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Neuer Personalausweis: Münster, Köln und Ingolstadt als Muster-Beispiele

Die Mehrheit der Bundesbürger ist nicht überzeugt: Zwei Jahre nach dem Start der Ausweiskarte mit integriertem Chip werden die digitalen Möglichkeiten kaum genutzt. Wie es funktionieren könnte, zeigt das Modell Münster.

Internet© Victoria / Fotolia.com

Die Umstellung auf den neuen Personalausweis kommt zwei Jahre nach dem Start gut voran - im Internet jedoch spielt die Chip-Karte kaum eine Rolle. Mehr als 17,5 Millionen Ausweiskarten wurden bisher ausgegeben. Aber nur 5 Millionen Besitzer haben das Dokument für den Einsatz im Internet freigeschaltet. Die tatsächliche Nutzung der sogenannten eID-Funktion dürfte noch weitaus geringer sein.

Ein Prozess, der lange dauert

"Das ist ein Prozess, der einige Jahre benötigt", sagt Eric de Vries, Autor einer am Donnerstag vorgelegten Studie des IT-Beratungsunternehmens CSC zum neuen Personalausweis. "Bei der Kreditkarte hat das auch länger gedauert, bis die Leute das angenommen haben." Ähnlich werde sich die Akzeptanz beim neuen Personalausweis entwickeln.

Die Gründe sieht die Studie unter anderem in der aus Anwendersicht komplizierten Handhabung und in dem bislang begrenzten Angebot an passenden Anwendungen. Die Berechtigung für das Auslesen der auf dem Ausweis-Chip gespeicherten Daten haben demnach erst 129 Unternehmen und Behörden erhalten. Von diesen haben 94 Anbieter auch tatsächlich Angebote für den Online-Ausweis im Einsatz - 33 Ämter und Behörden sowie 61 Unternehmen.

Damit steht der Ausweis zurzeit noch vor dem klassischen Henne-Ei-Problem: "Wir sehen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Bereitstellung attraktiver Angebote und der Bereitschaft der Bürger, diese Angebote auch nutzen zu wollen", heißt es im Bundesinnenministerium. Sowohl bei Angeboten der Verwaltung als auch in der Wirtschaft werde die Zahl der Angebote aber weiter zunehmen, ist Ministeriumssprecher Philipp Spauschus überzeugt. Er geht davon aus, dass bereits in einem Jahr mehr als ein Drittel der Ausweisinhaber die Online-Funktion aktiviert habe.

Münster, Köln und Ingelstadt leben Nutzung vor

In Münster sind es schon 70 Prozent. Die westfälische Stadt gilt ähnlich wie Köln und Ingolstadt als Vorreiter für die Nutzung der Ausweisfunktion im Netz.

Münster hat mit seinen vielen Studierenden einen Standortvorteil: "Wir haben eine sehr hohe Online-Affinität in der Bevölkerung", sagt Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU). Etliche Verwaltungsvorgänge lassen sich in Münster ohne den Gang aufs Amt erledigen, indem man den Ausweis aufs Lesegerät legt. Das reicht von der Ausgabe einer Geburtsurkunde über den Antrag fürs Führungszeugnis bis zur Meldung eines gefunden Fahrrads oder die Reservierung eines Wunsch-Kennzeichens fürs Auto. Weitere Vorgänge sollen folgen.

Bürgermeister von Münster erwartet Zunahme

In Münster wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 10.000 Verwaltungsvorgänge mit der eID-Funktion des Personalausweises vorgenommen. "Das Online-Verfahren muss einen Gang zur Behörde so stark vereinfachen, dass dieser wirklich ersetzbar wird." Lewe erwartet, dass die Nutzung weiter zunehmen wird, wenn es zu einer Vernetzung von Handel, Wirtschaft und Verwaltung kommt. So gebe es derzeit Gespräche mit den Stadtwerken, um den Personalausweis künftig als elektronischen Fahrschein nutzen zu können.

Die Pannen bei der Einführung des neuen "Perso" am 1. November 2010 scheinen inzwischen überwunden. So wurde kurz danach bei der AusweisApp für die Nutzung von eID am Computer eine Sicherheitslücke entdeckt, die kurzfristig behoben werden musste. In Münster habe es seines Wissens bisher keine Probleme mit der Sicherheit gegeben, sagt Oberbürgermeister Lewe.

Der Personalausweis hat noch einen längeren Weg vor sich, bis er im Internet einmal so selbstverständlich eingesetzt wird wie die Kreditkarte. Neben dem Angebot attraktiver Anwendungen sollte dazu die Software benutzerfreundlicher werden - erwogen wird hier etwa, deren Funktion in einem einfachen Browser-Plugin zu integrieren. Und was noch gar nicht richtig angepackt wurde, ist die Nutzung der Plastikkarte für die elektronische Signatur, um zum Beispiel digitale Dokumente rechtsverbindlich unterschreiben zu können. Fürs dritte Jahr hat der neue Personalausweis somit reichlich Hausaufgaben vor sich.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

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