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Nicht nur für Zocker: Die Playstation 3 im Test

Die PS3 ist nicht nur die teuerste, sondern auch die derzeit am besten ausgestattete Spielkonsole. Die Redaktion konnte Sonys neues Vorzeigeobjekt eine Woche lang testen. Für wen sich die Anschaffung lohnt, verraten wir in unserem Testbericht.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com
Die Produktion der Playstation 3 (PS3) stand in den vergangenen Monaten unter keinem guten Stern: Vor allem der verzögerte Marktstart machte dem Konzern zu schaffen. Dann trudelten die nächsten Hiobsbotschaften ein: Alte PS2-Spiele wurden von der neuen Konsole anfangs nicht unterstützt, dann folgte noch das Aus für die kleine Playstation-Version. Seit März ist die Konsole nun auch in Europa auf dem Markt und gesellt sich damit als Dritte im Bunde zu Microsofts Xbox 360 und zu Nintendos Wii. Die Redaktion konnte die neue Playstation eine Woche lang testen.

Multimedia fürs Wohnzimmer

Die Playstation 3 ist nicht nur die teuerste unter den Konsolen der aktuellen Generation, sondern auch die am besten ausgestattete. Doch für reine Gamer lohnen sich die 599 Euro für die Spielkonsole nicht. Wer allerdings gerne zockt und nach einem multimediafähigen Wohnzimmer-PC sucht, sollte sich Sonys neues Prunkstück einmal genauer anschauen.

In einem großen Karton trudelte das gute Stück in unserer Redaktion ein. Mit dabei: Die Playstation, ein drahtloser Controller, fünf Spiele und ein Blu-Ray-Film. Die mitgelieferten Test-Spiele sind vor allem Rennspiele. Im Karton lagen "F1 Championship Edition" , "Motorstorm", "Ridge Racer 7", "Genji: Days of the Blade" und der Shooter "Restistance: Fall of Man". Ausgepackt wirkt die neue Playstation durchweg hochwertig und edel. Die Plastikoberfläche glänzt in tiefem Schwarz, das Gehäuse ist abgerundet und vor allem Geschmackssache: Die einen werden es gelungen finden, die anderen wird es eher an einen überdimensionierten Sandwich-Toaster erinnern.



Ein Nachteil der Hochglanz-Optik offenbarte sich schnell: Staub und Fingerabdrücke hinterlassen gut sichtbare Spuren auf dem Gehäuse. Doch wichtig ist vor allem, was sich unter der glänzenden Oberfläche verbirgt. Unter der Haube steckt beachtenswerte Technik. Im schwarzen Gehäuse werkelt ein Cell-Prozessor mit 3,2 Gigahertz, der auf sieben weitere, gleich getaktete Kerne zugreifen und so bis zu zehn Operationen gleichzeitig ausführen kann. Für die Grafik sorgt der zusammen mit Nvidia entwickelte RSX-Chip. Der Grafikchip ist direkt mit dem Cell-Prozessor verbunden und taktet mit 550 Megahertz. Als Grafikspeicher stehen dem Chip 256 Megabyte GDDR3-VRAM zur Verfügung, zudem kann auf den ebenfalls 256 Megabyte großen Arbeitsspeicher zugegriffen werden. Die eingebaute 60-Gigabyte-Festplatte bietet genügend Daten-Speicherplatz.

Die Spiele sollen in scharfer HDTV-Auflösung flüssig über den Bildschirm laufen. Die neue Playstation liest Blue-ray-Discs, die bis zu 50 Gigabyte Speicherplatz bieten. Das Laufwerk ist aber auch abwärts kompatibel zu gewöhnlichen DVDs und CDs. An der Vorderseite der Playstation 3 befinden sich vier USB-2.0-Anschlüsse, über die beispielsweise der drahtlose Controller aufgeladen werden kann. Doch auch Standardhardware, wie Tastaturen und Mäuse, können hier angeschlossen werden. Mit alten PS2-Controllern hingegen kann der Spieler nichts mehr anfangen. Unter einer Klappe über den vier USB-Ports verbergen sich weitere Anschlüsse. Hier kann der Spieler seine Speicherkarten einstecken. Die Playstation 3 arbeitet nicht nur mit den eigenen MemorySticks, sie liest jetzt etwa auch SD- und CompactFlash-Karten. Die Konsole besitzt eine Gigabit-LAN-Schnittstelle, Bluetooth und einen integrierten WLAN-Adapter, der die Konsole drahtlos mit dem Internet verbinden kann.

