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IPv6: Telekom stellt Anonymisierungsverfahren vor

Der neue Webstandard IPv6 erlaubt die Zuteilung von eigenen IP-Adressen für jedes internetfähige Endgerät. Datenschützer kritisieren, dass so Bewegungs- und Nutzungsprofile erstellt werden können. Die Telekom hat nun ein Verfahren vorgestellt, was dies verhindern soll.

Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Obwohl das Ende des IPv4-Zeitalters längst besiegelt ist, sind zahlreiche Fragen rund um den Nachfolgestandard IPv6 immer noch nicht hinreichend geklärt. Dazu zählt auch das Thema Datenschutz. Erst vergangene Woche warnte etwa der Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar, vor neuen Risiken für die Privatsphäre von Internetnutzern. Da IPv6 mit 340 Sextillionen IP-Adressen eine eigene Kombination für jedes internetfähige Gerät biete, werde diese zu einem unverwechselbaren und eindeutig identifizierbaren Merkmal. Man müsse sich daher Gedanken über adäquate Schutzmechanismen machen, forderte der oberste deutsche Datenschützer. Bei der Deutschen Telekom ist dieser Denkprozess offensichtlich bereits abgeschlossen. Die Bonner stellten nun eine Technologie vor, die anonymes Surfen mit IPv6 ermöglichen soll.

Kunden sollen selbst entscheiden können

"Wir geben unseren Kunden die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie weit ihre genutzten Geräte im Netz nachverfolgbar sind oder nicht. Mit unserer Lösung wollen wir einen neuen Datenschutzstandard bei IPv6 setzen und Vorreiter in der Branche werden", so Claus-Dieter Ulmer, Datenschutzbeauftragter der Deutschen Telekom. Das neue Verfahren soll die unterschiedlichen Komponenten der IPv6-Adressen dabei wirksam tarnen. Diese teilen sich in die Netzwerk-ID beim Provider (Präfix) und den sogenannten Endgeräte-Anteil (Interface Identifier).

Letzterer wird auf den meisten modernen Nutzersystemen bereits automatisch per Zufallslogik mittels der sogenannten Privacy Extensions verschleiert. Die Anonymisierung der Netzwerkkennung soll hingegen der Telekom-Router übernehmen. Sind PC, Tablet oder Smartphone darüber mit dem Netz verbunden, bekommen sie dabei im Bereich des Präfix' regelmäßig neue IP-Adressen zugeteilt. Das Webinterface der hauseigenen Speedport-Modelle soll zudem mit einem "Privacy Button" ausgerüstet werden, über den jederzeit manuell eine Neuvergabe des IPv6-Präfix' initiiert werden kann. Auch eine Option für den automatisierten Adress-Wechsel zu festgelegten Zeitpunkten ist vorgesehen.

Einführen will die Telekom den neuen Standard sukzessive im kommenden Jahr. Der Internetanbieter kündigte außerdem an, alle Kunden während der Umstellung über die verschiedenen Möglichkeiten zum anonymisierten Surfen informieren zu wollen.

(Christian Wolf)

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