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Facebook liest mit: Chats werden "abgehört"

Zum Schutz vor sexuellen Übergriffen von Pädophilen auf minderjährige Facebook-Mitglieder setzt das US-Netzwerk laut "Sueddeutsche.de" eine Software ein, die automatisiert nach verdächtigen Schlüsselbegriffen in den Chats sucht - auch in Deutschland.

Facebook © Facebook

Facebook, das größte soziale Netzwerk, hat über 900 Millionen Mitglieder, doch das Image leidet zunehmend unter immer mehr negativen Nachrichten. Neben dem verpatzten Facebook-Börsengang ist vor allem der Umgang mit dem Datenschutz immer wieder ein Thema. Im Juni setzte Facebook neue Regeln in Kraft, die zwar einerseits mehr Transparenz verschaffen sollen, andererseits aber auch das längere Speichern von Informationen ermöglichen. Klickt ein Facebook-Mitglied auf einer Fanseite den "Gefällt mir"-Button, können die Fanseiten im Namen der Facebook-Mitglieder Posts an Freunde versenden. Laut Facebook soll es sich um ein neues "Feature" handeln. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete zudem am vergangenen Freitag, dass das Online-Netzwerk Chats zum Schutz junger Mitglieder vor sexuellen Übergriffen bereits seit längerem automatisiert nach verdächtigten Begriffen durchsucht. Müssen sich nun alle Facebook-Mitglieder beim harmlosen Chat mit Freunden beobachtet fühlen?

Facebook auf Jagd nach Pädophilen im Netzwerk

Facebook-Sicherheitschef Joe Sullivan hat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erstmals nähere Details zu der eingesetzten Technologie bekanntgegeben. Die Software greife unter anderem auf Chat-Mitschnitte von verurteilten Pädophilen zu, um die Suche nach verdächtigen Schlüsselbegriffen zu optimieren. Im Verdachtsfall alarmiere die Software Facebook-Mitarbeiter, die sich dann an die Strafermittlungsbehörden wenden können. Erfolg vermelden konnte Facebook bereits im März, als das Netzwerk den US-Behörden einen verdächtigen Chat zwischen einem 13-jährigen Mädchen und einem Mann aus Florida meldete. Der Mann wollte sich am Tag nach dem Chat mit dem Mädchen treffen.

Facebook betont, dass Chats zwischen schon länger bekannten Freunden nicht durchleuchtet würden. Zudem seien die Kriterien für "verdächtige" Chats nicht sehr streng geregelt, da der US-Konzern keine unschuldigen Mitglieder beschuldigen möchte. Dadurch könnte der eine oder andere Kriminelle durchs Netz schlüpfen. Gegenüber "Sueddeutsche.de" teilte Facebook mit, dass das soziale Netzwerk auch in Deutschland "proaktiv" die Behörden informiere, wenn das Unternehmen Kenntnis von eventuellen Straftaten erlangt.

(Jörg Schamberg)

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