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Illek: "Entertain Sat" ist top, "Entertain pur" ein Flop

Telekom-Marketingchef Christian P. Illek fand bei der Euroforum-Jahrestagung in Köln offene Worte: "Entertain pur" ist ein Ladenhüter. "Entertain Sat" werde dagegen stark nachgefragt. In diesem Jahr starten bei Entertain zudem 20 neue HD-Sender sowie ein eigener App-Store.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Die Etablierung von IPTV-Produkten in Deutschland ist ein zähes Geschäft. Das zeigt sich zum Beispiel an Entertain, dem Fernsehangebot der Deutschen Telekom. "Es ist ein Marathon, aber wir werden durchhalten", betont Christian P. Illek, Marketing-Chef der Telekom, am Dienstag auf der Euroforum Jahrestagung "Zukunft der Kabelnetze" in Köln. Der Startschuss für Entertain wurde zur IFA 2006 gegeben. Die Kundenzahl lag 2008 erst bei rund 350.000, erreichte 2010 etwa 1,15 Millionen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Telekom bereits mehr als 1,5 Millionen Entertain-Kunden. Inzwischen hat der Bonner Konzern in diesem Bereich auch Wettbewerb durch Alice TV und Vodafone TV bekommen.

"Entertain Sat" erhöht technische Reichweite

Das Wachstum des IPTV-Angebots sei weiter ungebrochen, sagte Illek. Mit einem Zuwachs von jährlich rund 400.000 Entertain-Kunden pro Jahr verfüge die Telekom über die schnellstwachsende Bezahlplattform in Deutschland. Bis zum Herbst des vergangenen Jahres waren aber lediglich 44 Prozent aller deutschen Haushalte technisch für Entertain-Produkte erreichbar. Nicht jeder Kunde, der das IPTV-Angebot nutzen wollte, konnte es auch bestellen.

Ziel war daher eine Erweiterung der Reichweite über Satellit und die Wohnungswirtschaft. Nach zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit wurde im September des vergangenen Jahres das neue Produkt Entertain Sat gestartet, die Reichweite steigerte sich damit auf rund 75 Prozent der Haushalte. Die Entertain-Bedienoberfläche des über Satellit verbreiteten Angebotes ist identisch mit derjenigen des IP-Produktes. Die zuführende Technologie hinter dem Produkt soll für den Kunden nicht sichtbar sein.

Erster Deal mit Wohnungsgesellschaft: Telekom im "Lernmodus"

Innerhalb von drei Monaten konnte die Telekom mit Entertain Sat 111.000 Kunden gewinnen. "Es läuft wie geschnitten Brot" so Illek. Per Satellit empfangen Kunden doppelt so viele TV-Sender wie über DSL, aber es fehlen beispielsweise die Rechte für die Fußball Bundesliga. Per IP-Anschluss hat die Telekom rund 400.000 Pay-TV-Pakete verkaufen können.

Ein weiterer Ansatz zur Erhöhung der Entertain-Reichweite wurde im vergangenen Dezember erstmals in die Praxis umgesetzt. Die Telekom sicherte sich den ersten großen Deal mit einer Wohnungsgesellschaft. Künftig wird der Bonner Konzern rund 217.000 Wohneinheiten der Deutschen Annington mit einem TV-Signal versorgen. Das sei ein "Leuchtturm-Projekt". Der Gestattungsvertrag läuft über 15 Jahre. "Wir sind hier aber noch im Lernmodus", erklärt der Telekom-Manager.

Das Geschäft müsse nun mit den bestmöglichen Qualitäten umgesetzt werden. Es sei bereits ein großes Team vor Ort unterwegs, aktuell gebe es Wohnungsbegehungen, um technische Details zu planen. Die Telekom wolle das vorhandene Koaxialkabel für die Einspeisung des TV-Signals nutzen. Hier meldete aber Dietmar Schickel, Chef des Berliner Kabelnetzbetreibers Tele Columbus, bereits Bedenken an: "Über die Eigentumsfrage sind Sie sich aber im Klaren?" fragte er den Telekom-Marketingchef. In der Tat greift der Bonner Konzern die Kabelnetzbetreiber auf ihrem klassischen Terrain direkt an. Wohnungsgesellschaften und letztendlich die Verbraucher würden aber laut Illek von mehr Wettbewerb profitieren.

20 neue HD-Sender und Entertain App-Store

In diesem Jahr steht bei der Telekom außerdem alles im Zeichen der Entwicklung netzübergreifender Angebote. Entertain soll auf allen möglichen Endgeräten wie Smartphones, Tablet-PCs und Notebooks empfangbar sein und zudem einen eigenen App-Store erhalten.

Ein großes Thema wird auch HD sein. 20 neue HD-Sender gehen 2012 nach derzeitigem Plan an den Start: 16 Free-TV Kanäle sowie vier Pay-TV-Sender. Das Fußballangebot Liga total wird interaktiver. Zur Bundesliga-Rückrunde wird beispielsweise ein Fan-Voting in Form einer Art Tippspiel für die anstehenden Spiele eingeführt. Zudem wird es interaktive Werbung geben.

An der Preisschraube könne und wolle die Telekom nicht drehen. Aufgrund der Vorgaben der Regulierungsbehörde bilde das Angebot Entertain Pur mit 27,95 Euro den niedrigsten Preispunkt, der möglich sei. Inklusive ist ein TV-Angebot und ein Telefonanschluss, allerdings kein Internet-Zugang. Die Akzeptanz bei den Kunden bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. "Entertain Pur ist ein Ladenhüter, ein Nischenprodukt", gibt Illek offen zu. Die Kundenzahl sei vernachlässigbar. Für die übrigen Entertain-Produkte sei ein Aufschlag von rund 10 Euro zu den klassischen Doppel-Flats aber gerechtfertigt.

(Jörg Schamberg)

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