HDMI-Kabel nicht mit dabei

An der Rückseite befinden sich ein optischer Digital-Ausgang und ein Multi-AV-Ausgang. Doch wer sich eine Playstation 3 anschafft, sollte idealerweise auch einen HD-tauglichen Fernseher besitzen, der mit dem Kopierschutz-Standard HDCP zurechtkommt. Ansonsten schaut der Nutzer sprichwörtlich in die Röhre und hätte sich kein teures Gerät mit Blu-ray-Player anschaffen müssen. Die Playstation wird über den vorhandenen HDMI-Anschluss mit hochauflösenden Geräten verbunden. Doch das passende Kabel wird der Käufer vergeblich im Karton suchen, denn das muss erst teuer hinzu gekauft werden. Rund 25 Euro verlangt Sony für das HDMI-Kabel zusätzlich, im Karton liegt nur ein AV-Kabel.

Je nachdem, was für ein Fernseher angeschlossen wurde, ermittelt die Playstation beim ersten Einschalten die maximal möglichen Auflösungen. Wird die Konsole später an ein neues Gerät angeschlossen, kann die Auflösung über das Menü nachträglich korrigiert werden. Die Playstation beherrscht HD in 720p, 1080i und sogar 1080p. Herkömmliche PAL-Auflösungen sind natürlich auch kein Problem für die Konsole. Schnell und unkompliziert ist die Playstation an Steckdose und Fernseher angeschlossen und kann gestartet werden. Eingeschaltet wird die Spielkonsole über einen berührungsempfindlichen Schalter an der Vorderseite. In Betrieb genommen, offenbart sich der erste Vorteil gegenüber der Xbox360. Der Lüfter der neue Playstation ist erfreulich leise.



Den Besitzern der Playstation Portable wird das Menü der Playstation 3 nur allzu bekannt vorkommen. Sony setzt bei der neuen Konsole auf die so genannte Cross Media Bar (XMB). Eine gute Entscheidung, denn das Menü ist übersichtlich, schnell und leitet den Spieler über einen Navigationsbalken schnell zu Fotos, Musik, Filmen, Spielen und ins Internet. Der Internetbrowser ist allerdings nicht so umfangreich und komfortabel, wie die aktuellen Browser für den PC. Außerdem gestaltet sich die Texteingabe mit dem Controller sehr umständlich, hier lohnt es sich, Tastatur und Maus anzuschließen. Nachdem die Playstation erfolgreich ins WLAN-Netz integriert und ein Spielerprofil angelegt wurde, können über den Shop Film-Trailer, Spiele-Demos und kostenpflichtige Spiele herunter geladen werden. Bezahlt wird mit Kreditkarte oder über das eigene Benutzerkonto. Nun starten wir das erste Spiel: Motorstorm. Die Playstation ist zwar teuer, aber auch gut. Hier offenbart sie, was unter der Hochglanz-Haube steckt. Nicht nur die Spiele, sondern auch Filme und Fotos begeistern mit realen und scharfen Bildern.

Heiße Renn-Action

Motorstorm zieht sofort in seinen Bann und begeistert durch rasante Fahrten, die weniger realitätsnah, dafür mit einer guten Portion Action geladen sind. Querfeldein geht es über steinige bis matschige Pisten, spektakuläre Unfälle sorgen für genügend Nervenkitzel. Hier kann einem anderen Spieler auch mal der virtuelle "Stinkefinger" gezeigt werden, und das nicht nur den vom Computer gesteuerten Gegnern.

Das rasante Rennspiel lässt sich auch online spielen. Der Spieler kann zwischen verschiedenen Fahrzeugen wählen, vom Motorrad über Quad-Bikes bis hin zum Rallyetruck. Jedes Fahrzeug verhält sich dabei anders. Die Steuerung über den drahtlosen Controller ist ähnlich, wie bei der Playstation 2. Das drahtlose Gamepad mit dem futuristisch anmutenden Namen "Sixaxis" besitzt zudem einen Bewegungssensor, ähnlich Nintendos Wiimote. Für dieses neue Feature musste allerdings die Vibrationsfunktion weichen.



