News

Mit Laptop und Fahrrad von Berlin nach Indien

Gibt es in Anatolien Cafés mit WLAN? Und wie umgeht man die Internet-Zensur im Iran? Eine Gruppe junger Abenteurer ist mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien gefahren und hat währenddessen auch gearbeitet - für sich und für einen guten Zweck.

Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Digitale Nomaden können von jedem Ort der Welt aus arbeiten, heißt es. Alles, was sie zum Leben brauchen, sei ihr Computer. Thomas Jakel hat das ausprobiert: Er lud Laptop, Smartphone und ein Dynamo-USB-Ladegerät auf sein Fahrrad und ist zusammen mit drei anderen Alltags-Abenteurern 8.700 Kilometer von Berlin nach Indien gestrampelt. Nachts im Zelt schrieb der junge Geschäftsführer E-Mails, die er in den Mittagspausen in Cafés mit WLAN-Hotspots absetzte. Es klappte: Der 26-Jährige hielt seine beiden Internet-Start-ups am Laufen.

Internet - Ein "Must-Have"

"Ich kann auch mal eine Weile ohne Essen und Trinken auskommen, aber Internet brauche ich immer", sagt Jakel. Doch musste er auf der sechs Monate langen Reise durch Tschechien, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei, Iran, Pakistan und Indien auch immer wieder digital fasten. "Im Iran zum Beispiel hatte ich zwar mobiles Internet. Aber es dauerte oft eine Stunde, bis eine E-Mail rausging - und zwar ohne Anhänge."

Doch nicht nur in Vorderasien hätten sie manchmal Schwierigkeiten gehabt, berichtet Erik Fährmann (27) am Ende der Tour. "Das erste Mal verzweifelt sind wir in Brandenburg. Ich hatte den Eindruck, dass die Internet-Abdeckung dort schlechter war als im Iran." Bald schon kaufte sich das Team einen Mehrfachstecker und holte sich in jedem Restaurant, in dem sie aßen, ungefragt Strom aus der Steckdose. Auch seien die WLAN-Passwörter oft erstaunlich leicht zu erraten gewesen, sagt Fährmann.

Stand die Internetverbindung einmal, konzentrierte sich Jakel bei seiner Arbeit auf das Wesentliche und ließ sich nicht von Skype oder Facebook ablenken. Ein weiterer Vorteil: Probleme verschwanden nach zwei Tagen wie von selbst, ohne dass er auf E-Mails antworten musste. "Meine Mitarbeiter in Berlin haben sich auch irgendwann daran gewöhnt, dass ich nicht jeden Tag Mails abrufe."

Das Team hat mit der Reise nicht nur herausgefunden, dass man selbst in wüstenartigen Gebieten noch Kontakt nach Hause halten kann, sondern auch Spenden für ein Toilettenprojekt gesammelt. 11.500 Euro kamen durch die Tour zusammen - damit bauen die jungen Deutschen 25 Trockentoiletten in Garade in der Nähe von Mumbai. Dort haben bisher 70 Prozent der Bewohner keinen Zugang zu Sanitäranlagen und verrichten ihre Notdurft im Freien.

Während das Vierer-Team noch für den guten Zweck im Sattel saß und sich sogar ein Fahrrad-Tattoo auf das Handgelenk stechen ließ, flogen zwei ihrer Freunde mit dem Flugzeug nach Indien. Die Geografie-Studenten Kevin Kuhn und Sven Riesbeck begannen schon Wochen vor der Ankunft der Radler mit dem Bau der alternativen Toiletten, die ohne Spülwasser funktionieren. Urin und Fäkalien werden dabei getrennt gesammelt und nach einfacher Aufbereitung als Dünger und Kompost in der Landwirtschaft verwendet.

Ständiges Risiko, entführt zu werden

Jeden Bauabschnitt der Toiletten genauso wie jeden gefahrenen Kilometer hielt das Team in einem Blog fest. So schildern sie etwa die Probleme beim Durchqueren von Pakistan. "Wir haben Militärposten gefragt, ob wir unsere Wasserflasche auffüllen dürfen", erzählt Fährmann von der täglichen Suche nach Wasser in dem trockenen Land. Meistens durften sie aber ohnehin nicht auf die Räder steigen. Wegen drohender Entführungsgefahr lud das Militär sie auf Pick-Ups und transportierte sie den Großteil der Strecke. Und selbst wenn sie selbst in die Pedale treten durften, begleitete sie eine Eskorte.

Maushami Chetty (30), die einzige Frau im Team, durfte in Pakistan gar nicht mehr dabei sein. Die Unternehmensjuristin aus Südafrika erhielt kein Visum für Pakistan und musste von Iran aus nach Indien fliegen. "Ich wurde wie eine Spionin behandelt", beschwert sie sich. Und Johann Angermann (26), der die Reise mit der Kamera begleitete, fürchtete in Vorderasien ständig um seine Ausrüstung. "Ich hatte Angst, dass sie mir alles abnehmen." Doch die Zöllner seien sehr freundlich gewesen.

Allerdings habe er seine Videos im Iran nicht hochladen können, weil der Staat viele Seiten blockiere. "Doch jeder Jugendliche konnte uns sagen, mit welchen Filtern und Proxy-Servern man sogar Sachen auf Facebook stellen kann", erzählt Angermann. Überhaupt sei die Gastfreundschaft die eindrücklichste Erfahrung der ganzen Reise gewesen. Diese habe mit fast jedem gefahrenen Kilometer zugenommen. "Es ist ein Unterschied, ob Dir jemand wie in Deutschland zuwinkt, oder ob Dir jemand einen halben Garten als Nachtisch anbietet."

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

Kommentieren Community

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!



Zum Seitenanfang