Erhebliche Nachbesserungen erforderlich

BUGLAS: Glasfaserausbau muss bei Vectoring-Enscheidung berücksichtigt werden

Nach BREKO und VATM fordert auch der Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) erhebliche Nachbesserungen im bisherigen Vectoring-Regulierungsentwurf. Der Glasfaserausbau sei bislang völlig unberücksichtigt worden.

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Köln – In der vergangenen Woche hatten die Verbände BREKO und VATM den Ende 2015 vorgelegten Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur zum exklusiven Vectoring-Einsatz der Telekom im Hauptverteiler-Nahbereich noch einmal scharf kritisiert und Nachbesserungen gefordert. Der BREKO schloss auch eine Verfassungsbeschwerde nicht aus. Am heutigen Montag ist der aktuelle Vectoring-Regulierungsentwurf Thema in der Sitzung des Beirats der Bundesnetzagentur. Der Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) meldete sich nun ebenfalls zu Wort und sieht erhebliche Nachbesserungen des Entwurfs als "unabdingbar" an.

BUGLAS: Vectoring entzieht weiterem Ausbau von FTTB/H-Netzen die wirtschaftliche Grundlage

Der Verband kritisiert vor allem, dass der bereits erfolgte und geplante Glasfaserausbau bis in die Gebäude bzw. Haushalte (FTTB/H) im Entscheidungsentwurf nicht berücksichtigt werde. "Diese Technologie ist der Vectoringtechnologie in jeder Hinsicht überlegen und allein langfristig zukunftsfähig. Durch den Einsatz von Vectoring würde dem Betrieb und erst recht dem weiteren Ausbau von FTTB/H-Netzen die wirtschaftliche Grundlage entzogen", erklärt BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer. FTTB/H müsse jedoch zwingend berücksichtigt werden, ansonsten entwerte der Vectoring-Einsatz in FTTB/H-Gebieten bisherige Investitionen.

Drastische Schlechterstellung der Wettbewerber gegenüber der Telekom

Der Infrastrukturwettbewerb in Deutschland sei gefährdet. "Der vorliegende Konsultationsentwurf der Bundesnetzagentur birgt nach unserer Auffassung erhebliche Gefahren für den nachhaltigen Netzausbau mit FTTB/H-Netzen und den Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt insgesamt", betont Heer. Wettbewerbern könne die Telekom den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung innerhalb der Nahbereiche der Hauptverteiler zur Einspeisung von VDSL-Signalen verweigern bzw. bestehende Zugänge kündigen.

Dagegen können sich Wettbewerber kaum wehren, es sei denn sie hätten mehr als fünfzig Prozent der Kabelverzweiger im Anschlussbereich des jeweiligen Hauptverteilers mit DSL-Technik sowie zudem mehr Kabelverzweiger als die Telekom erschlossen. Da diese hohen Hürden nur für die Wettbewerber gelten, sieht Heer "eine drastische Schlechterstellung der Wettbewerber gegenüber dem Incumbent". Ein chancengleicher Wettbewerb sei damit nicht gegeben.

Der BUGLAS kritisiert zudem die Festlegung des Stichtags 23. November 2015 zur Ermittlung der Ausbaumehrheit. "Hierdurch werden die sich de facto im Wandel befindlichen Wettbewerbsverhältnisse zementiert. Erschwerend kommt hinzu, dass auch bereits fest geplante Ausbauvorhaben der Wettbewerber unberücksichtigt gelassen werden" so der BUGLAS-Geschäftsführer. "Gerade die verbindlichen Eintragungen von Wettbewerbern in der Vectoring-Liste müssen unseres Erachtens in jedem Fall berücksichtigt werden, da ansonsten der Infrastrukturwettbewerb de facto ausgebremst wird."

BUGLAS legt Alternativvorschlag vor

Der Verband hält einen Alternativvorschlag bereit: In Anschlussbereichen, in denen bereits ein nachhaltiger Ausbau erfolgt sei, solle das ausbauende Unternehmen bei Abgabe einer entsprechenden Investitionszusage das Recht erhalten, den Nahbereich selbst mit Vectoring oder einer höherwertigen Anschlusstechnologie zu erschließen.

Der BUGLAS bezweifelt auch den Exklusivitätsanspruch der Telekom auf den Vectoringeinsatz. "Wie auch immer die Entscheidung der Bundesnetzagentur ausfällt – die Argumentation der Telekom, ohne die Exklusivität des Ausbaus könne sie die vorgelegte Investitionszusage aus wirtschaftlichen Gründen nicht aufrechterhalten, weisen wir zurück“ stellt Heer klar. "Aus der freiwilligen Investitionszusage lässt sich kein Anspruch darauf ableiten, dass ihr Vorhaben durch den Regulierer zu Lasten der Wettbewerber wirtschaftlich abgesichert wird." Dem BUGLAS sei vor allem ein faires Verfahren wichtig. Dieses sei aber nur mit erheblichen Veränderungen in der Regulierungsverfügung erreichbar.

Jörg Schamberg

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