News

EU: "Breitband für alle" noch ein weiter Weg

Die EU-Kommission hat eine Statistik zum Breitbandausbau in Europa veröffentlicht. Demnach steigt die Breitbandversorgung. Um das von der EU bis 2013 geplante flächendeckende "Breitband für alle" zu erreichen, muss Europa aber noch mehr tun.

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Das Ziel ist ehrgeizig: Breitband für alle Europäer bis 2013. Die Europäische Kommission hatte im Frühjahr dieses Jahres die "Digitale Agenda für Europa" veröffentlicht. Der Breitbandausbau in Europa soll in den kommenden Jahren zügig vorankommen, bis 2020 hofft die EU-Kommission auf flächendeckendes Breitband für alle Europäer mit Internet-Bandbreiten von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), die Hälfte der Europäer soll bis dahin sogar mit bis zu 100 Mbit/s ins Netz. Doch sind solche Vorstellungen überhaupt realistisch? In Brüssel legte die EU-Kommission nun eine aktuelle Statistik zur Breitbandversorgung in Europa vor. Auf den Punkt gebracht: Es gibt Fortschritte, aber Europa muss mehr tun.

Breitbandversorgung und Bandbreite nehmen zu

Im Vergleich zum Vorjahr haben die Breitbandverbindungen in Europa an Geschwindigkeit zugelegt. Im Juli dieses Jahres lieferten 29 Prozent der Breitbandanschlüsse innerhalb der EU Bandbreiten von mindestens 10 Mbit/s, ein Jahr zuvor erreichten nur 15 Prozent der Anschlüsse eine solche Übertragungsgeschwindigkeit. Internetnutzer surfen an 5 Prozent der Anschlüsse mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von mindestens 30 Mbit/s. Highspeed-Internet steht laut der Statistik nur an 0,5 Prozent der Anschlüsse in der EU zur Verfügung. Auf 100 Einwohner kommen nun 25,6 Breitbandanschlüsse, im Vorjahr lag die Breitbandverbreitung noch bei 23,9 Anschlüssen. Im Juli 2010 zählte die EU 128 Millionen feste Breitbandanschlüsse, neun Millionen Anschlüsse sind seit Juli 2009 hinzugekommen. Zum Vergleich: Es gibt rund 220 Millionen Privathaushalte innerhalb der EU.

Starkes Wachstum ist insbesondere beim mobilen Internet zu sehen. Innerhalb eines Jahres konnten Mobilfunk-Breitbanddienste um 45 Prozent zulegen, pro 100 Einwohner zählte die EU in diesem Jahr sechs mobile Breitbandanschlüsse über USB-Sticks oder Dongles. Beliebt ist dieser Breitbandübertragungsweg vor allem in Finnland , Österreich, Schweden, Dänemark und Portugal.

EU-Kommission: Europa muss noch mehr tun

Trotz der Erfolge sieht die EU ihre in der Digitalen Agenda festgelegten Ziele noch in weiter Ferne. "Schnelle Breitbandnetze sind so etwas wie digitaler Sauerstoff. Sie sind unverzichtbar für Wachstum und Wohlstand in Europa", so Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission. Zwar nehmen die Breitbandverbreitung und die Geschwindigkeit zu, aber es müsse mehr getan werden, um die "anspruchsvollen Breitbandziele" zu erreichen. "Insbesondere brauchen wir dringend eine Einigung über unseren Vorschlag, der dafür sorgen soll, dass ausreichende Funkfrequenzen für mobile Breitbanddienste zur Verfügung stehen, denn die Nachfrage danach nimmt rasant zu", so Kroes weiter. Schnelle Internetverbindungen werden zum Beispiel für HD-Fernsehen oder Videokonferenzen benötigt.

Weiter auf Seite 2: DSL dominiert noch, Glasfaser und Kabel holen auf

Im weltweiten Vergleich hinkt Europa noch hinter Ländern wie Südkorea oder Japan hinterher. Länder wie die Niederlande oder Dänemark können jedoch mithalten: Mit fast 40 Anschlüssen pro 100 Einwohner erreichen sie circa 80 Prozent der Haushalte. In Finnland und Schweden ging die Zahl der festen Breitbandanschlüsse zugunsten von mobilen Breitbandanschlüssen zurück. Immerhin neun EU-Länder, darunter auch Deutschland, liegen hinsichtlich der Breitbandversorgung noch vor den USA. Die Vereinigten Staaten konnten im Mai dieses Jahres nur 26,4 Breitband-Anschlüsse pro 100 Einwohner bereitstellen.

Glasfaser und Kabel-Internet auf dem Vormarsch

Der Internetzugang über DSL-Leitungen behauptet weiterhin mit 100 Millionen Anschlüssen seine Position als dominierende Breitband-Technologie. Dennoch ist der DSL-Boom vorbei, der Marktanteil geht zurück. Zunehmend treten schnellere Glasfaserleitungen und auf den Breitbandübertragungsstandard Docsis 3.0 aufgerüstete Kabelnetze an die Stelle von DSL. Die Verlegung von Glasfaserleitungen direkt bis zum Verbraucher, das sogenannte Fibre to the Home (FTTH) wuchs innerhalb von zwölf Monaten bis zum Sommer dieses Jahres um 40 Prozent. Dennoch liegt der Anteil insgesamt nur bei 1,7 Prozent der europäischen Breitbandanschlüsse. Schweden hat hier vorgelegt, bereits 24 Prozent der Breitbandanschlüsse basieren auf FTTH.

Mehr Investitionen in Breitbandausbau von neuen Anbietern

Die etablierten Telekommunikationsanbieter in der EU verlieren Marktanteile, der Wettbewerb auf dem Breitband-Markt hat auch durch stärkere Investitionen neuer Telekom-Anbieter zugenommen. Vor allem der entbündelte Zugang zum Teilnehmeranschluss ermögliche Drittanbietern den Zugriff auf die Netze der klassischen Telekommunikationsanbieter. In diesem Jahr waren 74,8 Prozent der DSL-Leitungen alternativer Anbieter bereits entbündelt, im Sommer 2009 lag dieser Anteil erst bei 71,4 Prozent. Reine Wiederverkäufer ohne eigene Investitionen in die Netze verlieren an Bedeutung, ihr Marktanteil ist in Europa von 10,6 Prozent auf 8,9 Prozent gesunken.

Im September dieses Jahres hatte die EU-Kommission ein konkretes Breitbandpaket vorgelegt, dass dem Breitbandausbau in Europa mehr Tempo bringen soll. Darin wird unter anderem ein regulierter Zugang zu Glasfaserleitungen empfohlen. Zudem enthält das verabschiedete Paket Regelungen, um ausreichend frei gewordene Funkfrequenzen für drahtlose Breitbanddienste zu reservieren. Schließlich plant die EU-Kommission eine sinnvolle Förderung öffentlicher und privater Investitionen in den Breitbandausbau.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Community
Weitere Infos zum Thema
Zum Seitenanfang