News

Breitband 2010: DSL, Kabel und Satellit im Rückblick

Wie entwickelte sich der deutsche Breitbandmarkt im Jahr 2010? Highspeed-Internet, sinkende Preise, Übernahmen, die Frequenzauktion und LTE dominierten das Breitbandjahr. Onlinekosten.de blickt zurück.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Das Jahr 2010 geht zu Ende, Gelegenheit einen Blick zurück zu werfen auf die Entwicklungen am deutschen Breitbandmarkt. Im Januar versprach Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, dass Breitband-Internet 2010 flächendeckend aufs Land kommt – teils stünden zunächst nur maximal 1 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zur Verfügung. Die Vorgabe ließ sich jedoch nicht halten. Auch die EU-Kommission setzte sich im März ein ehrgeiziges Ziel und will Breitband für alle Europäer bis 2013 realisieren. Was hat sich in diesem Jahr beim Breitbandausbau getan? Ist die Konsolidierung des Marktes vorangekommen? Onlinekosten.de hat die Schlagzeilen der letzten zwölf Monate zu Breitband per DSL, Kabel und Satellit gesichtet und die wichtigsten Entwicklungen zusammengefasst.

Kabel-Internet punktet mit hohen Bandbreiten

Besonders die Kabelnetzbetreiber sorgten in diesem Jahr für Bewegung auf dem Breitbandmarkt. Brüssel gab Ende Januar grünes Licht für die Übernahme von Unitymedia durch Liberty Global. Der US-Kabelkonzern forcierte die Modernisierung der Unitymedia-Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie die Umrüstung auf den Breitbandübertragungsstandard EuroDOCSIS 3.0, der im Laufe des Jahres Internet-Bandbreiten von bis zu 128 Mbit/s in vielen Regionen ermöglichte. Kabel BW erreichte im Mai in seinem Netz in Baden-Württemberg eine nahezu flächendeckende Internet-Versorgung mit bis zu 100 Mbit/s, Kabel Deutschland bietet in fast einem Dutzend Städten, darunter Hamburg, München, Hannover und Berlin, Highspeed-Internet mit 100 Mbit/s an. Mit ihren schnellen und relativ günstigen Internetpaketen in Kombination mit Telefonie und Digital-TV über das Kabelnetz konnten sich die Kabelnetzbetreiber in diesem Jahr deutlich von der DSL-Konkurrenz absetzen und viele Neukunden gewinnen. Kabel Deutschland wagte den Gang an die Börse. Im Februar forderte die Telekom eine Regulierung der Kabelnetze. Die Bundesnetzagentur lehnte eine solche jedoch ab, da der Anteil der Kabelnetzbetreiber am gesamten Breitbandmarkt mit etwas über zehn Prozent immer noch relativ niedrig ist. Insgesamt kommt Deutschland in diesem Jahr auf rund 25 Millionen Breitbandanschlüsse.

DSL-Boom ist vorüber – VDSL-Ausbau kommt nur langsam voran

Der große Boom der DSL-Provider ist weitestgehend vorbei: die Zahl der DSL-Neukunden stagniert oder nimmt nur noch mit erheblich gebremstem Tempo zu. Wo der Ausbau mit DSL zu teuer ist, sollen Mobilfunk- und Richtfunklösungen geprüft werden, hieß es Mitte Januar in der DSL-Ausbaustrategie der Telekom für 2010. Im März stellte die Telekom dann ihre Vision von der Gigabit-Gesellschaft vor. In diesem Jahr begann der Bonner Konzern mit der Verlegung von Glasfaserleitungen bis zum Endkunden. Im Rahmen eines Anfang Dezember gestarteten Telekom-Pilotprojektes testet eine Dresdner Familie Gigabit-Internet. Bereits im November hatte Kabel Deutschland in Hamburg einen Test von Internet mit 1.000 Mbit/s durchgeführt.

