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DSL-Drosselung auch für Telekom-Bestandskunden? - Telekom nimmt Stellung

Droht eventuell auch elf Millionen Bestandskunden im Zuge der Umstellung der analogen Anschlüsse auf IP-Technik künftig eine Drosselung ihrer DSL-Anschlüsse? Wir haben bei der Telekom nachgehakt. Telekom-Deutschland-Chef van Damme sagte zudem der "Welt", dass nicht zurückgerudert werde.

Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Auch eine Woche nach der Ankündigung der Telekom, Bandbreiten-Beschränkungen für DSL-Tarife einzuführen, kommt die Diskussion nicht zur Ruhe. Die Neuregelung, die ab dem 2. Mai zunächst in den Leistungsbeschreibungen der DSL-Tarife festgeschrieben werden soll, will die Telekom in der Praxis aber voraussichtlich erst ab 2016 für Neukunden umsetzen. Nach Verbrauch eines bestimmten Inklusivvolumens will der Bonner Konzern dann bei betroffenen Kunden die Bandbreite des Internetanschlusses bis zum Ende des Monats auf nur noch 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) reduzieren. Doch nun wird in diversen Medienberichten darüber spekuliert, dass unter Umständen im Zuge der beabsichtigten Umstellung aller analogen Anschlüsse auf IP-Technik auch Bestandskunden von geplanten Drosselungen betroffen sein könnten. Denn bei Umstellung auf einen IP-Anschluss sei der Abschluss eines Neuvertrags erforderlich, der dann die Drosselung beinhalte. Unsere Redaktion hakte bei der Telekom nach. Zudem äußerte sich am Mittwoch auch Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme gegenüber der "Welt" zu dem Thema.

Telekom: Kunden wechseln gerne auf IP

Ein Telekomsprecher versuchte hinsichtlich der Umstellung auf IP zu beschwichtigen: "Die Umstellung auf All IP soll 2018 abgeschlossen sein - das sind fünf Jahre, bis dahin wird es vermutlich ganz andere Tarife geben, weil es auch neue Produkte geben wird (Vectoring)". Aktuell nutzen bereits circa eine Million der insgesamt zwölf Millionen Telekom-Breitbandkunden IP-Anschlüsse. Nach Angaben des Unternehmenssprechers habe All IP Vorteile wie eine bessere Sprachqualität und biete zwei Leitungen sowie bis zu zehn Rufnummern.

"Je nach aktuellem Tarif kann der Kunde dadurch bis zu 4 Euro im Monat sparen. Insofern sind wir überzeugt, dass die Kunden gerne auf IP wechseln", erklärte der Telekom-Sprecher weiter und fügte den nicht unwesentlichen Hinweis hinzu: "Was mit einem Neuvertrag verbunden ist". Zugleich stellte er klar: "Aber niemand wird umgeschaltet. Jeder Kunde kann entscheiden, ob er einen modernen Anschluss haben möchte oder nicht. Kein Kunde muss dieses Angebot wahrnehmen".

Highspeed nach Verbrauch des Inklusivvolumens "für ein paar Euro"

Außerdem sieht der Sprecher des Bonner Konzerns die ganze Diskussion weniger dramatisch: "Selbst wenn wir die neuen Leistungsbeschreibungen ab 2016 faktisch umsetzen, würden die Inklusivvolumina den meisten Kunden völlig ausreichen. Und wenn nicht, können die Kunden ihren Anschluss für ein paar Euro weiterhin mit Highspeed nutzen", betont er. "Im Mobilfunk gibt es das ab 5 Euro und funktioniert problemlos". Konkrete Details zur Höhe von Highspeed-Zubuchoptionen hat die Telekom bislang noch nicht bekanntgegeben.

Weiter auf Seite 2: Telekom-Deutschland-Chef: "Wer weiß, wie die Datengrenzen 2018 aussehen"

Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme gab am Mittwoch gegenüber der "Welt" zu bedenken, dass die von seinem Unternehmen angekündigten Inklusivvolumina in fünf Jahren nicht unbedingt in der jetzigen Form Bestand haben müssen. "Wer weiß, wie die Datengrenzen 2018 aussehen werden? Wir leben in einer sehr dynamischen Branche", erklärte der Telekom-Manager.

Telekom: Wir rudern nicht zurück

"In fünf Jahren, wenn wir das alte Netz abschalten wollen, werden wir in einer Internetwelt mit höheren Zugangsgeschwindigkeiten, neuen Partnerschaften, neuen Geschäftsmodellen, neuen Tarifen leben", stellte van Damme klar. Die komplette Umstellung auf IP-Technik soll bis 2018 erfolgen. Bis dahin können sich Kunden noch 'wehren', indem sie ihren analogen Anschluss weiter nutzen. Doch van Damme zeigte sich optimistisch: "Wir sind sicher, die übrigen elf Millionen Breitbandkunden ebenfalls zu überzeugen". Für diese gelten dann entsprechend die dann aktuellen AGB.

Den breiten Proteststurm von Kunden, Politik und Wirtschaft hat der Bonner Konzern zwar registriert, doch die Telekom denkt offenbar nicht an Korrekturen ihres Kurses. "Für uns ist das Thema zu wichtig, als dass wir zurückzurudern könnten", erklärte van Damme der Zeitung. Es gebe derzeit auch keine Kündigungswelle wegen der geplanten Drosselung. Zudem verwies er darauf, dass es nur fair, sei, wenn Heavy-User mehr zahlen als die Durchschnittsnutzer: "Wer den Wasserhahn ständig laufen lässt, bezahlt auch mehr als Otto-Normalverbraucher".

(Jörg Schamberg)

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