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Internet-by-Call-Fehler: 250-facher Preis berechnet

Aufgrund eines Internet-by-Call-Fehlers staunten einige Leser über ihre Telefonrechnung: Anstatt 0,04 Cent wurden knapp 10 Cent für eine Minute im Internet berechnet. Was war passiert?

ISDN© Daniel Kühne / Fotolia.com

Im Internet-by-Call-Geschäft sind kurzfristige Preisänderungen – je nach Provider – nicht unbedingt eine Seltenheit. Daher empfiehlt sich ein regelmäßiger Check der aktuellen Konditionen. Wer das beherzigt und dann trotzdem eine Telefonrechnung im dreistelligen Bereich erhält, hat entweder Einwahlnummer, Benutzername oder Passwort nicht korrekt eingegeben oder ist von einem Abrechnungsfehler betroffen. Mit dieser Vermutung wandten sich gleich mehrere Leser an unsere Redaktion, wir hakten nach.

Dreistellige Telefonrechnungen

Die betroffenen Nutzer berichteten von zu hohen Telefonrechnungen, die durch vermutlich mit viel zu hohen Beträgen abgerechneten Internet-by-Call-Tarifverbindungen entstanden seien. Anstatt einem günstigen Preis von 0,04 Cent pro Minute seien rund 10 Cent inklusive Mehrwertsteuer herangezogen worden. Die uns vorliegenden Einzelverbindungsnachweise bestätigen diesen 250-fachen Preis bei Brutto-Berechnung. Die Leser bezahlten für eine Stunde im Internet demnach 6 Euro anstatt 2,4 Cent – da hätte das E-Mails checken per Handy günstiger sein können. Die Telefonrechnungen der betroffenen Leser fielen daher auch üppig aus: 70 bis mehr als 500 Euro.

Interessant ist, dass es sich bei den ähnlich lautenden Beschwerden um zwei verschiedene Provider handelt: EasySurf von Flashnet und sbq4you. Bei EasySurf ist es der Tarif Easyfree 3 und bei sbq4you der Zugang Silver, der erst vor rund zwei Wochen den günstigen Preis von 0,04 Cent erhielt – und zwar exakt zum 18. Mai. Dieser Tag ist wiederum genau der Termin, den die betroffenen Kunden als ersten Tag mit zu hohen Beträgen ausmachten. Bei Easyfree 3 ist es der 13. Mai, zu diesem Datum startete der Tarif.

Die Suche nach dem Fehler

Auf Nachfrage teilten uns sowohl EasySurf als auch sbq4you zunächst mit, dass bei ihnen kein Abrechnungsfehler bekannt sei. Der Abrechnungsdienstleister ist in diesem Fall nexnet. Einige der Leser sagten uns, dass sie dort bereits nachgehakt hätten und nexnet die günstigen Preise nicht bekannt seien. So wurden dort offenbar die zuvor gültigen Konditionen herangezogen. Eine Anmerkung hierzu: Easyfree 3 ging zwar offiziell erst am 13. Mai in die Vermarktung, die zugehörige Nummer 019193478 ist aber schon lange bekannt und wird immer mal wieder für Tarife genutzt. Das Verbindungsglied zwischen Internet-by-Call-Provider und Abrechnungsdienstleister ist bei Flashnet Verizon. Wir hakten bei Verizon und auch bei nexnet nach, nexnet wollte uns aus Datenschutzgründen "keine Informationen über Einzelfälle" herausgeben und wies darauf hin, aufgrund der Funktion als Dienstleister für die Abrechnung keinen Einfluss auf die Preisgestaltung von Internet-by-Call-Anbietern zu haben. Wo also liegt nun der Fehler?

Bestätigung: 9,99 anstatt 0,04 Cent

Bislang ist dies nicht geklärt, fest steht aber, dass es einen Abrechnungsfehler gab. So stellt Flashnet mittlerweile per Statement klar: "Beim Label 'EasySurf' sollte ursprünglich der Aktionstarif 'Easyfree 3' in dem Zeitraum 13. bis 21. Mai zu einheitlichen 0,04 Cent/ Min gültig sein. Diese Preissenkung von ehemals 9,99 Cent/ Min, die zuvor auf der Einwahlnummer 019193478 gültig gewesen ist, wurde ebenfalls Endkunden nicht korrekt in Rechnung gestellt. Betroffene Kunden wurden bei der Nutzung dieses Aktionstarifes im oben genannten Zeitraum weiterhin mit einheitlichen 9,99 Cent/ Min abgerechnet."

Weiter auf Seite 2: alster24.net berechnete zu wenig // automatische Gutschrift oder Nachbelastung

Auch den umgekehrten Fall hat es gegeben, vielleicht ist es den Kunden nur noch nicht aufgefallen. So sei bei alster24.net der Aktionstarif Feel Free 3 ab dem 13. Mai weiterhin mit 0,05 Cent pro Minute berechnet worden, obwohl zu diesem Datum eine Preiserhöhung auf 11,75 Cent pro Minute für eine Einwahl zwischen 0 und 22 Uhr zuzüglich 3,25 Cent Einwahlgebühr eingeleitet wurde. Grund zur Freude ist dies aber nicht, auch den "angenehmen" Fehler wird der Provider berichtigen.

Flashnet kündigt automatische Gutschrift an

Was bedeutet das ganze Tarif-Wirrwarr nun für die Nutzer? Flashnet entschuldigt sich bei ihnen und teilt mit: "Alle betroffenen Kunden erhalten selbstverständlich automatisch eine Gutschrift oder Nachbelastung. Als Berechnungsgrundlage gelten die zum Zeitpunkt der Einwahlen auf der Homepage ausgewiesenen und rechtsgültigen Minutenpreise. Abhängig von den Rechnungszyklen der Deutschen Telekom AG gegenüber dem Kunden wird die Korrektur auf der nächsten bzw. übernächsten Rechnung sichtbar sein."

Für die Kunden ist das trotzdem ärgerlich. Wer dreistellige Beträge im Voraus bezahlen muss, muss einige Monate verstreichen lassen, bis dieses "Guthaben" wieder ausgeglichen ist.

Update vom 14. Juni: Vorgehensweise bei sbq4you

Wie sbq4you unserer Redaktion mitteilte, wurde eine automatische Rückerstattung veranlasst. Der Provider geht von einer Umsetzung mit der nächsten Telefonrechnung aus.

Silver und Easyfree 3 kosten übrigens mittlerweile wieder mehr: Silver kostet seit dem 1. Juni zwischen 21 und 23 Uhr 0,0 Cent, außerhalb dieser Uhrzeiten 11,99 Cent und hat außerdem eine Einwahlgebühr in Höhe von 3,99 Cent erhalten. Easyfree 3 wurde zum 22. Mai bearbeitet und bietet die Minute für 0,04 Cent nur noch zwischen 22 und 0 Uhr an, hinzu kommen seitdem aber 3,25 Cent pro Einwahl, während die Nutzung zu allen übrigen Uhrzeiten mit 11,75 Cent deutlich teurer geworden ist.

(Saskia Brintrup)

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