Ein Zauberwort geistert über alle Stände der IFA, die auch nur annähernd mit dem Fernsehen oder Fernsehtechnik zu tun haben: mhp. Die Multimedia Home Plattform soll endlich einen einheitlichen Standard schaffen, der vom Konsortium der Deutschen TV-Plattform begründet wurde. Unterstützt wird es inzwischen schon von mehr als 100 Firmen und beinahe alle bekannten Größen der Consumer-Electronic haben mindestens ein mhp-Gerät in der Mache.
Technisch bildet mhp ein Zwischending von OS und einer reinen Benutzerschnittstelle. Es kann damit auf jedes beliebige Betriebssystem aufsetzen und bietet den Hardwareentwicklern daher die größtmögliche Freiheit. Befehle, die normalerweise an das Betriebssystem gehen würden, werden von mhp abgefangen und umgesetzt. Programmiert wird in JavaTV, eine Java-Unterklasse, die speziell für solche Anwendungen konzipiert wurde.
Weltweiter Standard bald ein Deutschland?
Auch weltweit kennt man mhp. Bis auf die USA und Japan wird es in allen Ländern, die über ein digitales Fernsehen verfügen, eingesetzt. IN Europa findet es vor allem in Großbritannien und Frankreich Verwendung. Auch die anderen existierenden Standards wie opentv werden nach Ansicht von Dr. Georg Lüttke von Philips (Bild) zu mhp konvergieren. Dies macht mhp für den Benutzer und die Hersteller zukunftssicher und attraktiv – und dies nicht nur innerhalb Deutschlands.
Das Problem von digitalem Fernsehen ist im Moment die zu große Vielfalt. Der Benutzer fühlt sich verunsichert von den vielen Kästchen, die er sich kaufen und für die verschiedensten Anwendungen nutzen kann. Eine Konkurrenz ergibt sich aus der verwendeten Technik – nicht jedoch aus dem angebotenen Content. Dies soll und wird mhp nach Auffassung von Hans-Joachim Weymer von SONY (Bild) ändern.
Produkte und Inhalt bis Ende des Jahres
Bis Ende des Jahres soll es die ersten mhp Produkte geben. Loewe, Sharp und Sony präsentierten TV-Geräte, die schon einen integrierten Digitalen Tuner für mhp haben. Andere Firmen wie Grundig, Samsung oder Panasonic setzen auf Zusatzgeräte und Set-Top-Boxen. Sony und Panasonic wollen ihre Geräte noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Die restlichen Hersteller verweisen vorsichtig auf Mitte oder Ende 2002.
Frau Dr. Simone Emmelius vom ZDF (Bild) präsentierte ihre Vision von den ersten digitalen Zusatzinhalten. So könnte entweder ein EPG (Electronic Program Guide, Elektronischer Programmführer) den ganzen tag zur Verfügung stehen, sendungsspezifische Informationen eingeblendet oder eine Vor- beziehungsweise Nachbereitung zur Sendung erfolgen. Auf dem ZDF stand wurde ein Spiel demonstriert, mit dem man live bei einer "1-2-oder-3" Sendung mitraten kann. Die Inhaltsanbieter würden jetzt jedoch auf die Hersteller der Geräte warten – bevor ein Programmkonzept ausgearbeitet und Kanäle umgestellt werden, müssen zuerst die Prototypen Serienreife erlangen.
Digitales TV mit einer Antenne?
Neben Fernsehkabel und Satellitenschüssel planen die Visionäre der Deutschen TV-Plattform auch digitales TV per Antenne, DVB-T genannt. Dr. Wilfried Geuen von Panasonic (Bild) nannte seine Vision "TV Mobil". Mit mobilen Endgeräten und Kabellos soll es möglich sein, terrestrisches Digitales TV überall zu empfangen. Statt nur einem Sender können hier gleich vier auf einem Frequenzband gesendet werden, was die Programmvielfalt erhöhen dürfte.
Allerdings wird DVB-T vorerst nur in Ballungsräumen verfügbar sein und auch eine zusätzliche Set-Top-Box erfordern. An entsprechenden Geräten wird heute schon gearbeitet. Für die Region Berlin/Brandenburg wurde bereits ein Pilotprojekt gestartet. Dabei werden zuerst einmal die schwächeren Sendemasten umgestellt, bei Erfolg auch die stärkeren. Allerdings bleiben dabei diejenigen auf der Strecke, die noch ihr altes, analoges Fernsehen empfangen wollen. "Neues gibt es eben nur zu Lasten des Alten", erklärte Dr. Geuen.
PC-Ersatz Fernseher?
Das Thema Rückkanal für E-Mail-Anwendungen wurde jedoch diskret verschwiegen und erst auf Nachfrage erwähnt. So sicher scheinen sich die Verantwortlichen hier noch nicht zu sein. Zuerst soll der Rückkanal ganz gewöhnlich über die Telefonleitung erfolgen, was allerdings wieder zusätzliche Kosten für den Nutzer verursacht. Später könnte es einen Rückkanal des TV-Kabelnetzes geben. Ob die meist amerikanischen Firmen, die als Käufer dessen auftreten, jedoch auf mhp setzen oder in Amerika übliche Techniken verwenden werden, bleibt abzuwarten.
Der PC scheint also zumindest für die nächsten Jahre aus dem Schneider zu sein und immer noch als Hauptmedium für Internet und Kommunikation zu dienen. Zumindest von den Inhalteanbietern werden die mhp-Funktionen denn auch mehr als ein Mehrwert als ein Computerersatz gesehen, wie am ZDF-Stand zu erfahren war.