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Das Taxi kommt (teilweise nur) per Smartphone-App

Das Internet stellt das klassische Taxigewerbe vor neuen Herausforderungen. Viele Fahrer sehen das aber auch als Chance.

SMS© TristanBM / Fotolia.com

Ein Taxi per Telefon zu rufen, war gestern. Das gilt zumindest für diejenigen, die sich dynamisch und modern geben: Sie bestellen auf dem Smartphone über das Internet. Insbesondere die die Smartphone-App MyTaxi hat für Wirbel in der Branche gesorgt.

Internet als zusätzlicher Vertriebskanal

Als der Onlinebestelldienst vor drei Jahren ans Netz ging, sahen die klassischen Funkzentralen ihre Felle mehr und mehr davonschwimmen. Denn sie leben vom Geld der Taxifahrer, die ihnen etwa in Berlin rund 100 Euro pro Monat für die Fahrgastvermittlung zahlen. Doch die Funkzentralen konterten. Seit vergangenem Herbst sind sie mit einem eigenen Portal auf dem Markt. Die Taxifahrer selbst sehen in den Internetdiensten eher einen zusätzlichen Vertriebskanal.

Bei MyTaxi zahlt der Fahrer pro gebuchter Tour 79 Cent - manch einer verzichtet seitdem sogar auf die Dienste der Funkzentralen. Rund 8.000 Fahrer in etwa 30 deutschen Städten nutzen laut Betreiberfirma Intelligent Apps mittlerweile das Programm, das dem Kunden auf einer Karte freie Wagen in seiner Umgebung anzeigt und den Kontakt direkt herstellt. Die rund eine Million Nutzer, die die kostenlose Anwendung auf ihrem Mobiltelefon installiert haben, können damit mittlerweile auch in Wien, Zürich und Barcelona Taxen rufen.

Konkurrenz formiert sich

Mit dem Portal taxi.eu forcierte hingegen das traditionelle Taxigewerbe seine digitalen Chauffeursdienste. Damit lassen sich nach Betreiberangaben sogar in 60 Städten Europas Taxen bestellen. Insgesamt 40.000 Wagen sind über das System erreichbar. Die Anfragen werden an die jeweiligen Taxizentralen übermittelt. Auf inzwischen 900.000 Telefonen ist der Dienst installiert.

Bei taxi.eu können Nutzer ein Taxi entweder über die Webseite des Angebots oder mit Hilfe von Apps bestellen. In Städten ohne automatische Bestellmöglichkeit wird der Smartphone-Kunde direkt mit der nächsten regionalen Taxizentrale verbunden. "Wir nehmen das traditionelle Taxigewerbe mit und verbinden deren Qualitätsstrukturen mit den neuen digitalen Möglichkeiten", erklärt der Geschäftsführer von Taxi Pay, Hermann Waldner, dessen Unternehmen zusammen mit einem Wiener Softwareunternehmen die Betreibergesellschaft von taxi.eu gründete.

Der Taxiverband Deutschland betrachtet die Internetkonkurrenz mittlerweile recht gelassen. "Am Anfang waren viele entsetzt, aber nach dem ersten Hype hat sich die Lage beruhigt", betont Vorstandsvorsitzender Matthias Schmidt. Die Apps seien nur ein weiterer Bestellpool. Es gebe derzeit nur wenig Taxiunternehmen, die ausschließlich auf die digitalen Systeme setzten.

Nur eine Spielerei?

Das rechne sich oft umsatzmäßig noch nicht. "Das ist letztlich nur eine Spielerei", meint Schmidt. Vielen Kunden sei es dann oft auch zu umständlich. "Und am Ende greifen sie doch zum Telefon und rufen sich klassisch ein Taxi über die Funkzentrale." Gute Taxifahrer seien ohnehin derart ausgelastet, dass sie die Online-Bestelldienste gar nicht benötigten.

Nach Verbandsschätzungen gibt es deutschlandweit etwa 36.000 Taxiunternehmen mit etwa 180.000 Fahrern. Die wirtschaftliche Situation der Betriebe sei dabei ganz unterschiedlich. Wer Qualität biete, habe auch gut zu tun. Insgesamt sei das Auftragsvolumen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Problem sei aber, dass gleichzeitig auch die Kapazitäten stiegen, was auf die Margen drückt.

Das Gewerbe sei daher umso mehr gefordert, auf die Bedürfnisse der Kunden flexibel zu reagieren, sagt Schmidt. "Sich nur am Bahnhof hinzustellen und auf Fahrgäste zu warten, reicht da nicht." Als Beispiel nennt er den Isarfunk in München, der mittlerweile via App eine Art Sammeltaxi anbietet, wie sie sonst eher in Südeuropa üblich sind. Als Busersatzverkehr gebe es ähnliche Angebote auch schon in zahlreichen mittelgroßen Städten in Zusammenarbeit mit den kommunalen Verkehrsbetrieben.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

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