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EuroDOCSIS 3.0: Kabelnetz-Ausbau kommt voran

Die großen Kabelnetzbetreiber bieten aktuell Highspeed-Internet mit bis zu 128 Mbit/s an. Möglich macht dies der neue Breitbandübertragungsstandard EuroDOCSIS 3.0. Onlinekosten.de erklärt die Vorteile der Aufrüstung und zeigt den aktuellen Ausbaustand bei Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW & Tele Columbus auf.

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Mit bis zu achtfacher DSL-Geschwindigkeit durchs Internet surfen: Das ermöglichen derzeit nur die großen Kabelnetzbetreiber. Möglich wird dies durch Umstellung der Technik auf den aktuellen Breitbandübertragungsstandard EuroDOCSIS 3.0. Onlinekosten.de erläutert, welche Vorteile der neue Standard für Endkunden und Provider mitbringt. Die Redaktion hat zudem einen Blick auf den aktuellen Stand der Kabelnetz-Aufrüstung bei den großen Kabelnetzbetreibern geworfen.

Hohe Bandbreiten durch Kanalbündelung

Die Anfänge von DOCSIS (Data Over Cable Service Interface Specification) liegen 14 Jahre zurück. Das von Kabelnetzbetreibern gegründete Konsortium Cablelabs ratifizierte DOCSIS 1997 in der Version 1.0. Erste Systeme kamen 1999 auf den Markt. Der aktuell gültige Standard DOCSIS 3.0 wurde 2006 ratifiziert, die Markteinführung erfolgte 2007. Da die amerikanischen und europäischen Kabelnetze wegen der unterschiedlichen Fernsehsysteme (NTSC beziehungsweise PAL) die Frequenzen unterschiedlich aufteilen, wurde der Standard in Europa in EuroDOCSIS umbenannt. Die europäischen Kabelnetzbetreiber nutzen Bandbreiten von 8 Megahertz (MHz) statt 6 MHz wie in den USA. Positive Folge für Europäer: Der Downstream kann mit einer höheren Bandbreite erfolgen.

Durch eine Bündelung von vier Kanälen lassen sich mit EuroDOCSIS 3.0 im Download Geschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit/s erzielen. Uploads sind technisch mit bis zu 108 Mbit/s realisierbar. Auch eine Bündelung von acht Kanälen ist machbar, so dass Downloads Geschwindigkeiten von bis zu 400 Mbit/s erreichen können. Und es geht sogar noch schneller: Bereits im vergangenen Herbst beschleunigte Kabel Deutschland Internetzugänge in Tests auf bis zu 1,17 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s).

Aufrüstung auf EuroDOCSIS 3.0 ohne Tiefbauarbeiten

In bereits für die Nutzung von Internet und Telefonie modernisierten Kabelnetzen ist eine Umstellung auf den neuen Standard EuroDOCSIS 3.0 ohne Tiefbauarbeiten realisierbar. Damit sparen die Kabelnetzbetreiber erhebliche Kosten. Technisch werden die lokalen Vermittlungsknoten, die Cable Modem Termination System (CMTS) sowie das lokale Verteilnetzwerk zum Kunden aufgerüstet. Ein weiterer Vorteil von EuroDOCSIS gegenüber der DSL-Technologie ist die schnelle Übertragung auch über weite Entfernungen, die nach Angaben von Kabel Deutschland bei bis zu 160 Kilometern liegen kann. Die hohe Bandbreite wird alleine für Internet und Telefon per Kabel reserviert. Für das Kabelfernsehen stehen separate Bandbreiten zur Verfügung. Ein EuroDOCSIS 3.0-fähiges Kabelmodem können Kunden während der Vertragslaufzeit in der Regel gratis nutzen.

Weiter auf Seite 2: Stand der Aufrüstung auf EuroDOCSIS 3.0 bei den Kabelnetzbetreibern

Derzeit bieten die großen Kabelnetzbetreiber zunächst meist maximal Bandbreiten von 100 Mbit/s an, nur Unitymedia und seit August auch Tele Columbus vermarkten Kabel-Internet mit bis zu 128 Mbit/s. Die Umstellung auf EuroDOCSIS 3.0 ist bei den großen deutschen Kabelanbietern unterschiedlich weit fortgeschritten.

100 Mbit/s bei Kabel Deutschland & Kabel BW

Bereits seit Mai des vergangenen Jahres hält beispielsweise Kabel BW Internet mit 100 Mbit/s in Baden-Württemberg flächendeckend bereit. Im Upload stehen bis zu 2,5 Mbit/s zur Verfügung. Die Bandbreite lässt sich aktuell mit der Doppel-Flat CleverKabel 100 zwölf Monate lang bereits für 29,90 Euro statt 49,90 Euro nutzen.

Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) besitzt Kabelnetze in 13 Bundesländern. Derzeit surfen KDG-Kunden bereits in zahlreichen Städten, darunter beispielsweise auch die Metropolen Berlin, Hamburg und München, mit High-Speed. Im Laufe des kommenden Jahres sollen Internetgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s im nahezu gesamten für Internet und Telefonie aufgerüsteten KDG-Kabelnetz bereitstehen. Bei Buchung bis Anfang Oktober erhalten KDG-Kunden Highspeed-Internet derzeit zum Schnäppchenpreis. Internet & Telefon 100 gibt es im ersten Jahr für 19,90 Euro statt 39,90 Euro. Ob der schnelle Internetzugang bereits am eigenen Wohnort erhältlich ist, lässt sich mit der Kabel Deutschland Verfügbarkeitsprüfung checken.

Highspeed-Internet bis 128 Mbit/s bei Unitymedia und Tele Columbus

Der in Nordrhein-Westfalen und Hessen aktive Kabel-Provider Unitymedia hat als erster Anbieter die Schwelle von 100 Mbit/s durchbrochen und bietet seinen Kunden Surfgeschwindigkeiten von bis zu 128 Mbit/s. Der Kabelnetzbetreiber will bis zum Jahresende 90 Prozent der erreichbaren Kabelhaushalte fit für Dienste auf Basis von EuroDOCSIS 3.0 machen. Die schnelle Doppel-Flat 2play 128.000 sowie das um digitales TV erweiterte 3play 128.000 sind ab 60 Euro monatlich erhältlich. Auf der Homepage des Anbieters lässt sich die Verfügbarkeit von Unitymedia überprüfen.

Der Provider Tele Columbus, der vor allem in Ostdeutschland eigene Kabelnetze besitzt, rüstet ebenfalls unter Hochdruck auf den neuen Standard EuroDOCSIS 3.0 auf. Aktuell sind rund 600.000 Haushalte technisch umgestellt. In den Städten Berlin, Potsdam, Erfurt, Halle, Chemnitz, Zwickau, Freiberg, Plauen, Freital, Bauzen, Zerbst und Lutherstadt Wittenberg kann bereits mit bis zu 128 Mbit/s im Internet gesurft werden. Demnächst profitieren auch Tele Columbus-Kunden in Jena vom Highspeed-Internet per Kabel. Der EuroDOCSIS 3.0-Ausbau soll im Laufe des kommenden Jahres weitgehend abgeschlossen werden. Im August lockt der Kabelnetzbetreiber mit Sparangeboten. Die schnelle Doppel-Flat 2er-Kombi 128 mit Internet-Bandbreiten von bis zu 128 Mbit/s und einer Telefon-Flat kostet in den ersten drei Monaten zum Beispiel nur 19,99 Euro statt 59,99 Euro.

(Jörg Schamberg)

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