Breitbandausbau

Das Breitband-Jahr 2015 im Rückblick: Vectoring, Highspeed und Marktkonsolidierung

Kurz vor dem Jahreswechsel blickt onlinekosten.de zurück auf die Entwicklungen des Breitbandmarkts in Deutschland im Jahr 2015. Der Antrag auf Vectoring-Einsatz im Hauptverteiler-Nahbereich, die Frequenzauktion, die Marktkonsolidierung und immer höhere Bandbreiten haben das Jahr geprägt.

GeschwindigkeitDas Breitband-Jahr 2015 war turbulent und vor allem von dem Streit um den Vectoring-Einsatz geprägt.© FotoMak / Fotolia.com

Linden - Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu und unsere Redaktion blickt zurück auf die Entwicklungen im Breitband-Sektor. Ist der Breitbandausbau in diesem Jahr vorangekommen und welche Trends haben die Branche geprägt? Was hat die Frequenzauktion gebracht? Die Surfgeschwindigkeit hat in diesem Jahr noch einmal zugelegt. Insbesondere auf dem Kabel-Markt zeigt sich eine weitere Konsolidierung, der Trend geht hin zu wenigen großen Anbietern.

Telekom mit exklusiver Vectoring-Nutzung im Hauptverteiler-Nahbereich

Für den Aufreger des Jahres hatte die Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl) im Februar gesorgt. Der Bonner Konzern beantragte bei der Bundesnetzagentur die exklusive Vectoring-Nutzung im Nahbereich (rund 500 Meter) um die bundesweit knapp 8.000 Hauptverzweiger. Die Wettbewerber liefen Sturm gegen den Antrag und warnten vor einer Remonopolisierung. Erst Ende November veröffentlichte die Bundesnetzagentur einen Entscheidungsentwurf zum Vectoring-Einsatz. Demnach will die Regulierungsbehörde der Telekom die Nutzung von Vectoring im Nahbereich erlauben. Die Wettbewerber würden nur unter besonderen Hürden und in Ausnahmefällen zum Zug kommen, entsprechend kritisierten sie den Entwurf scharf. Noch bis Mitte Januar 2016 läuft die nationale Konsultationsphase, endgültig entschieden ist somit noch nichts.

Vectoring statt Glasfaser?

Auch im kommenden Jahr dürfte Vectoring den Breitbandmarkt weiter prägen. Zumal die Telekom selbst davon ausgeht, dass sie mit Vectoring noch etliche Jahre den Breitbandbedarf der Kunden abdecken kann. Zunächst erlaubt Vectoring die Realisierung von VDSL-Anschlüssen mit bis zu 100 Mbit/s im Download. Dank Super Vectoring könne das alte Kupferkabel später auf bis zu 250 Mbit/s beschleunigt werden. Weitere Technologien wie G.fast bringen einen weiteren Geschwindigkeitssprung. Die Telekom legte daher in diesem Jahr ihren Fokus nicht auf den Glasfaserausbau bis in die Häuser und Wohnungen (FTTB/H), sondern verlegte Glasfaser vor allem bis zu den Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand. Immerhin gelangen die schnellen Glasfaserleitungen damit ein Stück weit näher an die Endkunden. Zudem stellte die Telekom bis Ende Juni bereits 7,8 Millionen der über 20 Millionen Festnetzanschlüsse auf IP-Technologie um. Bis 2018 soll das komplette Festnetz auf die neue Technologie umgestellt sein.

Frequenzauktion bringt Erlöse von knapp 5,1 Milliarden Euro - Fördermittel für den Breitbandausbau

Im Juni ging die Frequenzauktion mit einem Erlös von insgesamt knapp 5,1 Milliarden Euro zu Ende. Sowohl die Telekom (www.t-mobile.de) als auch Vodafone (www.vodafone.de/handy) und Telefónica (www.o2-online.de/handy) konnten sich jeweils freie Mobilfunkfrequenzen sichern. Die Erlöse gehen an den Bund, die Frequenzen dienen dem weiteren Ausbau des mobilen Internets. Ein Teil der Erlöse fließen in Form von Fördermitteln in den Breitbandausbau. Die Bundesregierung gab Ende August bekannt, dass bis 2018 insgesamt 2,7 Milliarden Euro in den Breitbandausbau investiert werden. Erste Kommunen haben bereits Fördermittel erhalten.

