Topmanager des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner stehen laut "Financial Times" unter dem Verdacht, sich mit Aktienkäufen illegal bereichert zu haben. Die Betroffenen hätten zwischen Februar und Juni 2001 Aktien des fusionierten Medienkonzerns verkauft und dadurch fast 500 Millionen Dollar verdient. Gleichzeitig habe das Management aber wiederholt betont, die nach der Bekanntgabe der Fusion im Januar 2000 formulierten Umsatz- und Gewinnziele könnten erreicht werden. Die Vorwürfe richteten sich dabei auch gegen AOL-Gründer Steve Case und den jetzigen Vorstandschef Richard Parsons.
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den in der vergangenen Woche eingeräumten Bilanztricks interessiere sich die US-Börsenaufsicht SEC nun auch für die auffällig postiven Unternehmensmeldungen zur Zeit der Aktienverkäufe und ihre möglichen Profiteure. Allerdings sei unklar, ob die Manager zum Zeitpunkt der Wertpapierverkäufe am Erreichen der Unternehmensziele zweifelten, die dann erst nach den Terroranschlägen des 11. September revidiert wurden. Ebenfalls nicht geklärt sei, ob die Manager über mögliche Bilanztricks informiert waren. AOL Time Warner hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, dass der Umsatz des Internet-Anbieters AOL zwischen Herbst 2000 und dem Sommer 2002 möglicherweise um 49 Millionen Dollar aufgeblasen wurde.
AOL-Gründer Case soll der Zeitung zufolge über die Aktienverkäufe 100 Millionen Dollar verdient haben, Parsons 21 Millionen Dollar. Der zurückgetretene Top-Manager Robert Pittmann nahm demnach 66 Millionen Dollar ein. Der Medienunternehmer Ted Turner als einer der Großaktionäre von AOL habe 177 Millionen Dollar durch den Verkauf eines Teils seiner Aktien verdient. Die Aktienverkäufe sind der Zeitung zufolge auch Gegenstand einer Sammelklage über die New Yorker Anwaltsfirma Berger & Montague vom 19. Juli.
Peter Giesecke
/ afp