Digitale Musikgeräte sind deutlich im Kommen. Kaum ein Unternehmen des Consumer-Electronic-Bereichs, das nicht einen der kleinen MP3-Spieler im Angebot hat oder seinen bestehenden Discman-Modelle auch eine MP3-Funktion spendiert. Auch der beliebte Handyhersteller Nokia hat jetzt eines dieser Geräte im Angebot, das speziell auf Nokia Handys abgestimmt ist und zusätzlich noch eine UKW-Radio-Funktion enthält. Im Handel ist der "HDR-1" zusammen mit einem Nokia 3330 für 899 Mark oder solo für 549 Mark erhältlich. Ein Bundle mit einem 3330 erhielten wir nun von Nokia zu einem ausgiebigen Test.
Das Gerät und seine Komponenten
Klein und handlich präsentiert sich der Music Player. In einer gefälligen blauen Farbe gehalten und mit einer auffälligen Form spricht er auch das Auge an und lädt dank geringen Gewichts zum Tragen an Hemd, Pullover oder Revers ein. Der beigelegte Kopfhörer erzeugt einen guten Klang, und auch bei Passagen mit extrem lauter oder leiser Lautstärke macht er nicht schlapp. Das Kabel ist lang genug, um den Player auch in der Hosentasche tragen zu können. Dort kann aber auch das Handy stecken, dient der Player doch gleichzeitig als Freisprecheinrichtung, die auch im ausgeschalteten Zustand funktioniert. Dies ist auch bitter nötig, hält der HDR-1 doch nur knapp fünf Stunden mit einer Batterieladung durch.
Die Bedienung
Mit nur wenigen Tasten auf der Oberfläche kommt das Gerät bestens aus. Die Tasten zum Vor- bzw. Zurückspulen dienen gleichzeitig zur Auswahl des Songtitels und der Frequenz im Radiobetrieb. Play und Stop werden ebenfalls von nur einer Taste abgedeckt. Die vierte Taste dient zur Annahme von eingehenden Anrufen, sollte der Player mit dem Handy verbunden sein. An den Geräteseiten befinden sich neben dem Lautstärkeregler noch eine Taste mit der Hold-Funktion. Ist diese aktiviert, reagiert der Player auf keine anderen Tastenbedienungen und lässt sich damit auch in engen Jeans unterbringen. Die Mode-Taste, mit der zwischen MP3- und Radio-Betrieb gewechselt wird, befindet sich ebenfalls auf der Geräteseite.
Das Display & die Speicherkarte
Direkt über der Batterie liegt das einzeilige Display. Auf diesem werden allerdings nur spärliche Informationen angezeigt. Im Radiobetrieb kann man die Senderfrequenz ablesen. Im MP3-Betrieb wird der Name der abgespielten MP3-Datei angezeigt – spezielle Informationen aus dem ID3-Tag liest der Music Player nicht aus. Praktisch ist auch die Batterieanzeige, die immer über den aktuellen Energiestand informiert.
Als Speichermedium dient dem HDR-1 eine handelsübliche Multimedia-Card. Das beigelegte Exemplar bietet 32-MB Speicherplatz und lässt sich einfach in einen Schacht am unteren Ende des Players stecken. Die Abdeckung ist jedoch nur aus Gummi und bietet damit nur minimale Sicherheit für die teure Card. Cards mit 64 MB Speicherkapazität sind im Handel erhältlich, mit knapp 250 Mark sind diese jedoch nicht gerade billig.
Sparen bei der Anleitung
Nur eine Anleitung des Handys ist in der Bundle-Box enthalten - von einer gedruckten Version für den Player findet sich keine Spur. Der PDF-Userguide ist lediglich auf der Software-CD enthalten – nicht sonderlich komfortabel. Die Userguide war auch nur nach längerem Suchen in den ziemlich verschachtelten Ordnern der CD zu finden. Zwar sollte die Anleitung auch direkt aus der automatisch startenden Menüsoftware aufrufbar sein, dies funktionierte aber bei uns nicht. Leider setzt damit Nokia hier einen Trend fort, der in der Computerbranche Gang und Gebe zu werden scheint – Kosten sparen mit einer fehlenden Anleitung.
Die Software
Dem Player beigelegt ist eine komfortable Musikverwaltungssoftware für digitale Musikstücke. Allerdings müssen bestehende MP3-Sammlungen zuerst analysiert und in ein internes Format ungewandelt werden, um dort genutzt werden zu können. Gerade bei umfangreichen Musiksammlungen kann dies sehr lange dauern und mangels einer Anzeige des Gesamtfortschrittes wird die Geduld des Nutzers sehr auf die Probe gestellt.
Das Rippen von Audio-CDs erledigt die Software problemlos und übersichtlich, allerdings werden die Daten im urheberrechtlich geschützten ACC-Format gespeichert und können somit nur für den eigenen MP3-Player verwendet werden. In einer Qualität von 64 kbit/s, die durchaus für normale Musik ausreicht, passen Lieder bis zu einer Stunde Länge auf den Player. Das Rippen der CD dauerte mit einem DVD-Rom-Laufwerk mit einer Auslesegeschwindigkeit von 12xAudio 20 Minuten – eine relativ lange Zeit verglichen mit anderer Software zum CD-Rippen.
Anschluss an den Computer und die Software findet der Player mit einem USB-Kabel. Nach Installation der Treiber wird der Player auch anstandslos erkannt – hier zeigt sich die Unkompliziertheit von USB und des damit verbundenen Plug&Play in voller Pracht. Beim Verschieben vom Stücken auf den Player scheint Nokia jedoch keinesfalls die volle maximale Datenübertragungsrate von 12 Mbit/s des USB-Ports ausgenutzt zu haben. Ganze fünf Minuten dauerte die Übertragung von 30 Megabyte Musikdaten bei uns.
Fazit:
Ein schönes, kleines und handliches Gerät mit netten Ideen hat Nokia hier geliefert. Vor allem im Bundle mit einem 3330 lohnt sich das Gerät, dient es doch gleichzeitig als Freisprecheinrichtung. Fraglich ist jedoch, ob der HDR-1 als Stand-Alone-Gerät eine Zukunft hat. Erfreulich ist zwar die Möglichkeit, das Gerät aufrüsten zu können, zu sauer stoßen jedoch das kleine Display und der viel zu hohe Preis auf. Für das gleiche Geld oder sogar noch weniger erhält man einen ausgewachsenen MP3-CD-Spieler, der gleich 11 Stunden Musik in CD-Qualität abspielen kann oder einen normalen MP3-Player mit mehr Speicherplatz. Der HDR-1 wird also voraussichtlich nur in die Hände von absoluten Nokia-Fans oder Käufern des 3330-Bundels gelangen.
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