Schnelles Breitband per VDSL hat sich auch in diesem Jahr noch nicht großflächig durchsetzen können. Glasfaser gilt zwar als Technologie der Zukunft, doch bis Ende dieses Jahres werden nur rund 650.000 Haushalte per Glasfaser erschlossen sein. Dennoch gibt es Fortschritte. Im Juni brachte die Telekom VDSL erstmals in eine Kleinstadt. Zudem startete Vodafone den VDSL-Ausbau in 750 Städten. Doch Vodafone VDSL steht derzeit nur Kunden zur Verfügung, die in unmittelbarer Nähe eines mit VDSL-Technologie aufgerüsteten Hauptverteilers wohnen. Auch regionale Anbieter treiben den Breitband-Ausbau voran. EWE-TEL versorgt weiße Flecken mit VDSL 50, der Münchener Provider M-net bringt VDSL auch in kleine Gemeinden.

Weiter auf Seite 2: Tarife der DSL-Provider wurden flexibler und günstiger

Mehr Breitband für ländliche Gemeinden erhofften sich viele Internetsurfer auch von der im Frühjahr durchgeführten Frequenzauktion. Unter anderem soll auch die sogenannte Digitale Dividende für mobile Breitbanddienste verfügbar werden. Die bei der Frequenzauktion erfolgreichen Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone und o2 bereiten seitdem mit Hochdruck den LTE-Start vor, den Mobilfunkstandard der vierten Generation, der auch hohe Internet-Bandbreiten ermöglicht. LTE wird aber erst im Laufe des kommenden Jahres für eine größere Anzahl Kunden verfügbar.

Alice-Übernahme, Abschied von T-Home und Vodafone-Jubiläum

Bei den DSL-Anbietern gab es in diesem Jahr außerdem eine größere Übernahme, die für Aufsehen sorgte: Seit Mitte Februar gehört Hansenet und die DSL-Marke Alice zu Telefónica o2 Germany. Der 900 Millionen Euro-Kauf lohnte sich, o2 profitierte von einem Neukundenboom durch die Alice-Übernahme. Laut der TK-Studie 2010 des Branchenexperten Torsten J. Gerpott und des VATM dominiert die Telekom jedoch weiterhin den DSL-Markt.

Die Deutsche Telekom hat zudem im Frühjahr ihre Marken T-Home und T-Mobile unter einem Dach vereint, seitdem steht bei der Telekom das 'T' im Fokus. Noch bis Mitte Januar 2011 lockt die Telekom Neukunden mit einem Online-Vorteil von 10 Prozent auf die monatliche Grundgebühr bei Call&Surf- sowie Entertain-Produkten.

Der Mobilfunknetzbetreiber und Festnetzanbieter Vodafone feierte 2010 sein zehnjähriges Jubiläum mit besonderen Aktionen. Je nach gewähltem Produkt gewährt Vodafone Neukunden aktuell je nach Produkt immer noch einen Paketpreisvorteil von bis zu 240 Euro. Dauerhaft zum Preis von 24,95 Euro ist nun das Paket Vodafone DSL Classic Paket mit Doppel-Flat erhältlich.

Neue Tarife, VDSL und Hardware-Schmanckerl bei 1&1, Versatel, Alice & Co.

Auch Konkurrent 1&1 überraschte in diesem Jahr mit neuen Tarifen: Neben Doppel-Flats auf Basis von DSL 6000, DSL 16000 und DSL 50000 führte der Provider aus Montabaur die 1&1 Surf & Phone Flat Spezial mit DSL 16000 ab 19,99 Euro ein. Neukunden spendierte der DSL-Anbieter in diesem Jahr entweder Startguthaben oder aktuell wahlweise das 1&1 Smartpad oder eine gratis Notebook-Flat. Der Düsseldorfer Telekommunikationskonzern Versatel überarbeitete im Frühjahr die eigene Tarifstruktur und hält seitdem die drei DSL-Komplettpakete Pure, Plus und Premium ab 29,90 Euro bereit. Die Telekom-Tochter congstar erhöhte die Bandbreite ihrer beiden Komplettpakete standardmäßig auf DSL 16000. Ab September startete Alice drei Komplettpakete mit VDSL-Speed. Für Neukunden vorteilhaft: Die Aktionspreise beispielsweise für Alice Light Speed mit VDSL 50 für 24,90 Euro monatlich gelten dauerhaft während der ganzen Vertragslaufzeit.

Ein weiterer Trend in diesem Jahr: Die Tarifangebote der Provider werden flexibler. Nach congstar und Alice bieten auch o2 und 1&1 DSL ohne Laufzeit an. Zudem haben immer mehr Anbieter die Zeichen der Zeit erkannt und setzen auf mehr Service, etliche Provider haben inzwischen kostenlose Hotlines eingerichtet.

