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Kurth: Nationales Datenroaming absolut willkommen

Sollte E-Plus schnelles Internet über das Netz eines Wettbewerbers anbieten wollen, wird sich die Bundesnetzagentur nicht in den Weg stellen. Das erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Dienstag in Düsseldorf.

SMS© TristanBM / Fotolia.com

War die Versteigerung neuer Mobilfunk-Frequenzen nun ein Erfolg oder nicht? "Diese Frage wurde mir während der vergangenen Wochen immer wieder gestellt", weiß Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, zu berichten. Knapp 4,4 Milliarden Euro wurden von den vier zugelassenen Bietern Deutsche Telekom, Vodafone, o2 und E-Plus für die zur Verfügung stehenden Frequenzspektren geboten. Deutlich weniger als zehn Jahre zuvor bei der Auktion für UMTS-Frequenzen investiert wurde. "Aber das war damals auch eine echte Übertreibung", sagte Kurth am Dienstag auf der Handelsblatt Jahrestagung "Telekommarkt Europa".

UMTS-Auktion war finanziell unvernünftig

Letzlich sei es der für die Versteigerung zuständigen Bundesnetzagentur aber auch nicht darum gegangen, den Wert der zur Verfügung stehenden Frequenzspektren in die Höhe zu treiben, so Kurth. Im Jahr 2000 haben die Versteigerung der UMTS-Frequenzen vor dem Platzen der Internetblase stattgefunden, wo vielerorts mit unmenschlichen Summen hantiert wurde. "Der Wert der Telekom-Aktie lag damals bei über 60 Euro, Mannesmann D2 wurde für 190 Milliarden Euro an Vodafone verkauft", blickte Kurth zurück. "Bei der diesjährigen Auktion haben wir einen realistischen Wert erreicht. Die Bieter haben mit ihren übersichtlichen Geboten eine weise Entscheidung getroffen. Möglicherweise eingespartes Geld kann nun in den Netzausbau gesteckt werden.

Darüber hinaus gab der deutsche Regulierungsschef, der inzwischen seit knapp zehn Jahren an der Spitze der Bundesnetzagentur steht, zu beachten, dass es für Newcomer nicht leicht sei, am deutschen Markt zu bestehen. "Sie fürchten den intensiven Wettbewerb in Deutschland." Unbegründet ist dieser Einwand sicher nicht, denn schon vor zehn Jahren war es beispielsweise Quam nicht gelungen, auf dem deutschen Mobilfunk-Markt Fuß zu fassen. Und das, obwohl mit der finnischen Sonera und der spanischen Telefónica zwei finanzstarke Muttergesellschaften hinter dem deutschen Neuling standen. "Generell ist es mir allerdings ohnehin lieber, wenn wir in Deutschland vier stabile Netzbetreiber haben als ein Scheinwettbewerb mit vielen Minianbietern. Für reichlich Wettbewerb sorgen hierzulande auch die No-Frills-Anbieter.

Daten-Roaming von E-Plus ist willkommen

Und was bringt die Zukunft? Kurth ist überzeugt, dass die vergebenen Frequenzen schnell dafür genutzt werden, schnelles Internet auf das Land zu bringen. "Die vier großen Bieter müssen zunächst dort aktiv werden, wo es bisher noch keine schnellen DSL-Zugänge gibt. Erst anschließend dürfen sie ihre Frequenzspektren auch in dichter besiedelten Regionen nutzen." Denkbar ist in diesem Zusammenhang auch ein so genanntes Infrastruktur-Sharing, wie es E-Plus bereits offen angedacht hat. Die KPN-Tochter hatte als einziger Bieter kein Frequenzspektrum im Bereich von 800 Megahertz erstehen können und plant nun für die eigenen Kunden ein nationales Daten-Roaming im Netz eines Wettbewerbes anzubieten."Das ist bei der Bundesnetzagentur absolut willkommen, solange es den Wettbewerb nicht beeinträchtigt. Ein Monopol irgendwo im ländlichen Raum werden wir nicht gestatten", sagte Kurth. "Es würde mich schwer wundern, wenn bei den lebendigen Strukturen, die wir haben, nicht etwas Neues dazu kommen würde."

Einmal mehr rief Kurth dazu auf, auch branchenübergreifend enger zusammenzuarbeiten. "Es ist eine gemeinsame Strategie gefragt. Das gilt auch für andere Infrastrukturen, um beispielsweise bei neuen Tiefbauarbeiten das Verlegen von Leerrohren zu koordinieren."

(Hayo Lücke)

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