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Kürzel-Chaos: Die richtige Grafikkarte finden

Kürzel, Kürzel hinten dran - welche Leistung gibst du an? Anhängsel wie XL, XT, Pro, LE oder GT sorgen bei Grafikkarten für Verwirrung.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Die führenden Grafikchip-Hersteller ATI und Nvidia sorgen nicht nur für eine außerordentliche 3D-Leistung bei aktuellen PCs, sondern zeigen sich auch bei der Namensgebung außerordentlich kreativ: Kürzel wie XL, XT, Pro, LE oder GT verwirren nicht nur den Verkäufer bei Saturn, sondern auch den erfahrenen Gamer.

Unlogische Anhängsel

ATI und Nvidia liefern sich ein heißes Rennen um die Marktführung bei Grafikchips und werfen fast jeden Monat ein neues Modell auf den Grafikmarkt. Abzuschätzen, welche Karte nun zu den eigenen Ansprüchen passt, ist dabei durch die zahlreichen Modelle sehr schwierig. Dass sich aus der Produkt-Bezeichnungen nur selten Rückschlüsse auf die Leistung der Karte schließen lassen, macht die Sache nicht einfacher.

Wer beispielsweise plant, sich eine Karte mit ATI Radeon X800 zu kaufen, muss sich mit sieben Varianten des Chips auseinandersetzen. Und die sind namentlich nur durch ein kurzes Anhängsel hinter der Bezeichnung X800 zu unterscheiden. Bei Nvidia ist das Kürzel-Chaos nicht ganz so schlimm: Hier müssen die Computernutzer lediglich zwischen den Kürzeln GTX, GT, LE und Ultra differenzieren.

Speicher ist nicht alles

Um die Performance einer Grafikkarte grob abzuschätzen, genügt es nicht - wie von vielen Händlern gepredigt - sich an der Größe des Grafikspeichers zu orientieren. Weitere wichtige Maßstäbe sind Chip- und Speichertakt, Speicheranbindung, sowie die Anzahl der Pixel- und Vertex-Einheiten. Eine Vertex-Einheit dient dabei der Berechnung von Transformation und Beleuchtung, eine Pixel-Einheit berechnet Schatten und Texturen. Aktuelle Grafikchips bieten mehrere Pixel- und Vertex-Einheiten (auch Pipelines genannt). Je mehr Pixel- und Vertex-Einheiten eine Grafikkarte besitzt, desto schneller bringt sie fotorealistische Effekte auf den Monitor. Für eine ausreichende Spiele-Performance sollte eine Grafikkarte aktuell mit mindestens acht Pixel-Pipelines und sechs Vertex-Einheiten bestückt sein. Topmodelle bieten sogar bis zu 24 Pixel- und bis zu acht Vertex-Einheiten. Auf die Größe des Grafikspeichers kommt es vor allem bei hohen Auflösung und Anti-Aliasing an. Wichtig ist dabei auch die Speicheranbindung (Speicherbus): Bei einer Schmalband-Anbindung nützt auch viel Grafikspeicher wenig, da er nicht schnell genug mit Daten versorgt werden kann. Aktuelle Grafikchips sollten mindestens 128 Megabyte Speicher und einen 128-Bit-Speicherbus bieten. Topmodelle sind heutzutage mit einem 256 Bit-Speicherbus und mindestens 256 Megabyte Speicher ausgestattet.

Taktvoll

Nicht zuletzt sollten Grafikkartenkundige vor dem Kauf auf den Chip- und Speichertakt achten. Oft werden Grafikkarten mit Mittelklasse-Chip und mehr oder weniger Grafikspeicher angeboten, die aber wegen niedriger Taktraten keine angemessene Performance bieten. Die kastrierten Chips verbergen sich hinter einem Kürzel in der Kartenbezeichnung: "SE" bei ATI oder "LE" bei Nvidia.

Von einigen Modellen werden zudem Varianten ausgeliefert, die statt hochwertigem DDR3- nur DDR-Speicher besitzen, der keine hohen Taktraten zulässt. Das macht die Karten deutlich langsamer als die mit DDR3 bestückten Pendants.