Weiter auf Seite 3: Highspeed-Internet, HDTV, Sat-Internet und Ausblick auf 2011

Die Kabelnetzbetreiber konnten in diesem Jahr in ihren modernisierten Kabelnetzen mit hohen Bandbreiten zum kleinen Preis trumpfen. Kabel Deutschland bietet die doppelte DSL-Geschwindigkeit mit seinem Paket Internet & Telefon 32 ein Jahr lang ab 19,90 Euro, Unitymedia hält 2play 32.000 oder 3play 32.000 ab 25 Euro bereit. Bei Kabel BW ist der Tarif CleverKabel 100 mit bis zu 100 Mbit/s zwölf Monate lang für 29,90 Euro erhältlich. Und auch Tele Columbus senkte die Tarife für Internet und Telefon.

HDTV nimmt an Fahrt auf

Neben hohen Surfgeschwindigkeiten gewinnt aber auch hochauflösendes Fernsehen an Bedeutung. Schwung erhielt HDTV durch Großereignisse wie die Winterolympiade im Februar sowie die Fußball-WM im Sommer. Pay-TV und HDTV in den Kabelnetzen soll das klassische Kabelfernsehgeschäft attraktiver machen. Denn während die Kabelnetzbetreiber einen Wachstum bei Internet- und Telefonieprodukten verzeichnen, geht die Zahl der Kabelfernsehkunden zurück. Führender Anbieter von HDTV ist zum Ende dieses Jahres Kabel BW mit 27 HD-Sendern. Auch mit entsprechender Hardware versorgen die Anbieter ihre Kunden. Im September führte Kabel Deutschland einen digitalen HD-Videorecorder ein. Im November machte ein Update aus der Unitymedia HD Box einen HD Recorder. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Pay-TV-Sender Sky bündelt Kabel BW im Paket CleverKabel 50 Sky eine Doppel-Flat mit Sky-Paketen ab 39,90 Euro im Monat.

Sat-Internet wird erschwinglicher

Neben DSL und Kabel versuchten in diesem Jahr aber auch Anbieter von Internet per Satellit mit besonderen Aktionen verstärkt Neukunden zu gewinnen. Bei Filiago gibt es Sat-Hardware zum Nulltarif, zudem packt der Anbieter HDTV und VoIP in das für 49,95 Euro monatlich erhältliche Paket. Im November senkte auch skyDSL den Sat-Internet-Tarif skyDSL 3500+ dauerhaft auf 49,90 Euro. Und auch onlinekosten.de nahm das Breitband aus dem All im Sommer mit einem Test von satspeed Tooway Internet per Satellit näher unter die Lupe. Die Bandbreiten von Sat-Internet sind derzeit noch relativ bescheiden, maximal rund 4 Mbit/s sind für Privatkunden zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Doch mehr Speed soll es ab dem kommenden Jahr geben. Kurz nach Weihnachten hat Eutelsat einen neuen Ka-Sat-Satelliten ins All geschossen, der ab April 2011 seinen Betrieb aufnehmen und Download-Bandbreiten von bis zu 10 Mbit/s ermöglichen soll. Dennoch ist Internet über Satellit vor allem als Alternative für DSL-unversorgte ländliche Gemeinden gedacht.

2011: LTE startet – Breitband endlich für alle?

Es bleibt der Ausblick auf das kommende Jahr 2011: Mehr und mehr Regionen werden Anschluss an das schnelle Internet erhalten, LTE wird sich in der Praxis bewähren müssen. Die Nachfrage nach hohen Bandbreiten wird steigen, da HDTV, Videos in HD auf Portalen wie YouTube, Video on Demand und weitere Dienste einen hohen Datentraffic verursachen. Der Trend hin zu umfangreichen Bündelprodukten, die neben einer Doppel-Flat für Internet und Telefon auch noch mobiles Internet, TV oder Mobilfunk einschließen, wird sich fortsetzen. Und schließlich wird sicher auch die in diesem Jahr breit diskutierte Netzneutralität auch im kommenden Jahr Thema sein: Kommt das 'Zweiklassen-Internet' mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten für die Übertragung von Daten? Auch 2011 wird wieder ein spannendes Breitband-Jahr.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Community
Zum Seitenanfang