Die Verbindung von der Playstation zum Controller wird wahlweise über Bluetooth oder über ein USB-Kabel hergestellt. Der Controller ist extrem leicht und liegt gut in der Hand. Beim Rennspiel Motorstorm kann über das Menü ausgewählt werden, ob das Spiel ganz normal oder über Bewegungen gesteuert werden soll. Wählt der Spieler letzteres, so lenkt er das Fahrzeug, in dem er den Controller nach rechts oder links kippt. Das ist anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber schnell Spaß, eine ruhige Hand vorausgesetzt. Bis zu sieben Controller lassen sich theoretisch über Bluetooth an die Playstation anschließen. Mit einem Druck auf den PS-Knopf in der Mitte synchronisieren sie sich mit der Konsole. Einfacher geht es nicht. Kinderleicht ist auch das Füttern der Spielkonsole mit CDs, DVDs und Blu-ray-Discs: Das Laufwerk ähnelt dem eines Autoradios. Der Silberling wird in den Schlitz geschoben, ein Motor zieht die Disc ins Innere und spuckt sie auf Kopfdruck auch wieder aus. CDs liest die Konsole mit 24-facher, DVDs mit achtfacher und Blu-ray-Discs mit zweifacher Geschwindigkeit.

Extrem stromhungrig

Die Grafik ist gut, aber ein "Pixelwunder" ist die Playstation (noch) nicht. Denn sie kann eigentlich mehr. Viele aktuelle Spieletitel werden in 720p ausgegeben, wo eigentlich 1080p möglich wären. Die Spieleauswahl ist derzeit auch alles andere als üppig. Rund 30 Titel gab es zum Marktstart der Konsole. Das ist nicht gerade viel, zumal die meisten Spieletitel nicht ganz taufrisch sind, sondern für die Playstation neu aufgelegt wurden. Das soll sich in den kommenden Monaten aber ändern. Bis Ende des Jahres soll es rund 100 Spiele für die PS3 geben.

Doch es gibt noch mehr Wermutstropfen, die sich allerdings nicht direkt zu Anfang bemerkbar machen. Beim Stromverbrauch langt die neue Playstation voll zu: Zwischen 160 Watt und 200 Watt verbraucht sie im Schnitt. Da wird manch frisch gebackener Playstation-Besitzer bei der nächsten Stromrechnung erschrecken. Für einen Wohnzimmer-PC verbraucht die neue Spielkonsole eindeutig zu viel Strom. Da sollte besser nach jedem Spielen der Netzschalter an der Rückseite betätigt werden. Vor diesem Hintergrund ist das im ersten Firmware-Update integrierte Folding@home, das für eine US-Universität die Strukturen von Proteinen berechnet, zwar eine nette Idee, kommt den Anwender allerdings angesichts des hohen Stromverbrauchs teuer zu stehen.



Aber: So teuer die neue Playstation auch auf den ersten Blick zu sein scheint, wer sich sowieso einen Blu-ray-Player anschaffen will, bekommt mit der Playstation einen vergleichsweise günstigen, wenn nicht sogar den günstigsten Player aufgetischt. Wer mit der Playstation vorwiegend Blu-ray-Filme schauen will, sollte auch darüber nachdenken, sich die rund 30 Euro teure Fernbedienung anzuschaffen. So kann der Blu-ray-Player weitaus komfortabler bedient werden. Mit der Playstation 3 ist das Trio der neuen Konsolen nun komplett. Lohnenswert ist die 599 Euro teure Luxus-Konsole vor allem für Multimedia-Begeisterte, die nicht ausschließlich eine Spielkonsole suchen. Die Playstation ist HD-tauglich, spielt Blu-ray-Discs, besitzt eine Internetanbindung und sogar Linux lässt sich auf der neuen Konsole installieren.

Fazit

Wer eine Playstation 3 kauft, sollte auch einen HD-tauglichen Fernseher besitzen. Die Playstation liefert dann gestochen scharfe Bilder in 1080p, allerdings nicht immer. Einige Spiele, wie das vorgestellte "Motorstorm" liegen nur in 720p vor. Weitere Minuspunkte gibt es aber für den hohen Stromverbrauch und die fehlende Vibrationsfunktion im neuen Controller.

Die Playstation 3 ist mehr Computer, als die Xbox 360 und die Wii. Mit Nintendos Wii lässt sich die neue Konsole aber nur schwer vergleichen. Die Wii kostet mit rund 250 Euro weniger als die Hälfte und ist vor allem durch die neue Steuerung beliebt, an die auch die Bewegungsfunktion in den PS3-Controllern nicht heranreicht. Bei der Grafik müssen Wii-Spieler dafür aber weit zurückstecken. Im Vergleich mit der Xbox 360 hat Sony - abgesehen vom Preis - die Nase vorn. Die Xbox ist zwar um einiges günstiger als die neue Playstation, dafür kann sie keine hochauflösenden DVDs abspielen, wenn man kein externes HD-DVD-Laufwerk hinzu kauft. Die Xbox 360 erhöht den Lärmpegel im Wohnzimmer zudem wesentlich. Dagegen ist Sonys Rivale flüsterleise.

(Denise Bergfeld)

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