News

Gefälschte Druckerpatronen: Made in Germany

Nicht im fernen Ausland, sondern in Obertshausen im Landkreis Offenbach entdeckte die Polizei eine große Produktionsstätte zur Herstellung gefälschter Druckerpatronen. Das Lager sei randvoll gefüllt mit Plagiaten namhafter Druckerhersteller, die Patronen sind auch in den Handel gelangt.

Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Da staunten die Polizisten des Betrugskommissariats Offenbach nicht schlecht. Nicht im fernen Ausland, sondern direkt vor Ort in Obertshausen im Landkreis Offenbach stießen sie bei einer Durchsuchungsaktion am vergangenen Donnerstag auf eine Produktionsstätte zur Herstellung von gefälschten Druckerpatronen. Die Lagerhalle sei randvoll gefüllt mit Druckerpatronen namhafter Hersteller gewesen.

Plagiate ohne Ende

Erste Überprüfungen zeigten, dass es sich dabei ausschließlich um Plagiate handelte. "Dies ist eine neue Dimension", erläutert Werner Kerpen, der Leiter des Betrugskommissariats in Offenbach, in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen und der Staatsanwaltschaft Darmstadt. "Ich bin seit über 30 Jahren Polizist - eine derartige Produktionsstätte ist mir aber bisher noch nicht untergekommen." Mehrere Lastwagenladungen an beschlagnahmten Druckerpatronen sollen nun aus dem Lager geholt werden. Gefälschte Patronen sollen auch in den Handel gelangt sein, die Ermittlungen dauern an.

Als Anfang des Jahres verstärkt billig gefälschte Druckerpatronen auf den Markt gelangten, konnte die Spur bis nach Obertshausen zurückverfolgt werden. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ordnete die Durchsuchung der Firmenräume sowie der Wohnung des 47-jährigen Geschäftsführers an. Nach Einleitung polizeilicher Maßnahmen sei dieser zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Die kriminelle Firma hat laut den Ermittlungen der Polizei offenbar leere Kartuschen mit minderwertiger Farbe befüllt und sie mit Hologrammen, Garantiesiegeln und Begleitpapieren versehen. In einem weiteren Schritt wurden die Patronen originalgetreu eingeschweißt und in einem dem Original täuschend ähnlich sehenden Karton verpackt. Über verschiedene Vertriebswege sollen die Patronen ihren Weg in den Handel gefunden haben.

Schaden in Millionenhöhe für betroffene Druckerhersteller

Noch konnte die Ermittlungsbehörden keine Angaben dazu machen, wie viele Druckerpatronen vor Ort lagerten und wie viele bereits auf dem Markt sind. Auch Sachverständige der betroffenen Druckerhersteller, die sich einen ersten Überblick verschaffen konnten, sind von dem Ausmaß der ausgehobenen Fälschungswerkstatt überrascht. "Wann die Durchsuchung abgeschlossen sein wird, lässt sich noch nicht absehen - mit Sicherheit kann jedoch schon jetzt der wirtschaftliche Schaden für die Firmen mit mehreren Millionen Euro beziffert werden", erläutert Kommissariatsleiter Kerpen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Community

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!



Zum Seitenanfang