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Nokia und Motorola im Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

Nokia und Motorola geben schon lange nicht mehr den Ton in der Mobilfunk-Branche an. Jetzt setzen sie mit neuen Geräten abermals zur Aufholjagd zu Apple und Samsung an. Experten sehen sie vor einer schwierigen Aufgabe.

SMS© TristanBM / Fotolia.com

Vor zehn Jahren wäre es eine Riesen-Sensation gewesen, wenn Nokia und Motorola an einem Tag neue Telefone vorgestellt hätten. Damals waren sie die unangefochtenen Platzhirsche im Handy-Geschäft. Heute ist Motorola auf die Rolle eines Nischen-Anbieters und Googles Patent-Schatulle gestutzt. Und Nokia kämpft verzweifelt gegen einen fortschreitenden Bedeutungsverlust an. Die neuen Smartphones, die sie jetzt ins Rennen schicken, sollen bei den beiden Traditionsunternehmen die Trendwende einleiten.

Windows Phone will mit Lumia-Smartphones durchstarten

Nokia entschied sich vor eineinhalb Jahren gegen Android und für die Microsoft-Plattform Windows Phone, deren Marktanteil immer noch im einstelligen Prozentbereich festhängt. Daran konnten auch die vor knapp einem Jahr gestarteten ersten Lumia-Smartphones von Nokia kaum was ändern, wenn man von einer Verbesserung des Marktanteils von weniger als zwei Prozent auf unter drei Prozent absieht. Die neuen Modelle Lumia 920 und Lumia 820 sollen jetzt endlich den Durchbruch bringen. Für den Nokia-Partner Microsoft sind die Smartphones neben Desktops und Tablet-Computern eine der drei Säulen, die die Zukunft seiner Windows-Welt sichern sollen.

Vor allem in zwei Punkten legte sich Nokia mächtig ins Zeug: Kamera und Karten. Die neuen Lumias sollen deutlich schärfere und kontrastreiche Bilder machen, zudem sind alle möglichen Zusatzfunktionen an Bord: Man kann etwa direkt auf dem Handys störende Objekte aus den Bildern entfernen und die beliebten animierten GIF-Bilder basteln.

Experten erwarten keinen Durchmarsch

US-Experten erwarten jedoch bei allem Lob für die Anstrengungen von Nokia und Microsoft keinen Durchmarsch. Es werde nicht einfach werden, die neuen Funktionen der Lumias zu hervorzuheben, urteilte Gartner-Analystin Carolina Milanesi in einer ersten Reaktion. "Die Erlebnisse aus den Verkaufspunkten werden wieder einmal entscheidend sein." Die Börsianer sind skeptisch: Noch während der Nokia-Präsentation verlor die Aktie am Mittwoch 13 Prozent und am Donnerstag weitere 5 Prozent.

Der Smartphone-Markt, der einst Nokia und Motorola gehörte, wird heute von Samsung und Apple beherrscht. Besonders deutlich wird das bei den Smartphones, die immer mehr gewöhnliche Handys verdrängen. Samsung setzte im vergangenen Quartal rund 52 Millionen Smartphones ab, Apple die Hälfte - und Analysten trauen dem nächsten iPhone Verkäufe von zehn Millionen Geräten pro Woche zu. Motorola dagegen kam im vergangenen Vierteljahr gerade einmal auf 4,4 Millionen abgesetzte Computer-Handys.

Erfolg muss wieder her

Beide einstigen Champions können nicht auf Dauer mit solchen Marktanteilen leben. Motorola hat den großen Vorteil, jetzt sozusagen die Hausmarke von Google zu sein, der treibenden Kraft hinter dem Betriebssystem Android, das heute den Smartphone-Markt beherrscht. Google-Verwaltungsratschef trat bei der Vorstellung der drei neuen Motorola-Geräte auf die Bühne mit der unmissverständlichen Botschaft, dass der Handy-Pionier jetzt auf den Schultern eines Giganten steht. Inzwischen würden jeden Tag 1,3 Millionen neue Android-Geräte aktiviert, rund 500 Millionen seien weltweit im Einsatz.

Da Android als iPhone-Alternative etabliert ist, fällt es Nokia nicht leicht, mit der neuen Plattform durchzustarten: Charlie Kindel, der einst Windows Phone mitentwickelte und heute als IT-Unternehmer auftritt, glaubt, dass Unterstützung durch Mobilfunk-Betreiber der entscheidende Faktor ist. Und das Beratungsunternehmen Ovum hob das Potenzial für Windows Phone im Unternehmensmarkt hervor, wo die Smartphones mit anderer Microsoft-Software verzahnt werden könnten.

Gartner glaubt an Erfolg von Windows Phone

Insgesamt glaubt das Marktforschungsunternehmen Gartner weiterhin daran, dass sich Windows Phone als dritte Kraft im Smartphone-Markt etablieren und in drei Jahren zum Marktanteil von Apples iPhone aufschließen kann. Schließlich gibt es noch einen großen Markt mit heutigen Nutzern einfacher Handys zu verteilen. Vorerst aber hing der Schatten der in knapp einer Woche erwarteten iPhone-Vorstellung über dem großen Nokia-Event: Es gab gar keine Angaben zu Preis und Starttermin. "Das schafft Freiraum zum Nachjustieren, wenn sie wissen, was HTC und Apple machen werden", erklärte Milanesi. Windows Phone 8 dürfte ohnehin erst zusammen mit dem PC- und Tablet-Betriebssystem Windows 8 Ende Oktober an den Start gehen.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

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