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Gigaset: Android kommt auch aufs Festnetz-Telefon

Enge Gürtel und weite Visionen - diese Kombination soll den Festnetz-Spezialisten Gigaset aus der Krise helfen. Die Zeit des klassischen Telefons ist vorbei, so Konzernchef Fränkl. Das Telefon von morgen wacht über Heim und Herd, arbeitet mit Apps und Video.

Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Harte Zeiten für Festnetztelefon-Hersteller: Während die Kunden von morgen lieber online chatten statt zu telefonieren und Mobilfunktarife immer häufiger Festnetz-Flats anbieten, fragen sich viele Nutzer, ob ein Festnetz-Telefon überhaupt noch notwendig ist.

Festnetz-Gerät setzt auf Android-Apps

Eine Frage, die Gigaset-Chef Charles Fränkl im Interview mit "Welt Online" naturgemäß klar bejaht. Aber der Konzern muss sich bewegen – und setzt dabei auf Bewährtes aus der Mobilfunk-Konkurrenz. So soll das Touchscreen-Telefon SL 930 auf dem Betriebssystem Android basieren und als weltweit erstes Festnetz-Telefon Zugriff auf den Google Play Store mit 600.000 Apps bieten. Marktstart ist für 2013 geplant.

Festnetztelefonie allein kann offenbar kein Allheilmittel sein. Nicht umsonst muss Marktführer Gigaset den Gürtel enger schnallen und allein in Bocholt 365 Jobs streichen. Das Werk sei aber ebenso wenig vom Aus bedroht wie die Festnetz-Telefonie, so Fränkl gegenüber "Welt Online". Zwar mauserten sich Jugendliche zunehmend zu Festnetz-Muffeln, das ändere sich aber, sobald sie in die Familienphase eintreten. Außerdem stehe auch bei jungen Nutzern das lange gemütliche Gespräch am Schnurlosgerät hoch im Kurs.

Vision: Das Schnurlose schützt Heim und Herd

Aus der Krise führen sollen Innovationen. So setzt der Konzern neben Festnetz-Telefonie vor allem auf cloud-basierte Dienste, Apps und Services im Business-Bereich, aber auch auf die Rundum-Versorgung an Heim und Herd: Home-Networks ist das Stichwort, das der Hersteller sich auf die Fahnen geschrieben hat.

Das Telefon von morgen müsse mehr können als Menschen zum Gespräch zu verhelfen. Fränkl schwebt statt Hörer und Wähltasten eine integrative "Konsole mit Apps" vor, die Kommunikation ermöglicht, aber auch über die Sicherheit der Wohnung wacht. Dazu gehört eine Smartphone-App, die Alarm schlägt, sobald jemand gewaltsam die Wohnungstür öffnet oder die Waschmaschine ausläuft – ein Konzept, das Gigaset bereits auf der IFA in Berlin demonstriert.

Auch als Schaltzentrale für Kranken-, Seniorenbetreuung oder Energieversorgung komme das Telefon von morgen in Betracht. "Wir wollen auf dem Markt mit dem Oberbegriff 'Intelligentes Haus' mitspielen", so Fränkl. Dabei setze man auf Partnerschaften mit Konzernen wie der Sicherheitsfirma Securitas, Bosch oder Osram im Bereich Sensorik und Lichtsteuerung. In Kürze werde Gigaset ein Starterkit anbieten, das unter 200 Euro kostet und leicht installiert werden kann, kündigt Fränkl an.

Videotelefon kommt 2013

Einen Erfolgstrend der Firmenchef auch im Bereich Videotelefonie. VoIP-Dienste wie Skype hätten hier den Boden geebnet und Standards geschaffen. Im kommenden Jahr werde Gigaset ein videobasiertes Endgerät präsentieren, das auf internetbasierte Kommunikation mit hochwertiger Bild- und Tonqualität setzt. Insbesondere im Geschäftskundensektor sei dies ein Wachstumsmarkt, so Fränkl.

Mit dem neuen Konzept tritt der Konzern selbstbewusst an die Öffentlichkeit. "Gigaset 2015 - Creating a World Beyond Telephony“ heißt das Motto, mit dem das Münchner Unternehmen seine Ideen und Prototypen auf der IFA in Berlin vom 31. August bis 5. September in Halle 9, Stand 211, vorstellt.

(Dorothee Monreal)

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