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Bundesregierung startet eigenen YouTube-Kanal

Ab sofort mischt die Regierung auch bei YouTube mit: Auf dem Video-Portal will Kanzlerin Merkel Einblick in den Regierungsalltag geben. Bis Mitte November stellt sie sich Fragen der Netzgemeinde.

Video© Thomas Pajot / Fotolia.com

Der FC Bayern hat ihn und Popstars wie Madonna kommen schon lange nicht mehr ohne ihn aus. Auch die Bundesregierung ist nun mit von der Partie: Seit Mittwoch hat sie ebenfalls einen eigenen Kanal auf YouTube .

Zehn Fragen an Frau Merkel

Regierungssprecher Steffen Seibert, der schon den Kurznachrichtendienst Twitter für Infos an die Öffentlichkeit nutzt, berichtet in einem Video von seiner Arbeit, in anderen Filmen werden aktuelle Themen wie die Schuldenkrise behandelt. Mitte November soll ein 20-minütiges Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Aufmerksamkeit sorgen. Internetnutzer können bis zum 7. November Fragen an die Kanzlerin einsenden und per Klick die zehn besten bestimmen. Die soll Merkel dann im Video beantworten.

Schon dreieinhalb Stunden nach der Freischaltung der neuen Webseite hatten sich 170 Internet-Surfer zu Wort gemeldet. Sie stellten Fragen oder bewerteten Beiträge von anderen. "Warum sind Homosexuelle noch immer nicht vollständig gleichgestellt?", fragte ein Gast. 55 Surfer fanden die Frage gut, 23 waren dagegen, dass Merkel sie beantwortet. Und ein Beitrag zur Schuldenkrise: "Steht der Euro vor dem Aus?" Das stieß auf geteiltes Echo: 20 Nutzer mochten die Frage nicht, 19 fanden sie gut und angemessen.

"Regierung nutzt alle modernen Kommunikationsformen"

Bei der Vorstellung des neuen Kommunikationsangebots wirkte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter doch etwas überrascht über das große Interesse. Eine moderne Regierung nutze eben alle moderne Kommunikationsformen, sagte Streiter - als wollte er sagen, das sei doch selbstverständlich. Videos führen in die Arbeit der Regierung ein oder erläutern politische Themen wie etwa den Euro aus Sicht von Merkel, Schäuble und Kollegen.

Damit setzt die Bundesregierung ihr Werben um angemessene Beachtung im Internet fort - bislang hat unter anderem die Bundeskanzlerin ihre eigene Webseite (www.bundeskanzlerin.de) und ihr Regierungssprecher Seibert nutzt gerne Twitter. So eifrig, dass ihm anfangs schon mal Fehler unterlaufen sind - vor Monaten "zwitscherte" er beispielsweise, Obama (der US-Präsident) habe Tausende Tote auf seinem Gewissen - gemeint war Osama (Bin Laden), der getötete Al-Kaida-Chef.

Auf YouTube hatten zuvor schon mehrere Ministerien ihre eigenen Kanäle, doch wirklich große Beachtung fand das nicht. Während manch skurriles Amateurfilmchen auf der Video-Webseite Hunderttausende oder gar Millionen Klicks bekam, mussten sich beispielsweise die Ministerien für Umwelt, Agrar oder Wirtschaft mit jeweils wenigen Tausend Kanal-Aufrufen begnügen.

"Jetzt führen Sie mich gerade aufs Glatteis"

Das Interview-Format der Regierung auf YouTube ist wohl eine Antwort auf ein generelles Problem behördlicher Netzpräsenz: Denn oft fehlt die bei Netzsurfern so beliebte Möglichkeit zur Interaktion - stattdessen wird der Surfer in einer Art Frontalunterricht über aktuelle Themen informiert. Der YouTube-Auftritt setze auch auf Dialog, betonte Sprecher Streiter. Nach dem Merkel-Interview sollen sich andere Kabinettsmitglieder den Fragen stellen.

Bei der Frage, wie viele Menschen im Bundespresseamt mit der Arbeit an dem Youtube-Auftritt beschäftigt sind, wurde Streiter auf dem falschen Fuß erwischt. "Jetzt führen Sie mich gerade aufs Glatteis", musste er einräumen - und schätzte erst 10, dann 20 Mitarbeiter. Ein paar Minuten später schob er nach: Es sind fünf.

(Christian Wolf)

Quelle: DPA

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