Freitag, 16.08.2002 15:14

Staatsanwälte ermitteln gegen Deutsche Telekom

aus dem Bereich ISDN/Analog

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In den Streit um überhöhte Telefonrechnungen der Deutschen Telekom hat sich jetzt die Bonner Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug, bestätigte eine Justizsprecherin. Das Verfahren sei nach Presseberichten über den Fall eingeleitet worden. Die Telekom wies die Anschuldigungen zurück. Hintergrund ist der Vorwurf der Telefonkundengemeinschaft Communitel, die Telekom habe falsche Rechnungen in großem Stil ausgestellt. Communitel will seine eigene angedrohte Klage gegen die Telekom nun überdenken.

Ein Gutachter für Communitel hatte vor einigen Wochen den Verdacht gegen die Telekom bestätigt und in der Presse gesagt: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist jede Telefonrechnung in Deutschland um 20 Prozent zu hoch." Er hatte im Auftrag von Communitel rund 100 Millionen Rechnungsdaten überprüft. Die Telekom hatte dagegen von einem "Auftragsgutachten" gesprochen. Auch am Freitag wies ein Sprecher des Bonner Unternehmens die Vorwürfe zurück.

Die Berichte über Communitel und den Gutachter waren für die Bonner Staatsanwaltschaft Anlass, nun eigenständig aktiv zu werden. Ermittelt werde seit rund zwei Wochen, das Verfahren befinde sich noch im Anfangsstadium, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Ein Sprecher von Communitel sagte auf Anfrage, die Ermittlungen seien ein Zeichen dafür, dass sich der Fall nicht nur auf Communitel beschränke. "Es geht um ein allgemeines Problem." Communitel habe seine angedrohte Anzeige gegen die Telekom noch nicht gestellt. Dieser Schritt müsse nun angesichts der aktuellen Entwicklung von den Anwälten überprüft werden.

Communitel wirft der Telekom vor, seit Jahren über Abrechungsfehler zu Lasten der Telefonkundengemeinschaft Bescheid zu wissen, diese aber zu ignorieren. Communitel verwaltet als Einkaufsgemeinschaft nach eigenen Angaben 15.000 Telefonanschlüsse bei Hotelketten, Verbänden, Krankenhäusern und anderen Unternehmen. Dem Unternehmen zufolge ergab eine Untersuchung von 100 Millionen Datensätzen aus den Jahren 1999 bis 2001 Rechnungsfehler zu Lasten von Telekom-Kunden "in Höhe von 'zig Millionen Mark".

Sven Wagenhöfer / afp
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