News

Ostdeutsche Startups - Auf der Suche nach Geld

Die reichen Kapitalgeber im Silicon Valley locken auch deutsche Technik-Unternehmer. Doch Einfallsreichtum und technische Perfektion reichen nicht aus, um Millionen einzusammeln: Die Deutschen müssen lernen, sich selbst anzupreisen.

Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Das ist eine klassische Silicon-Valley-Szene: Smarte, junge Technik-Unternehmer stellen hochkarätigen Kapitalgebern in schicken Hotelräumen ihre Ideen vor. In perfektem Englisch parlieren sie über Firmenbewertungen und Geschäftsmodelle, während sie auf die bewaldeten Berge blicken und Wein aus der sonnigen Region trinken.

Auf der Suche nach frischem Kapital

Doch die jungen Träumer sind nicht die typischen Möchtegern-Milliardäre von den nahen Universitäten Stanford und Harvard. Sie sind junge Geschäftsleute aus dem Osten Deutschlands. Sie sind ins legendäre Silicon Valley gekommen, um Millionen Dollar von den turbokapitalistischen Risikokapitalgebern einzusammeln, die die Internet-Revolution finanziert haben.

"Ostdeutscher Einfallsreichtum trifft Westküsten-Kapital" (Eastern German Ingenuity Meets West Coast Capital), lautete der Slogan des Treffens. Dabei soll das geschäftliche Potenzial junger Technikfirmen aus den neuen Bundesländern jenen Machern präsentiert werden, die Unternehmen wie Intel, Google, Facebook und zahllose andere gegründet haben. Nach einer Flaute während der Rezession nehmen amerikanische Risikokapitalgeber schnell wieder Fahrt auf - sie investierten allein im ersten Quartal dieses Jahres 5,9 Milliarden Dollar (rund 4 Milliarden Euro) in neue Firmen.

Chance statt Risiko

Selbst bei der jetzigen Dollarschwäche ist das viel Geld. Lars Koshin, der für seine in Berlin angesiedelte Spielefirma Neonga fünf bis zehn Millionen Dollar braucht, findet es leichter, in Kalifornien Geld zu beschaffen. "Der Name sagt alles", findet der 40-jährige Unternehmer. "In Deutschland sagen wir "Risikokapital", hier spricht man von "Beteiligungskapital". Hier werden neue Firmen als Chance gesehen, in Deutschland als Risiko."

Unterschiede bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind ein wichtiger Punkt an diesem Abend. Bestnoten gibt es für die gut ausgebildeten und zuverlässigen Mitarbeiter in Deutschland, für die technische Expertise und die Forschungseinrichtungen. Doch der Unternehmergeist müsse sich verbessern, meint Clemens von Bergmann, "Investment Director" beim High-Tech Gründerfonds, der junge Firmen unterstützt.

Selbst der berühmte deutsche Perfektionismus könne manchmal nach hinten losgehen, sagt Ajit Nazre, Partner beim finanzkräftigen Kapitalgeber Kleiner Perkins Caufield and Byers, der zu den frühen Investoren bei Google zählte. "Der deutsche Ingenieur will perfekt sein, selbst wenn das bedeutet, dass er eine Marktchance verpasst."

Nachholbedarf beim Marketing-Wissen

Auch die traditionelle Abneigung der Deutschen, sich selbst anzupreisen, ist im hartem Wettbewerb der Technologie-Branche ein Hindernis. "Deutsche Ingenieure sind großartig, aber im Marketing sind sie mies", sagt Oliver Hanisch vom Founder Institute Berlin, das jungen Technik-Unternehmern beim Start im Silicon Valley hilft.

Diese Behauptung wird überprüft, als neun Firmen wie beim "Speed-Dating" jeweils fünf Minuten bekommen, um sich vor einem Publikum aus Risikokapitalgebern zu präsentieren. Nur ein guter Geschäftsplan reicht nicht. "Sie müssen sich vom Grundrauschen abheben", sagt Andy Tsao, von der Silicon Valley Bank. "Wir sehen so viele Präsentationen und wir sind auch nur Menschen."

Gute Noten vergibt Tsao an Ingo Hinterding von CrowdPark. Der will zwischen sechs und acht Millionen Dollar für ein Spiel einsammeln, das Nutzern erlaubt, eine virtuelle Währung auf beliebige Ereignisse zu setzen. CrowdPark ist bereits eines der zehn am schnellsten wachsenden Spiele auf Facebook. Tsao gefällt der soziale Aspekt, sein großes Marktpotenzial und die zugrundeliegende Technologie.

Nicht alles Gold, was glänzt

Einige Firmen finden es schwieriger, bei den Zuhörern anzukommen. Der Plan eines ausgeklügelten Internet-Fernsehers scheitert. Und zu einem neuen Tool für die Zusammenarbeit im Unternehmen namens Twoonix sagt ein Stanford-Professor: "Ich verstehe immer noch nicht, was Ihr macht."

Aber zum Silicon Valley passt es auch, dass Twoonix eine zweite Chance bekommt. Der gesellige Investor Randy Williams nimmt als letzter das Mikrofon und kündigt ein großzügiges Angebot an. Alle neun deutschen Firmen werden zu einem Event eingeladen, dass er am nächsten Abend für seinen Investment-Club Keiretsu gibt. Hinter diesem verbirgt sich eine internationale Gruppe von reichen Geldgebern, die in Existenzgründer investieren und diese begleiten wollen. Es gibt nur einen Haken: Jeder hat für seine Präsentation nur 20 Sekunden Zeit.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

Kommentieren Community
Zum Seitenanfang