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"Goldrausch": Siegeszug des Online-Selbstverlegens

Fand ein Autor keinen Verleger, galt bisher: Teuer selbst drucken oder aufgeben. Jetzt heißt es dank Internet: Online-Selbstverlegen. Erste Autoren sind so schon Millionäre geworden. Gerade ist das neue Buch von Branchen-Star Amanda Hocking in Deutschland erschienen.

Internet© Victoria / Fotolia.com

Schon immer, erinnert sich Amanda Hocking, habe sie Geschichten erfunden und jedem erzählt, der zuhören wollte. Mit 17 schreibt sie ihren ersten Roman. Aber ein Verleger lässt sich nicht finden und so lernt die heute 28-Jährige aus dem 25.000-Einwohner-Städtchen Austin im US-Bundesstaat Minnesota erstmal Altenpflege. Abends und am Wochenende schreibt sie weiter, bis schließlich fast 20 Romane in ihrer Schublade liegen und sie ihr Schicksal eines Tages selbst in die Hand nimmt.

"Self Publishing" als neuer Trend

Im April 2010 bietet Hocking ihre von Fantasy, Science-Fiction, Vampiren und Zombies dominierten Romane erstmals selbst im Internet an. "Ich habe es einfach ausprobiert, um zu sehen, was passiert", sagt Hocking im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Rund zwei Jahre später hat sie Millionen von Büchern verkauft, Millionen von Dollar auf dem Konto und gilt als Vorreiterin des "Self Publishing" - einem Trend, der die Buchbranche Experten zufolge völlig verändern könnte. "Ich hätte nie gedacht, dass das alles so kommen würde", sagt Hocking. Längst sind die Filmrechte verkauft und viele von ihren Büchern weltweit auch in gedruckter Form erschienen. In dieser Woche ist in Deutschland der erste Band ihrer in den USA bereits sehr erfolgreichen Tryll-Trilogie in die Buchläden gekommen.

Umsatz mit E-Books steigt stetig

Hocking ist vielleicht die bekannteste, aber bei weitem nicht die einzige erfolgreiche "Self Publishing"-Autorin. In den USA hat beispielsweise der Krimi-Schriftsteller Michael Prescott in den vergangenen Jahren Hunderttausende Exemplare seiner E-Books verkauft. "Das ist wie ein Goldrausch im Moment", sagte der Autor in einem Interview mit der Zeitung "USA Today". "Es sind die besten Zeiten für einen unabhängigen Schriftsteller, mit seinem Werk an die Öffentlichkeit zu gehen." Die Umsätze mit E-Books nähern sich in den USA der Milliardenmarke und machen rund ein Fünftel des Gesamtmarkts aus. In Deutschland ist der Anteil mit rund einem Prozent nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zwar noch deutlich geringer, aber er verdoppelte sich zwischen 2010 und 2011 - und das, während die Umsätze mit gedruckten Büchern deutlich abnahmen.

"Ich denke schon, dass das E-Book und die Möglichkeiten des "Self Publishing" die Branche grundlegend verändern werden", sagte der Autor Jonas Winner, der in Deutschland als einer der Vorreiter des Online-Selbstverlegens gilt, in einem Interview. "Bücher werden wesentlich billiger - und sie lassen sich wesentlich einfacher vervielfältigen. Dadurch senkt sich die Schwelle, die neue Ideen überwinden müssen, um Verbreitung zu finden. Ich finde das großartig."

Der Weg zur Veröffentlichung ist für die Autoren einfach: Sie müssen nur ihr Manuskript in eine bestimmte Form bringen und es dann auf der Online-Plattform eines Lesegeräts - wie beispielsweise dem Kindle von Amazon, dem iPad von Apple oder dem eReader von Sony - hochladen. Um Präsentation, Abwicklung der Verkäufe und Schutz vor Vervielfältigung kümmert sich der Anbieter und behält dafür einen Teil des meist sehr niedrigen Buchpreises. Jonas Winners Thriller "Berlin Gothic" ist bei Amazon beispielsweise für 0,99 Euro zu haben, Michael Prescotts "Riptide" für 2,45 Euro. Die traditionellen Verlage bleiben erstmal außen vor.

Selbstverlegen als Sprungbrett

Aber nicht jedes Buch habe das Zeug zum Online-Bestseller, sagt Star-Autorin Hocking. "Jeder kann auf "Upload" klicken und etwas ins Internet schmeißen, aber ein Produkt zu erstellen, das die Menschen auch wirklich kaufen wollen und das dann auch zu bewerben, ist eine Menge Arbeit." Hockings letztendliche Antwort darauf war eine, die Verlegern Mut macht. "Ich habe meinem Agenten gesagt, dass ich mit dem Selbstverlegen aufhören und meine Bücher wieder in die Geschäfte bringen möchte." Das Selbstverlegen war für sie ein Sprungbrett.

Auch Verlage können profitieren

Denn auch die Verlage können vom "Self Publishing" profitieren: Sie müssen sich nicht mehr auf ihr Bauchgefühl und einige Testleser verlassen, wenn sie ein Buch herausbringen, sondern können sich aus dem von vielen Lesern bewerteten und durchforschten Online-Buchmarkt die Juwelen herauspicken. "Es ist eigentlich wie früher mit dem Haufen der unverlangt eingesandten Manuskripte", sagte Hockings dem Verleger Andrew Martin von der "USA Today". "Der wird durchgesucht und das Beste kommt nach ganz oben. Ich kaufe dann nicht wirklich ein einzelnes Buch, sondern baue eine Karriere mit einem Autor auf."

(Marcel Petritz)

Quelle: DPA

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