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Neue TLDs: Klagen gegen ICANN gefährden Vergabeverfahren

Die Unwägbarkeiten rund um das Antragsverfahren der neuen TLDs nehmen kein Ende. Nachdem ein Unternehmen bereits vor einer Woche Klage gegen die ICANN eingereicht hatte, zog am Mittwoch das nächste nach. Beide Firmen sehen unter anderem eigene Markenrechte an TLDs verletzt und bezichtigen die ICANN interner Mauscheleien.

Internet© Victoria / Fotolia.com

Neuer Ärger für die ICANN. Innerhalb nur weniger Tage haben zwei US-Unternehmen Klage gegen die Domain-Verwaltungsorganisation eingereicht. Die Firmen fordern einen Vergabestopp für Teile der neuen Top Level Domains (new gTLDs) sowie hohe Schadensersatzsummen. Begründet werden die Vorstöße mit Vertragsverletzungen beziehungsweise strittigen Eigentumsrechten, berichtet das Branchenportal domainincite.com.

Unternehmen beansprucht Rechte an 189 TLDs

Einen Frontalangriff gegen die ICANN reitet dabei Name.Space. Das New Yorker Unternehmen beantragte eine einstweilige Verfügung gegen die Weiterführung des Registrierungsverfahrens für 189 neue TLDs, da es eigene Markenrechte an den Kürzeln verletzt sieht, darunter etwa .art, .blog, .book, .design, .home, .inc oder .sucks. Name.Space betreibt seit 1996 ein alternatives, aber wenig genutztes, DNS-System, in dem die Endungen bereits aktiv Verwendung finden.

Im Jahr 2000 war die Firma bei der ICANN mit einem Antrag auf 118 Domainendungen im Rahmen der damaligen "proof of concept" TLD-Neuzulassung gescheitert und hatte dies unter anderem auf interne Mauscheleien bei der Domain-Zuteilung zurückgeführt. Name.Space warf einigen ICANN-Verantwortlichen dabei aufgrund ihrer Tätigkeit für hochrangige Internetfirmen Interessenskonflikte vor. Im März dieses Jahres forderte das Unternehmen die ICANN schließlich dazu auf, mehrere hundert Endungen proaktiv aus dem laufenden Bewerbungsprozess um die neuen TLDs herauszunehmen, was von der Domain-Verwaltungsorganisation allerdings abgelehnt wurde.

Zweite Klage gegen die Zuteilung von ".web"

Die zweite Klage richtet sich gegen die Zuteilung einer einzigen TLD: .web. Sie wurde am Mittwoch durch das US-Unternehmen Image Online Design (IOD) eingereicht, das ebenfalls ein DNS-System mit rund 20.000 Domains betreibt und nach eigenen Angaben Markenrechte an der Bezeichnung .web hält. Auch IOD verweist in der Klageschrift unter anderem auf die TLD-Runde aus dem Jahr 2000. Damals hatte die Firma .web als Vorschlag eingereicht, zunächst wurde das Kürzel von der ICANN aber genau deshalb nicht berücksichtigt, da es bereits im alternativen Root System von IOD Verwendung fand. Im März 2001 habe das Auswahlkomitee der ICANN aber mitgeteilt, dass alle eingereichten Anträge unabhängig davon weiterhin Gültigkeit besäßen, erklärte IOD. Aus diesem Grund sei im aktuellen Registrierungsprozess keine neue Bewerbung eingereicht worden. Dennoch habe die ICANN sieben Antragssteller für .web zugelassen, ohne IOD zu berücksichtigen. Darüber hinaus wird der ICANN auch in diesem Fall vorgeworfen, aufgrund der Geschäftsbeziehungen ehemaliger und aktueller Vorstandsmitglieder zu verschiedenen Domain-Bewerbern in ihrer Entscheidungsfindung befangen zu sein.

Für die ICANN kommen die Vorwürfe zur Unzeit, bieten sie doch einigen Sprengstoff für das laufende Verfahren, das ohnehin bereits von etlichen Pannen gekennzeichnet ist. Gelingt es den Klägern gar ihre Forderungen durchzusetzen, drohen weitere kostspielige Auseinandersetzungen und hohe Schadensersatzzahlungen. Auch dürfte in diesem Fall der aktuelle Zeitplan nur noch Makulatur sein. Noch ist geplant, mit der Aufschaltung erster Domains ab dem zweiten Quartal 2013 zu beginnen. Über die Reihenfolge der Antragsbearbeitung soll ein Lotterieverfahren entscheiden.

(Christian Wolf)

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