TV-Inhalte für zu Hause und das Smartphone

Einstieg ins TV-Geschäft: Freenet will Media Broadcast übernehmen

Der Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter freenet, Mutterkonzern von mobilcom-debitel, will sich breiter aufstellen und ins Fernsehgeschäft einsteigen. Für über 295 Millionen soll die Media Broadcast Gruppe übernommen werden - wenn die Kartellbehörden grünes Licht geben.

Freenet Firmenzentrale Büdelsdorf© freenet AG

Büdelsdorf/Köln - Der Mobilfunkanbieter Freenet will sich die Media Broadcast Gruppe einverleiben und damit ins Fernsehgeschäft einsteigen. Der Kaufvertrag für den TV-Dienstleister über rund 295 Millionen Euro umfasse alle Geschäftsbereiche außer der Satellitensparte, teilte Freenet am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz mit.

Freenet will TV-Inhalte für zu Hause und das Smartphone liefern

Das im TecDax notierte Unternehmen will sich mit dem neuen Geschäftsfeld breiter aufstellen und neue Wachstumspotenziale und Erlösquellen erschließen - mit TV-Inhalten für zu Hause und das Smartphone. Der Konzern hat wegen des Zukaufs seinen Ausblick fürs laufende Jahr erhöht.

Zustimmung der Kartellbehörden erforderlich

Verkäufer seien vier Finanzinvestoren unter der Führung von Texas Pacific Group (TPG), sagte Freenet-Chef Vilanek der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Um die Finanzierung des Deals sei ihm nicht bange. "Wir können uns das Ding gut leisten", sagte Vilanek. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll die Übernahme im April vollzogen werden.

Bei Media Broadcast hat die Freenet-Spitze den neuen Übertragungsstandard DVB-T2-HD im Blick, bei dem Kunden per Antenne Fernsehbilder in hoher Qualität (Full-HD) empfangen können. Für den Empfang der Privatsender in dieser Qualität müssen Zuschauer dann zahlen. Schon heute betreibe die Media Broadcast Gruppe ein rentables Geschäft mit den Entgelten der ausstrahlenden Sender, sagte Vilanek. Mit der Einführung des entgeltpflichtigen Fernsehens in exzellenter Bildqualität werde Freenet das neue Privatkundengeschäft im TV-Bereich aufbauen.

Media Broadcast produziert Fernseh- und Radioinhalte und überträgt sie über Internet sowie Kanäle wie DVB-T, DVB-T2 und DAB+ zu den Konsumenten. Nach eigenen Angaben betreut das Unternehmen rund 750 Geschäftskunden, darunter private und öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter, Kabelnetzbetreiber sowie private Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Beteiligung an Münchener Unternehmen Exaring

Zudem hat sich Freenet mit 25 Prozent an dem Münchner Unternehmen Exaring beteiligt, das eine Plattform für Unterhaltungsangebote und ein eigenes Glasfasernetz betreibt. Dieses erreiche technisch 23 Millionen Privathaushalte in Deutschland und ermögliche Übertragungen von Virtual Reality und 3D-Bildern, hieß es. Vilanek bezeichnete die mit der Beteiligung verbundenen Vertriebsrechte für Freenet als einen "Quantensprung".

Künftig will Freenet seinen Kunden mit diesem zweiten Angebot normales Fernsehen in höchster Bildqualität, Video-Abrufdienste, Filmaufnahmen, Streaming, PC-Dienste und Online-Spiele anbieten. Alle Dienste sollen dabei über das Internet stattfinden und auf zentrale Datenspeicher (Cloud) setzen. Festplattenrekorder seien für die Kunden dann Geschichte. "Ein Internetanschluss mit 16 Megabit pro Sekunde reicht, dann brauchen Sie keine Festplatten und Settop-Boxen mehr", sagte Vilanek. Ab dem vierten Quartal wolle Freenet dafür "massiv um Kunden werben".

Freenet mit steigenden Dividenden

Unterdessen beglückt Freenet seine Aktionäre mit steigenden Dividenden. Für 2015 soll die Ausschüttung um fünf Cent auf 1,55 Euro je Aktie steigen. Für 2016 stellte der Vorstand eine Aufstockung auf 1,60 Euro in Aussicht. Zudem soll der operative Gewinn (Ebitda) im laufenden Jahr statt der bisher erwarteten 375 Millionen Euro etwas mehr als 400 Millionen Euro erreichen. Auch der Umsatz soll steigen - und zwar nicht mehr nur "leicht", wie zuvor in Aussicht gestellt.

Im abgelaufenen Jahr verdiente Freenet vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gut 370 Millionen Euro und damit 1,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte um 2,5 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. Die Zahl der Kunden wuchs von 8,9 auf 9,3 Millionen. Dabei entfiel der Großteil des Zuwachses auf die besonders wichtigen Vertragskunden.

Jörg Schamberg / Quelle: DPA

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