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"NYT": Amazon wird zum Buchverlag

Amazon wird laut "New York Times" zum Verleger und damit zur direkten Konkurrenz der Buchverlage. Ihnen wirbt Amazon bereits aggressiv Autoren ab. Schon in diesem Herbst sollen 122 Bücher sowohl als E-Book als auch als Printversion erscheinen.

Amazon© Amazon

Der US-Konzern Amazon sorgte in den vergangenen Wochen immer wieder für Wirbel. Mit der Vorstellung des Kindle Fire zum Preis von 199 US-Dollar eröffnete Amazon den Preiskampf bei Tablet-PCs. Mit seinem Online-Shop ist der Versandhändler schon länger zur Konkurrenz zum traditionellen Buchladen vor Ort geworden. In den USA verkauft Amazon bereits mehr E-Books als gedruckte Bücher. Laut einem Bericht der "New York Times" versetzt das Unternehmen nun auch die Buchverlage in Panik: Amazon wird selbst als Verleger tätig und damit zur direkten Konkurrenz.

Amazon bringt zum Start 122 Bücher heraus

Bereits in diesem Herbst will Amazon nach Informationen der Zeitung 122 Bücher aus verschiedenen Genres als E-Book und als Printversion veröffentlichen. Amazon soll zudem den Verlagen aggressiv Autoren abwerben, die sich dann quasi selbst über Amazon vermarkten können. Zwischenhändler wie Agenten und Verlage würden überflüssig.

Bekannt wurden beispielsweise Verträge mit dem Ratgeber-Autor Tim Feriss sowie mit der Schauspielerin und Regisseurin Penny Marshall, die für ihre Memoiren angeblich 800.000 US-Dollar erhalten soll. Die neue Abteilung bei Amazon wird von Laurence Kirshbaum geführt, einem erfahrenen Verlagsveteranen.

Während die großen Verlage sich nicht zu den Plänen von Amazon äußern wollen, bringt es Richard Curtis, ein langjähriger Agent und E-Book-Verleger, auf den Punkt: "Jeder hat Angst vor Amazon". Der US-Konzern selbst spielt seine Absichten herunter. "Es ist immer das Ende der Welt", kommentiert Amazon-Manager Russell Grandinetti das Klagen der Buchverlage. Zugleich verweist er darauf, dass sich die Buchlandschaft zum ersten mal seit Erfindung des modernen Buchdrucks durch Gutenberg erheblich ändern könnte. "Die einzig wirklich notwendigen Leute beim Verlegen sind nun der Autor und die Leser", sagt Grandinetti.

Amazon könnte klassische Buchverlage langfristig verdrängen

Amazon hat damit begonnen jedem Autor einen Zugriff auf die begehrten Nielsen BookScan Verkaufsdaten zu geben. Dieser Service ist unabhängig davon, ob der Schreiber bei Amazon unter Vertrag ist oder nicht. Zugleich führt der Internetkonzern eine direkte Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Buchautoren und den Lesern ein. Das Ziel ist klar: Wird diese Entwicklung weiter massiv vorangetrieben, können Autoren ihre Bücher demnächst bevorzugt selbst über Amazon veröffentlichen und vermarkten. Während der US-Konzern kräftig mitverdient, bleiben die klassischen Buchverlage auf der Strecke.(Jörg Schamberg)

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