Zahl der Breitbandanschlüsse knackt Marke von 30 Millionen - über zwei Millionen Glasfaseranschlüsse

In diesem Jahr stieg die Zahl der Breitbandanschlüsse laut Branchenverband VATM auf 30,7 Millionen – eine Zunahme um 1,1 Millionen Anschlüsse. Vor allem die Kabelnetzbetreiber können weiter Kunden gewinnen, mit rund 12,7 Millionen Breitband-Kunden (Ende Juni 2015) und einem Marktanteil von 42,1 Prozent dominiert die Telekom den Breitbandmarkt aber weiterhin. Gestiegen ist 2015 auch der Datenverbrauch: Ein Festnetzkunde generiert im Schnitt ein monatliches Datenvolumen von 32 GB.

Die Zahl der Glasfaseranschlüsse kletterte in diesem Jahr erstmals auf über zwei Millionen. Die Kunden sind bei der Nachfrage nach den schnellen Glasfaserleitungen aber noch zögerlich: Erst rund eine halbe Million Haushalte nutzt tatsächlich bereits Glasfaseranschlüsse.

Erste Orte mit Download-Geschwindigkeiten von 400 Mbit/s - Gigabit-Speed ab 2016

Highspeed-Anschlüsse in großer Zahl lassen sich 2015 vor allem über das Kabelnetz realisieren. Anschlüsse mit 100 Mbits/s gehören bei den großen Kabelnetzbetreibern inzwischen zum Standard. Der Provider Vodafone (www.vodafone.de/kabel), der seit dem Herbst die Kabelanschlüsse des übernommenen Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland nur noch unter der eigenen Marke vermarktet, sowie Unitymedia (www.unitymedia.de) bieten schon jetzt an vielen Orten 200 Mbit/s an.

Tele Columbus (www.tele-columbus.de) hält in Potsdam und Jena bereits Download-Geschwindigkeiten von bis zu 400 Mbit/s bereit. Im kommenden Jahr wird es 400 Mbit/s auch bei Unitymedia geben. Vodafone kündigte kürzlich für 2016 sogar Gigabit-Geschwindigkeit im Kabelnetz an. Selbst per LTE sollen dann 500 Mbit/s und mehr möglich sein. Während der Download-Speed rasant zunimmt, hinkte auch in diesem Jahr die Upload-Bandbreite weiter hinterher. Bei den schnellen 200 Mbit/s-Anschlüssen liegt der Upload unter 20 Mbit/s.

Kommt doch noch ein Deal von Vodafone und Unitymedia? - Tele Columbus mit Zukäufen

Das kommende Jahr könnte interessant werden im Hinblick auf die weitere Konsolidierung des Marktes. Im Fokus steht auch hier der Kabelsektor. Erst im Herbst hatten Vodafone und Unitymedia Gespräche über den Austausch von Geschäftsteilen ergebnislos beendet. Doch in diesem Monat hieß es nun, dass die Türen für einen Deal weiter offen seien. Auch eine Fusion beider Kabelriesen ist nicht völlig undenkbar, wenngleich hier die Wettbewerbswächter zustimmen müssten. Tele Columbus, die Nummer drei auf dem Markt, stärkte unterdessen 2015 die eigene Marktposition durch Zukäufe. Nach der Übernahme von primacom im Sommer folgte der Kauf von pepcom.

VDSL zu Aktionspreisen

Werfen wir noch einen Blick auf die Preise für die verschiedenen Breitband-Anschlüsse. Ein klassischer DSL-Anschluss mit bis zu 16 Mbit/s im Download ist bereits zu monatlichen Preisen zwischen knapp 20 Euro und 30 Euro erhältlich. VDSL-Anschlüsse, die zunehmend stärker in den Fokus der Vermarktung gerückt werden, sind im Rahmen von Neukundenaktionen ebenfalls bereits für eine bestimmte Zeit ab rund 20 Euro im Monat nutzbar.

Wer mit 100 Mbit/s surfen möchte zahlt beispielsweise bei der Telekom im Dezember für den Tarif "MagentaZuhause L" in den ersten zwölf Monaten 39,95 Euro statt 44,95 Euro , bei Vodafone fallen für die Doppel-Flat "Internet & Phone 100" zwölf Monate nur 19,99 Euro statt 39,99 Euro an. Sollen es 200 Mbit/s per Kabelnetz sein, so zahlen etwa Unitymedia-Neukunden bei Wahl von 2play Premium 200 neun Monate lang 39,99 Euro statt 49,99 Euro.

Günstige Internet-Tarife finden

Jörg Schamberg

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang