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Kritik an Vectoring-Entscheidung: "Wettbewerb im Festnetzmarkt wäre beendet"

Die Branchenverbände BREKO und VATM kritisieren die BNetzA-Entscheidung, jedoch in unterschiedlicher Schärfe.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Der Branchenverband BREKO (Bundesverband Breitbandkommunikation e. V.) hat heftige Kritik am Entwurf der Bundesnetzagentur zum Einsatz von Vectoring bei VDSL-Internetzugängen geübt. Dass die Deutsche Telekom in Zukunft ihren Wettbewerbern nicht mehr uneingeschränkt einen entbüdelten Zugang am Kabelverzweiger gewähren müsse, erschwere den Netzausbau der Wettbewerber massiv. "Der Wettbewerb im Festnetzmarkt wäre beendet", so das Fazit. Alternative Anbieter hätten kein Vorprodukt mehr für eigene Angebote.

Vectoring-Effekt nimmt ab 500 Metern ab

Im Jahr 2012 hatten die im BREKO organisierten Unternehmen, das sind vor allem lokale und regionale Konkurrenten der Telekom im Festnetzgeschäft, rund 1,5 Milliarden Euro in den Breitbandausbau investiert. Durch die jetzige Entscheidung würden bereits getätigte Investitionen in die Infrastruktur entwertet und der dringend erforderliche weitere Ausbau deutlich erschwert. Der Verband hofft nun auf einen Einspruch der Europäischen Kommisson. Ein solches Veto hat die Kommission erst heute bei den von der Bundesnetzagentur festgesetzten Entgelten für die Durchleitung von Festnetztelefonaten eingelegt.

Im Vorfeld der Entscheidung hatte der BREKO der Bundesnetzagentur Ergebnisse eines eigens durchgeführten Labortests vorgestellt, der die von der Deutschen Telekom behaupteten Vectoring-Vorteile relativiert. So soll ab einer Leitungslänge von etwa 500 Metern der Vectoring-Effekt merklich abnehmen. Die Technik sei damit nicht ohne weiteres für den Einsatz im ländlichen Bereich geeignet.

VATM äußert sich differenzierter

"Es ist nicht nachzuvollziehen, wie die Regulierungsbehörde den Anträgen der Telekom in weiten Teilen folgen konnte. Zumal es doch ganz offensichtlich ist, dass die Deutsche Telekom darauf abzielt, hauptsächlich in den Ballungsgebieten ihre Marktstellung gegenüber den Kabelnetzbetreibern zu verbessern und den Wettbewerb im ländlichen Raum auszubremsen. Um den flächendeckenden Breitbandausbau geht es der Telekom doch gar nicht", so BREKO-Präsident Ralf Kleint. "Damit ist auch die jüngste Entscheidung der BNetzA zur Preisreduzierung für die KVz-TAL deutlich entwertet."

Der Branchenverband VATM, in dem sich auch die größeren Telekomkonkurrenten organisiert haben, sieht die Auswirkungen auf den Markt differenzierter: "Es handelt sich um eine sehr komplexe Entscheidung beim Thema Vectoring. Die Bundesnetzagentur hat sich in ihrem Entwurf große Mühe gegeben, Regelungen zu schaffen, die sowohl für die Deutsche Telekom als auch für die Wettbewerber die Möglichkeiten offen halten, in den Breitbandausbau zu investieren", so VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

VATM fordert weitere Regulierung

Und weiter: "Kritisch sehen wir allerdings, dass nicht klar ist, welche Sanktionen es geben soll, wenn die Telekom eine Vectoring-Aufrüstung in einem Gebiet ankündigt, dadurch den Ausbau durch einen anderen Anbieter verhindert, dann aber den Ausbau unterlässt. Am Schluss darf der Bürger nicht der Dumme sein. Daher brauchen wir hier klare Regeln."

Weiterhin beklagt der VATM, dass hochwertige Bitstrom-Vorprodukte am Hauptverteiler noch fehlen würden, die der Leistungsfähigkeit von VDSL mit Vectoring entsprechen und eine Angebotsvielfalt für den Kunden garantieren. Die Bundesnetzagentur wird aufgefordert, die im Rahmen des NGA-Forums getroffenen Verabredungen zu einem entsprechenden Vorprodukt umzusetzen und ein entsprechendes Regulierungsverfahren zügig durchzuführen.

Nachtrag vom 10. April: BUGLAS sieht Rückschritt bei der Regulierung

Auch der Bundesverband Glasfaseranschluss e. V. (BUGLAS), in dem sich 45 Unternehmen organisiert haben, die Glasfaser bis in die Haushalte legen, kritisiert den Entwurf der Bundesnetzagentur. Der Branchenverband wirft der Regulierungsbehörde vor, von bewährten Grundsätzen abzuweichen.

"Die Verpflichtung der Telekom, Zugang zur entbündelten letzten Meile am Kabelverzweiger zu gewähren, ist einer der zentralen regulatorischen Pfeiler für den Infrastrukturwettbewerb auf den Telekommunikationsmärkten", so BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer. "Dieser Pfeiler wird mit dem vorliegenden Entwurf zur Änderung der bestehenden Regulierungsverfügung in seinen Grundfesten erschüttert."

Der Verband ist der Ansicht, dass der Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung für den Einsatz von Vectoring nicht hätte eingeschränkt werden müssen.

(Peter Giesecke)

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