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Energieversorger: "Revolution" bei Glasfaserausbau

Die Energieversorger müssen in den nächsten Jahre ihre Netze erneuern, dabei könnten gleich auch Leerrohre für den Breitbandausbau mitverlegt werden. Beim VATM-Glasfasertag in Köln warben die Versorger für eine stärkere Kooperation mit den Telekommunikationsunternehmen.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Der Ausbau der Glasfasernetze kann nicht von einzelnen Unternehmen alleine geschultert werden. Darüber herrschte bei den Teilnehmern des bereits zum dritten Mal vom VATM, einem Verband von Telekom-Wettbewerbern, in Köln veranstalteten Glasfasertag Einigkeit. Als mögliche Kooperationspartner der Telekommunikationsunternehmen geraten zunehmend auch die Energieversorgungsunternehmen in den Fokus. Vereinzelt gibt es bereits gemeinsame Projekte. Beispielsweise in Rheinland-Pfalz kooperieren Vodafone und RWE. Roger Kohlmann, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, warb für eine stärkere Zusammenarbeit beider Seiten.

Versorger müssen Netze erneuern

"Wir betreiben gerade eine Revolution", so Kohlmann mit Blick auf seine Branche. Mit den Energie- und Wasserversorungsunternehmen stünden rund 900 potentielle Partner zur Verfügung, die Erfahrung mit dem Bau und Betrieb von Infrastrukturen hätten. Die erneuerbaren Energien könnten sich als größter Treiber für den Breitbandausbau erweisen. Denn in den nächsten zehn Jahren müssen die Netze erneuert werden, größere Änderungen im Verteilernetz stehen an. Bei den notwendigen Arbeiten lassen sich Synergieeffekte erzielen: Die Versorgungsunternehmen könnten Leerrohre für Glasfaserleitungen gleich mitverlegen, die kostenintensive separate Verlegung durch die Telekommunikationsunternehmen würde entfallen. In Deutschland machen die Tiebauarbeiten nach Angaben des VATM 80 bis 90 Prozent der Kosten beim Glasfaserausbau aus.

Zeit ist reif für stärkere Kooperation

Nach Ansicht von Kohlmann prallen mit Telekom-Unternehmen und Versorgern jedoch zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander. Die Versorger denken eher in langen Zeiträumen, ihre Infrastruktur müsste beispielsweise 30 bis 40 Jahre halten. Dennoch zeigt er sich optimistisch: "Für bestimmte Ideen muss die Zeit einfach reif sein", so Kohlmann. Und diese Zeit sieht er nun gekommen. Unter anderem gebe es zusammen mit dem BITKOM-Verband eine Initiative zur Realisierung von intelligenten Stromnetzen, den sogeannten Smart Grids. Auch politisch habe sich beispielsweise mit den jährlichen IT-Gipfeln oder der nationalen Plattform Elektromobilität viel getan. Die "Politik hat sämtliche Felder adressiert, die für die smarte Welt relevant sind", so Kohlmann weiter. Das Ziel sei die Schaffung der Smart City. "Zur Zeit arbeiten alle in den einzelnen Feldern, nur nicht miteinander. Es fehlt ein Masterplan, keiner wird es alleine schaffen", so Kohlmann.

Die Stadtwerke hätten das Vertrauen der Kunden, einige Versorger spielen sogar mit dem Gedanken Vollversorger zu werden, den Bereich Telekommunikation mit abzudecken. Auf Verbandsebene, zum Beispiel zwischen BDEW und VATM müsse es eine bessere Zusammenarbeit geben. Bis Ende 2012 sollte eine Agenda erstellt und die Zusammenarbeit in ersten Testprojekten erprobt werden. Danach könnten die Partner dann in die Fläche gehen. Die Versorger würden "in Zukunft verdammt viel" mit Telekommunikation zu tun haben. Allerdings ist eins noch unklar: "Wir wissen nicht, wer unser Partner werden wird", so Kohlmann. Sowohl Mobilfunk-, Kabel- und DSL-Anbieter kommen in Frage.

(Jörg Schamberg)

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