern. Andernfalls könnten sie im Rahmen der sogenannten Störerhaftung belangt werden. Die Folge: Zahlreiche ehemals offene Funknetze wurden abgeschaltet oder für eine Fremdnutzung gesperrt. Mit der Aktion "Freifunk statt Angst" protestieren die Freifunker nun in Berlin für eine Änderung der bestehenden Rechtslage.

Nur Internetanbieter sind geschützt

Diese schützt bisher ausschließlich bei der Bundesnetzagentur eingetragene Internetanbieter, während etwa auch Geschäftsleute wie Café-, Restaurant- oder Hotelbesitzer nicht vor Abmahnungen gefeit sind. Freifunk fordert daher eine generelle Abschaffung der Störerhaftung. In Berlin wollen die Aktivisten durch die Verteilung 100 sogenannter Freedom-Fighter-Boxen – mit einer speziellen Firmware ausgestattete WLAN-Router – in den kommenden Wochen ein dauerhaftes Zeichen setzen. Die Access-Points sollen vor allem in den Stadtteilen Kreuzberg und Friedrichshain an verschiedenen öffentlichen Plätzen wie Cafés oder Bars aufgestellt werden und einen kostenfreien, anonymen Internetzugang bieten.

Der gesamte Datenverkehr wird dabei zunächst über einen abgesicherten VPN-Tunnel an den schwedischen Provider "IPREDATOR" geleitet und gelangt erst getarnt unter dessen IP-Adresse in das World Wide Web. Weder die Internetnutzer noch der Inhaber des benötigten DSL-Anschlusses sollen so ermittelt werden können, während als offizieller Ansprechpartner ein juristisch geschützter Provider auftritt. Die verfügbare Bandbreite ins Internet wird dabei geteilt, wobei nur ein Teil für das WLAN genutzt wird.

Vorbild Skandinavien

Mit der bei Browser-Start aufgerufenen Startseite http://anon.freifunk.net/ wollen die Freifunker dabei für ihre Ziele werben. "Gerade in Berlin, wo es so eine dichte Bevölkerungsstruktur gibt, findet man fast allen Orts über ein Dutzend privater WLAN-Netze. Einen Großteil davon könnte man abschaffen, wenn sich Menschen diese Zugänge wieder teilen würden", sagte Freifunk-Sprecher Jürgen Neumann im Interview mit taz.de. Nötig sei eine klare höchstrichterliche Entscheidung nach dem Vorbild Skandinaviens. Dort sei in Sachen freies WLAN zu Gunsten der Allgemeinheit entschieden worden, während hierzulande Privatpersonen juristische Verfolgung und Abmahnungen fürchten müssten.

Alle Freedom-Fighter-Boxen sollen dauerhaft an ihren Standorten bleiben. Für eine deutschlandweite Ausweitung der Aktion würden zudem weitere Provider gesucht, so Neumann gegenüber dem "Handelsblatt". Derzeit stehen laut Freifunk-Blog noch 460 der vor drei Jahren als Schenkung erhaltenen WLAN-Router vom Typ "AirTies WAV-281" zur Verfügung. Bedingung für eine Nutzung der Geräte sei gewesen, diese mit einer neuen Firmware auszustatten und Werbung für die Hersteller-Firma zu machen. Erst kürzlich habe man die entsprechende Freifunk-Software fertigstellen können.

(Christian Wolf)

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