Klassen-Gesellschaft

Um einen groben Überblick bezüglich der Leistung aktueller Grafikkarten zu geben, stufen wir die Karten in drei Bereiche ein: Oberklasse, Mittelklasse und Einsteigerklasse. Einsteigerkarten eigenen sich dabei für das Spielen zwischendurch; für anspruchsvolle Titel muss der Spieler eventuell auf einige Details und eine hohe Auflösung jenseits von 1024 mal 768 Bildpunkten verzichten. Auf Mittelklassekarten laufen alle aktuellen Spiele einwandfrei, die Leistung könnte aber für kommende Titel wie Unreal 3 nicht ausreichen. Eine Oberklasse-Karten erlaubt hingegen auch noch im nächsten Jahr, alle Titel in höchster Qualität zu genießen.

Wir haben die Karten nach Leistungsklassen sortiert. Die Oberliga finden Sie auf der nächsten Seite, die Mittelklasse ist auf Seite 4 und alles über Einsteigermodelle lesen Sie auf Seite 5. Für Oberklassekarten muss der Spiele-Freak einiges auf den Tisch legen: Sie kosten zwischen 350 und 550 Euro. Für gewöhnlich rechtfertigt der hohe Preis nicht die Mehrleistung gegenüber den Mittelklasse-Modellen.

Oberliga: GeForce 7

So auch bei den aktuellen Flagschiffen von Nvidia und ATI: Nvidias Topmodell 7800 GTX aus der GeForce 7-Serie kostet rund 500 Euro, und ist damit mehr als doppelt so teuer wie eine Mittelklasse-Karte. Die zweitschnellste Karte aus dem Sortiment, die 7800 GT, ist mit 400 Euro etwas billiger und bietet eine geringfügig schlechtere Leistung, da die Anzahl der Pixel-Pipelines von 24 auf 20 reduziert ist. Wer auf High-End-Modelle steht und weniger Geld zur Verfügung hat, kann zum Topmodell der GeForce 6-Reihe greifen: Die GeForce 6800 Ultra ist bereits für etwa 300 Euro zu haben.

ATI-Fans dürfen sich über die brandneue Radeon X1800 XT freuen. Die Karte bietet auf den ersten Blick vor allem einen erhöhten Chip- und Speichertakt (625/750 MHz). Die neue Chipgeneration ist jedoch schon aufgrund der besseren Chiparchitektur schneller als der Vorgänger X850 XT. Das belegt die Radeon X1800 XL, deren Chip und Speicher sogar niedriger als bei den 850er Modelle getaktet sind.

Oberliga: Radeon X1800

Dennoch ist die Karte in Spiele Benchmarks teils deutlich schneller. Bei den weiteren Modellen der X1000-Serie ist Vorsicht angebracht: Die Modelle Radeon X1600 und Radeon X1300 basieren zwar ebenfalls auf der neuen Chipgeneration, positionieren sich aber aufgrund des niedrigeren Chiptakts und der geringeren Anzahl an Pixel-Pipelines leistungsmäßig in der Mittel- beziehungsweise Einsteigerklasse. In der Mittelklasse tummeln sich sowohl die Topmodelle der letzten Generation als auch die ausgewiesenen Mittelklasse-Karten der neuen Bauart. Hier wird es insbesondere bei ATI sehr unübersichtlich. Dabei hatte eigentlich alles gut angefangen: ATI hatte die X600, basierend auf dem alten Radeon 9600-Chip für Einsteiger, die X700 für die Mittelklasse und die X800 als High-End-Chip positioniert.

Mittelklasse: Radeon X800

Bei der X700 hatte ATI jedoch mit Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen: Insbesondere die X700 XT, die als Mittelklasse-Modell mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis für Gamer und als Konkurrent zu Nvidias 6600 GT auf den Markt kam, war nur in wenigen Shops erhältlich. Inzwischen werden nur noch Restbestände der niedriger getakteten X700 Pro verkauft.

ATI reagierte großzügig und schloss die Lücke mit neuen Varianten der X800: Die Pixel-Pipelines sind wie bei der X700 auf Acht reduziert - als Vorteil bleibt der 256-Bit-Speicherbus. Das Modell heißt X800 GT. Die 256-Megabyte-Version der Karte hat mit einem Preis von rund 160 Euro das momentan beste Preis-Leistungsverhältnis in der Mittelklasse; Nvidias Gegenstück GeForce 6600 GT hat mit 128-Bit-Speicherbus und etwas höherem Verkaufspreis das Nachsehen. Von der etwas billigeren 128 Megabyte-Version der X800 GT sollten PCler absehen, da sie einen deutlichen niedriger getakteten Grafikspeicher besitzt. Schneller als die GT arbeiten die X800 sowie die X800 GTO mit 12 Pixelpipelines, und ebenfalls unter der 200 Euro Grenze. Wer mehr Geld in der Tasche hat, kann mit Karten der X850-Serie ein Schnäppchen machen: Bei einigen Anbietern kosten die Modelle bereits unter 300 Euro.

