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Huawei: Chinas Stolz bleibt im Westen Außenseiter

Huawei drängt mit Macht auf den Weltmarkt für Informations- und Kommunikationstechnologie, begegnet aber vor allem im Westen erheblichem Misstrauen. Mit Hinweis auf vermeintliche Beziehungen zum chinesischen Militär werden Sicherheitsbedenken erhoben.

Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Huawei ist das erste multinationale Unternehmen aus China, das westliche Technologiekonzerne auf ihren Heimatmärkten schlägt. Der zweitgrößte Telekommunikationsausrüster der Welt hat nur Probleme wegen seiner Wurzeln im aufstrebenden China, dem mit Misstrauen begegnet wird. "China ist kein Verbündeter der entwickelten Länder, sondern ein potenzieller Rivale", sagt David Wolf, Autor eines Buches über Chinas Telekommunikationsmarkt und Gründer des Beratungsunternehmens Wolf Group Asia (WGA). "Damit fühlen sich die Leute nicht wohl - und es öffnet Wettbewerbern und opportunistischen Politikern die Tür, Angst, Ungewissheit und Zweifel zu streuen."

Ausschluss wegen Sicherheitsbedenken

In den USA, in Australien und jüngst in Deutschland wurde Huawei wegen nicht näher erläuterter "Sicherheitsbedenken" von Geschäften ausgeschlossen. Unternehmenskreise sehen ein "Totschlagargument". So hatte das Deutsche Forschungsnetz (DFN) den Auftrag für den Ausbau seines bisher mit Huawei betriebenen Wissenschaftsnetzes doch lieber an ein israelisches Unternehmen vergeben. Huawei wurde aus formellen Gründen gar nicht erst zur Ausschreibung zugelassen, doch inoffiziell beschieden, "die Sicherheitsanforderungen nicht zu erfüllen", wie es hieß. Auf Anfrage wollte sich DFN nicht zum Vergabeverfahren äußern.

Weltweit operiert Huawei mit 146.000 Mitarbeitern in mehr als 150 Ländern. Der Umsatz des größten chinesischen Privatunternehmens stieg 2011 um 11,7 Prozent auf 203 Milliarden Yuan, heute umgerechnet 25 Milliarden Euro - zwei Drittel davon im Ausland. Huawei expandiert in Smartphones und Tablet-Computer, will dieses Jahr 15 bis 20 Prozenht wachsen. 45 der 50 größten Telekom-Netzwerke der Welt arbeiten heute mit Ausrüstung von Huawei. "Ein solcher Erfolg lässt sich nicht erreichen, wenn die Kunden nicht deinem Unternehmen, deinen Mitarbeitern und deiner Technologie vertrauen", sagt Roland Sladek, Huawei-Sprecher am Hauptsitz in der Metropole Shenzhen in Südchina.

Westliche Konzerne sind längst in China angekommen

Die Verdächtigungen erscheinen unabhängigen Experten angesichts globaler Lieferketten auch nicht mehr zeitgemäß. Alle großen Telekom- und Informationstechnologiefirmen - selbst die Konkurrenten Ericsson, Cisco und Alcatel-Lucent - lassen heute in China fertigen, ohne dass jemand Sicherheitsprobleme befürchtet, wie die US-Denkfabrik American Enterprise Institute (AEI) in einer Studie zu Huawei hervorhebt. In Zeiten weltumspannender Informationsnetze, wo Hacker-Angriffe genau wie Industriespionage keine Grenzen kennen, sind "Freund" und "Feind" ohnehin nicht mehr so auseinanderzuhalten wie noch im Kalten Krieg.

Huawei wird gerne unterstellt, Beziehungen zum chinesischen Militär zu unterhalten. Dafür wird allein auf den Gründer Ren Zhengfei verwiesen, der einst als leitender Ingenieur in der Volksbefreiungsarmee tätig war und 1982 als Delegierter in den Volkskongress aufgenommen wurde. Er verließ 1983 die Armee, als sein Ingenieurcorps aufgelöst wurde, arbeitete erst für eine Ölfirma und machte sich dann 1987 selbstständig und gründete Huawei.

In den 90er-Jahren war das Unternehmen mit robuster Ausrüstung auf dem Lande erfolgreich, während westliche Telekom-Riesen in Chinas Städten den Markt kontrollierten. Gerade die Distanz zur Regierung gilt als sein Erfolgsrezept. Huawei ist auch nicht an der Börse, sondern gehört zu 98,5 Prozent seinen Mitarbeitern, die Anteile halten. "Niemand hat jemals einen Beweis geliefert, dass Huawei irgendwie in Militärtechnologie verwickelt ist", sagt Huawei-Sprecher Sladek. Auch Experte Wolf stellt fest: "In meinen Recherchen habe ich nicht ein einziges Mal direkte Verbindung zum Militär gefunden."

"Es wird mit zweierlei Maß gemessen"

Um dem Misstrauen zu begegnen, öffnet sich Huawei und weist die Vorwürfe offensiv zurück. In Großbritannien wurde mit der Regierung ein Cyber-Security-Prüfzentrum mit amtlich anerkannten, unabhängigen Experten gegründet, die Huaweis Produkte und Dienstleistungen auf ihre Sicherheit testen können. "Wirksame Sicherheitslösungen müssen global und industrieweit sein", sagt Sprecher Sladek. In Kanada und den USA arbeitet Huawei ähnlich mit der unabhängigen Firma Electronic Warfare Associates (EWA) zusammen, um Vorwürfe zu entkräften.

"Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel", sagt Experte Wolf. Huawei müsse lernen, dass mit zweierlei Maß gemessen werde. "Sie müssen nicht nur so offen wie westliche Unternehmen sein, sondern noch offener." Doch bleibt Huawei der US-Markt weitgehend verschlossen. "Der Frust ist groß", erzählt eine unabhängige westliche Quelle, die das Unternehmen von innen kennt.

Protektionismus vermutet

Auch die Experten vom American Enterprise Institute kritisieren undurchsichtige Genehmigungsverfahren durch das Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) und den Mangel an klaren Regeln, wenn es um Beteiligungen chinesischer Unternehmen wie Huawei in den USA geht.

US-Regierungsbeamte übten unverhohlen Druck auf US-Unternehmen aus, nicht mit Huawei zusammenzuarbeiten, und verwiesen auf Sicherheitsbedenken, "ohne spezifische Details zu nennen". Huawei-Sprecher Sladek vermutet Protektionismus: "Im Schatten der globalen Wirtschaftskrise erwägen einige Länder, ihren Schutz gegen bestimmte Industrien zu verstärken." Andererseits wird auch Huawei im Kampf um Marktanteile unlauterer Methoden verdächtig. So wirft die Europäische Kommission den Chinesen vor, mit Hilfe rechtswidriger staatlicher Subventionen Preisdumping zu betreiben und so westliche Konkurrenten auszuschalten.

(Christian Wolf)

Quelle: DPA

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