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Internet-Führerschein soll 2014 Pflicht werden

Die EU-Kommission diskutiert zurzeit einen Berechtigungsnachweis für DSL-Anschlüsse. Ziel sei eine Förderung der Medienkompetenz, die wachsenden Gefahren hätten solche Überlegungen nötig gemacht.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die Schäden durch Phishing, Abofallen, Hacker-Angriffe und das sorglose Herunterladen von illegal kopierten Programmen verursachen Jahr für Jahr einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Schaden. Zumindest für den europäischen Raum sollen diese Gefahren nun eingedämmt werden. Das sieht ein aktuelles Diskussionspapier der EU-Kommission vor, das jetzt an die Öffentlichkeit drang. Aus dem Dokument geht hervor, dass sich die EU-Kommission zurzeit über eine Art "Internet-Führerschein" berät, der intern EILT (European Internet License Test) genannt wird.

Stichwort Medienkompetenz

Der EILT sehe vor, dass Internetnutzer künftig einen Eignungstest ablegen müssen, um ihre Kenntnisse im Umgang mit dem Internet und somit eine Erfüllung der Mindestanforderungen für einen sicheren Umgang mit dem WWW unter Beweis zu stellen. Erst nach Bestehen des Tests ließe sich ein neuer Internetanschluss freischalten. "Die Vermittlung von Medienkompetenz in den Schulen ist noch immer unterrepräsentiert", kommentiert der Vorsitzende des Ausschusses für Kinder- und Erwachsenenbildung des Deutschen Bundestages. Auch Erwachsene seien oftmals noch unbedarft und müssten auf die Möglichkeiten, aber eben auch die Gefahren, die das Internet berge, vorbereitet werden.

Zu diesem Zweck soll ähnlich wie beim Autoführerschein ein Fragenkatalog im Multiple-Choice-Verfahren erarbeitet werden, der mögliche Alltagssituationen abdeckt und den Prüflingen Kenntnisse zu Themen wie Urheberrecht, Malware und Begriffsdefinitionen abverlangt. Wo die Prüfungen abgelegt werden sollen, stehe noch nicht abschließend fest. Der EU-Kommission zufolge passen die Fahrschulen ins Profil, Verhandlungen mit Fahrschulverbänden laufen bereits. Dort könnten die Nachweise dann gegen eine noch unbestimmte Gebühr erbracht werden. Ob die Kosten vom jeweiligen Provider oder vom Kunden übernommen werden müssen, wird derzeit verhandelt.

Pflicht für Neukunden und zum Teil sogar Bestandskunden

Die Pilotphase soll 2012 in Berlin anlaufen, ab dem 1. Juli sollen testweise 1.000 Berliner Nutzer ihre Prüfungen ablegen können. Danach erfolgt der schrittweise Ausbau, bis Ende 2013 soll das System dann ausreichend erprobt sein, um zum 1. Januar 2014 den verpflichtenden Regelbetrieb aufzunehmen. Ab diesem Datum lassen sich dann nur noch mit bestandener Prüfung Internetanschlüsse mit Breitband-Geschwindigkeit freischalten. Wer bereits einen DSL-Anschluss nutzt, muss die Prüfung nur ablegen, wenn er bis zum 1. Januar 2014 noch keine vollen drei Jahre Anschlussinhaber gewesen ist. Internet-by-Call-Kunden sollen von der Prüfung nicht betroffen sein, da die geringe Bandbreite zumindest das Problem illegaler Downloads weitestgehend ausschließe.

Bis zur endgültigen Entscheidung für den Internet-Führerschein müssten noch einige Mitgliedsstaaten der EU zustimmen. Ob den DSL-Anbietern dieser einschränkende Test gefallen würde, ist fraglich. Für die EU steht fest: "Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung".

(Saskia Brintrup und Marcel Petritz)

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