Mittelklasse: GeForce 6

Nvidia hat im Bereich von 150 bis 300 Euro wenig Auswahl zu bieten: Die GeForce 6800 ist mit einem Preis von rund 200 Euro alles andere als billig, da sie leistungsmäßig noch unter der 6600 GT liegt. Die Modelle 6800 GT (ca. 280 Euro) und Ultra (ca. 300 Euro) können sich Leistungsmäßig gegen X850 Pro (230 Euro) oder X800 XL (250 Euro) behaupten, sind aber etwas teurer. Als Einsteigermodelle eignen sich die ehemaligen Mittelklassemodelle: Die X600 kostet inzwischen unter 100 Euro, Nvidias GeForce 6600 kostet rund 100 Euro. Bei beiden Modellen ist von der etwas teureren Variante mit 256 Megabyte abzuraten, da der größere Speicher so gut wie keine Leistungssteigerung bringt.

Vorsicht bei SE,LE,TC,HM

Abzuraten ist auch der Kauf von den billigsten Karten wie ATIs X300, Nvidias 6200 oder gar der alten GeForce FX 5200, die selbst für anspruchslose Spiele zu langsam sind. Insbesondere Computernutzer, die auf der Suche nach einer Einsteigerkarte sind, sollten sich vor den Kürzeln SE oder LE in Acht nehmen. Karten mit dieser Bezeichnung laufen teils deutlich langsamer als die normalen Versionen, so zum Beispielt die Radeon X300SE oder GeForce 6600 LE.

Nvidias Turbocache (TC) und ATIs Hyper Memory (HM) sind das sichere Todesurteil für anspruchsvolle 3D-Titel. Karten mit dem Kürzel TC oder HM sind mit einem extrem kleinen Grafikspeicher von 16 oder 32 Megabyte ausgestattet - trotzdem werden sie oft mit einem 128 oder sogar 256 Megabyte Grafikspeicher beworben.

Shared Memory

Tatsächlich nutzen diese Karten aber Teile des PC-Arbeitsspeichers, der sehr viel langsamer arbeitet als der DDR3-Speicher von aktuellen Grafikkarten, was sich negativ auf die Gesamtperformance auswirkt. Für alle, die keinen PCI-Express (PCIe) Grafikslot auf dem Mainboard haben, gibt es auf dem Markt leider nur wenig Auswahl. Zudem sind die Karten teils deutlich teurer als die PCIe-Kollegen.

Es lebe AGP

Das schnellste Modell für AGP ist die X850 XT, die rund 360 Euro kostet. Die AGP-Version von Nividias 6800 Ultra ist bereits vom Markt verschwunden. Wer eine CPU von weniger als drei Gigahertz besitzt, dem sollte aber auch die X800 Pro genügen: Das Modell ist bereits ab etwa 200 Euro erhältlich. Dazwischen liegt die X800 XL mit einem Preis von rund 280 Euro.

Deutlich billiger ist Nvidias Dauerbrenner 6600 GT (160 Euro), deren 128 Megabyte-Speicher mit einer Taktrate von 450 Megahertz jedoch etwas langsamer als bei der PCIe-Version tickt. Preistipp ist die ATI Radeon 9800 Pro, die teilweise für knapp über 100 Euro gehandelt wird und nur geringfügig langsamer als die 6600 GT rechnet.

Die Klassenbesten

Bei der Preis-Leistung hat ATI die Nase vorne. Vor allem in der Mittelklasse finden sich aktuell immer günstige Angebote von X800-Varianten. Schon bald werden sie aber vom Markt verschwinden, bleiben werden lediglich die X800 GT sowie die neue X800 GTO. Nvidia wird erwartungsgemäß die Preise der GeForce-6-Karten weiter senken und an die der ATI-Chips angleichen.

Die Karten mit dem unserer Einschätzung nach besten Preis-Leistungsverhältnis finden Sie in der nachstehenden Tabelle. Allerdings bleibt anzumerken, dass sich die Preise sehr schnell ändern und einige hier genannte Modelle nicht mehr hergestellt werden. Sie werden daher schon bald vergriffen sein.

(Klaus Wiesen)

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