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Bundesnetzagentur nimmt Kabel-Internet ins Visier

DSL dominiert weiter den Breitbandmarkt, Kabel-Internet kommt auf einen Marktanteil von 13 Prozent. Laut dem in Bonn vorgestellten Jahresbericht der Bundesnetzagentur entschieden sich im vergangenen Jahr 50 Prozent der Neukunden für einen Kabelnetzbetreiber.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Premiere für Jochen Homann: Der seit März amtierende neue Präsident der Bundesnetzagentur und Nachfolger des langjährigen Behördenleiters Matthias Kurth präsentierte in Bonn den Jahresbericht der Regulierungsbehörde (PDF) für das vergangene Jahr. Die Netzagentur ist unter anderem zuständig für die Kontrolle des Telekommunikationsmarktes und die Regulierung der Deutschen Telekom.

DSL dominiert weiter, Kabel legt zu

Das Thema Breitbandversorgung prägte das vergangene Jahr. Ende 2011 verzeichnete die Netzagentur rund 27,3 Millionen Breitbandanschlüsse. Der Löwenanteil entfiel mit einem Anteil von 86 Prozent bzw. insgesamt 23,4 Millionen Anschlüssen dabei auf die DSL-Technologie.

Von den etwa 3,8 Millionen restlichen Anschlüssen wurden circa 3,6 Millionen von den Kabelnetzbetreibern realisiert, die damit bei den Breitbandanschlüssen auf einen Marktanteil von 13 Prozent kommen. Rund 50 Prozent der Breitband-Neukunden entschied sich zum Ende des vergangenen Jahres für einen Breitbandzugang per Kabel. Eine kaum nennenswerte Verbreitung stellt die Bonner Behörde dagegen für Glasfaseranschlüsse fest.

Netzagentur drängt auf Vorleistungsprodukte im Kabel

Über die Wettbewerber der Deutschen Telekom werden rund 55 Prozent der Breitbandanschlüsse vermarktet. Das schnelle Wachstum der Kabelnetzbetreiber wird auch bei der Netzagentur aufmerksam registriert und wirft Fragen nach der künftigen Gestaltung der Regulierung auf. Homann appellierte an Kabel Deutschland, Unitymedia & Co. auf freiwilliger Basis Vorleistungsprodukte in den Kabelnetzen anzubieten. Das Thema werde in diesem Jahr auch das NGA-Forum beschäftigen, in dem die Verbände und Provider der Branche sich über die Zukunft des Breitbandmarktes austauschen. Die Kabelnetzbetreiber wollen aber so schnell keine Konkurrenz in ihre Netze lassen: Anfang März sprach sich Unitymedia-Chef Lutz Schüler gegen eine Öffnung des Kabels aus.

Deutschland befindet sich hinsichtlich der Breitbandpenetration, also der Abdeckung mit Breitbandanschlüssen bezogen auf die Bevölkerung, mit 32,7 Prozent über dem Durchschnitt der EU-Mitgliedsstaaten. Innerhalb der EU liegt die Breitbandabdeckung im Schnitt bei 27,2 Prozent. Ein Stadt-Land-Gefälle solle bei der Versorgung mit Breitbandanschlüssen in Deutschland möglichst vermieden werden. Daher hatte die Bundesnetzagentur die vorrangige Beseitigung "weißer Flecken" beim LTE-Ausbau zur Bedingung gemacht. "Ich rechne damit, dass in Kürze in Sachsen als erstem ostdeutschen Bundesland die Versorgungsauflage im 800-MHz-Bereich erfüllt sein wird", zeigt sich Homann optimistisch.

Telefonie per Handy ersetzt zunehmend die Festnetztelefonie

Die Netzagentur geht in ihrem Jahresbericht auch auf die Entwicklung im Mobilfunksektor ein. Der Zuwachs um neue Teilnehmer gehe deutlich langsamer voran. Kamen zwischen 2005 und 2008 knapp 28 Millionen neue SIM-Karten hinzu, kletterte deren Zahl zwischen Ende 2008 bis Ende 2011 lediglich um knapp sieben Millionen. Insgesamt erreichte die Zahl der Mobilfunkteilnehmer in Deutschland über 114 Millionen SIM-Karten-Nutzer. Dabei ist zu beobachten, dass die Festnetztelefonie zunehmend durch Telefonie per Handy ersetzt wird. Im vergangenen Jahr erhöhte sich das Volumen der abgehenden Gespräche um circa 5 Prozent auf 107 Milliarden Minuten.

(Jörg Schamberg)

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