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Breitband-Extender bringen Internet aufs Land

Die DSL-Landkarte zeigt noch viele weiße Flecken, die nicht mit schnellem Internet versorgt werden können. 2,9 Millionen Haushalte sind bundesweit betroffen. Doch es gibt noch Hoffnung: Breitband-Extender könnten die DSL-Reichweite auf mehr als zehn Kilometer erhöhen.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com
Lahme DSL-Leitungen sorgen nicht nur für Ärger, sie können für Unternehmen sogar den wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Die deutsche DSL-Landkarte zeigt noch viele weiße Flecken, die nicht mit DSL versorgt werden können. Bundesweit sind 2,9 Millionen Haushalte betroffen. Das Problem: In zahlreichen ländlichen Regionen muss das DSL-Signal zu lange Strecken zurücklegen. Es wird immer schwächer, je länger es auf der Leitung unterwegs ist. Ein Ausbau ist der Telekom in den meisten Fällen zu teuer, trotzdem können einige DSL-Ausgeschlossene noch hoffen.

ADSL-Extender sollen helfen

Im vergangenen März berichtete onlinekosten.de über die neue Technik Interference Cancellation (IFC), mit der künftig rund 15 bis 20 Prozent mehr Reichweite erzielt werden könnten. Während die IFC-Technik aber noch längst nicht marktreif ist, wurde die Entwicklung einer weiteren Technik bereits abgeschlossen. So genannte ADSL-Extender lassen vor allem Einwohner ländlicher Gemeinden hoffen, in denen Kupferleitungen verlegt sind.

Die ADSL-Extender, oft auch als Breitband-Extender bezeichnet, könnten dort künftig eine maximale DSL-Reichweite von mehr als zehn Kilometern erzielen. Die neue Technik stammt aus Ungarn. Entwickelt hat sie das mittelständische Unternehmen 77 Elektronika Kft., deren Firmensitz sich in Budapest befindet. Im vergangenen Jahr wurde die technische Bewertung der ADSL-Extender abgeschlossen, derzeit verhandelt das Unternehmen mit Telekommunikationsanbietern weltweit über die kommerzielle Vermarktung - auch mit der Deutschen Telekom AG. "Der nächste Schritt wird sein, die Marktzulassung in Deutschland zu bekommen", erläutert János Hatvani-Szabó, Verkaufsleiter bei 77 Elektronika.

Extender wandeln Signale um

Doch was kann die neue Technik überhaupt leisten? Die Breitband-Extender arbeiten nicht als reine Repeater, sie modellieren das einkommende ADSL-Signal um, so dass die DSL-Reichweite dadurch verbessert wird. Um die Funktionsweise besser zu veranschaulichen, ist es wichtig zu verstehen, wo genau die ADSL-Extender im Netz platziert werden. Ein "gewöhnlicher" Schaltplan sieht vor, dass die Sprachdaten von den Internetdaten durch einen im DSLAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) integrierten Splitter getrennt werden, bevor sie ins weltweite Datennetz laufen. Genau dasselbe geschieht beim ADSL-Nutzer zu Hause: Ein Splitter trennt die niederfrequenten Telefoniedaten von den hochfrequenten Internetdaten und schickt sie so auf den Weg zum DSLAM, der die Daten innerhalb der Vermittlungsstelle wieder voneinander trennt.

Signale mit mehr Reichweite

Beide Splitter bleiben bei der Lösung von 77 Elektronika erhalten. Die Reichweitenerhöhung spielt sich innerhalb der Kabelstrecke von Splitter zu Splitter ab. Vor den Splitter in der Vermittlungsstelle wird ein neuer Kasten geschaltet, in dem die so genannten "ADSL Extender Central Units" ihren Platz finden. Die ADSL Extender Central Units modellieren das ADSL-Signal in ein G.SHDSL.bis-Signal (Symmetric High Bit Rate Digital Subscriber Line) um.

Die Vorteile: G.SHDSL.bis besitzt bessere Übertragungseigenschaften als ADSL, ist weniger störanfällig und bringt zudem eine höhere Reichweite mit sich. Die Daten laufen im umgewandelten Zustand weiter, bis sie an der so genannten "ADSL Extender RU" (RU = Remote Unit) ankommen. Dort werden sie von G.SHDSL.bis in ADSL zurück modelliert und auf die Wege zu den Splittern bei den einzelnen Kunden der DSL Anbieter geschickt. Außerdem ist es möglich, zwischen Central Unit (CU) und Remote Unit (RU) einen Repeater zu schalten, der die G.SHDSL.bis-Signale "auffrischt".



Ohne den Einsatz eines Repeaters kann die Extender-Technik zwischen CU und RU maximal 5,1 Kilometer überbrücken, wenn man von einer 0,4 Millimeter dicken Kupfer-Doppelader ausgeht. Und das bei einer Datenrate von symmetrischen 2300 Kilobit pro Sekunde je Kupfer-Doppelader. Mit dem Repeater verdoppelt sich die Distanz. Nach der RU darf das Kabel weitere zwei Kilometer lang sein, wodurch sich eine maximale Reichweite von satten zwölf Kilometern ergibt. Zum Vergleich: Ohne Extender-Technik ist zwischen drei und fünf Kilometern Schluss mit ADSL.

Reichweite verdoppelt

Natürlich sind die Maximalwerte theoretisch, da bei diesen Werten die Nebensprechstörungen außer acht gelassen wurden. Diesen Störungen könnte es aber mit der IFC-Technik künftig auch an den Kragen gehen. Bis IFC marktreif ist, liegen die maximalen Reichweiten, die allein mit den ADSL-Extendern erzielt werden können, daher nach realistischen Gesichtspunkten unter den angegebenen zwölf Kilometern, aber immer noch im zweistelligen Bereich. Neben der Reichweitenerhöhung beherrschen die Extender zudem Multiplexing - dadurch können mit nur zwei Kupfer-Doppeladern zwischen vier und acht Kunden versorgt werden.

Der Nachteil: Nutzen viele der mit DSL angeschlossenen Haushalte ihre Breitbandverbindung gleichzeitig, geht die Übertragungsgeschwindigkeit in die Knie. Die ungarischen Entwickler sind aber mehr als zuversichtlich, dass die ADSL-Extender künftig überall auf der Welt eingesetzt werden. "Die DSL-Reichweitenbegrenzung ist ein Problem für alle Internetanbieter weltweit, wir rechnen mit einer sehr hohen Nachfrage für unser Produkt", verrät Hatvani-Szabó.

Weltweite Tests

Die ADSL-Extender werden derzeit von verschiedenen Anbietern getestet, unter anderem von der Deutschen Telekom, der France Telekom in Frankreich, der British Telecom in Großbritannien, der Polish Telekom in Polen, der OTE in Griechenland und der Magyar Telekom in Ungarn. Auch in Irland, Guatemala, Nicaragua, El Slavador, Vietnam, Thailand, und Kenia finden Tests statt. Die ADSL-Extender wurden dort bereits in das Telekommunikationsnetz integriert und nun bis zu vier Monate genau unter die Lupe genommen. Die Kosten pro Extender beziffert der Hersteller auf 170 bis 190 Euro. "Der Preis kann aber noch sinken, wenn die Nachfrage sich entsprechend gut entwickelt", sagt Hatvani-Szabó. Die Resonanz ist laut Unternehmen bisher mehr als gut: Künftig sind weitere technische Testläufe in Begien, Kroatien, Slowenien, Italien, Argentinien und Uruguay geplant.

(Michael Müller und Denise Bergfeld)

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