Das Bundeskartellamt hat das Verbot des Verkaufs der Telekom-Kabelnetze an den US-Konzern Liberty Media mit drohenden Nachteilen für die Verbraucher begründet. Wegen der sich verstärkenden Marktstellung auf den deutschen Kabelmärkten stelle sich die Wettbewerbssituation bei einer Übernahme durch Liberty "für die Verbraucher insgesamt schlechter dar, als wenn die Deutsche Telekom vorerst Eigentümer des Netzes bleibt", erklärte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Die Telekom kündigte an, einen neuen Käufer für die milliardenteuren Kabelnetze zu suchen.
Liberty wollte der Telekom für 5,5 Milliarden Euro ihre sechs verbleibenden Kabelnetze mit über zehn Millionen Kunden abkaufen. Der Telefonkonzern muss nun befürchten, dass er seine Schulden nicht wie geplant abbauen kann. Das Bundeskartellamt hatte Liberty schon Ende Januar eine Abmahnung erteilt.
Telefon und Internet über das Kabel war nicht gewollt
Als Voraussetzung, damit der Deal doch noch durchgehen könnte, hatte die Behörde von Liberty einen schnellen Ausbau der Kabelnetze auch für die Nutzung des Internet und für Telefongespräche gefordert. Dies hatte das US-Unternehmen abgelehnt, das damit dadurch zu einem Konkurrenten der Telekom geworden wäre. Eine Ministererlaubnis, um das Kartellamtsveto zu umgehen, will Liberty nicht beantragen.
Die Telekom werde nun Ausschau nach neuen Interessenten halten, sagte ein Telekom-Sprecher. Bisher sei dies nicht möglich gewesen, weil mit Liberty exklusive Verhandlungen vereinbart gewesen seien. "Wir wollen das Kabel weiter verkaufen, das steht weiter auf der Verkaufsliste", bekräftigte der Firmenvertreter. Ob ein Verkauf noch in diesem Jahr erfolgen könnte, ließ das Unternehmen offen. "Wir beginnen praktisch neu", sagte der Sprecher. "Man muss sehen, wie sich das entwickelt."
Kommt der Verkauf nicht mehr in diesem Jahr zustande, kann die Telekom ihr Ziel kaum mehr einhalten, ihre Schulden wie geplant bis Ende Dezember von 65 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro zu senken. Die Milliarden aus den Kabelnetzen waren dafür fest eingeplant.