Nach der Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream plant die Deutsche Telekom im Moment keine weiteren Zukäufe. Er wolle sich nun zunächst auf die Eingliederungn bereits übernommener Gesellschaften konzentrieren, sagte Konzern-Chef Ron Sommer dem US-Sender CNBC am Dienstag.
Primär gehe es zudem darum, "den Preis unserer Aktie auf ein Niveau zu bringen, bei dem wir uns wohler fühlen". Er wolle aber den Kauf von Unternehmen nicht für die nächsten zehn oder 15 Jahre ausschließen. Sommer betonte, er und seine Führungsmannschaft verwendeten schon jetzt viel Zeit darauf, die Integration des US-Anbieters VoiceStream in die Mobilfunk-Tochter T-Mobile voranzutreiben.
"Baustellen"
sieht Telekom-Chef Sommer nach eigenen Angaben noch vielerorts in seinem in den vergangenen Jahren zusammengekauften transatlantischen Konzern. Nach dem Motto "Wer viel schluckt, hat viel zu verdauen" will er nun bei Zukäufen eine Ruhepause einlegen und neben dem jüngsten Erwerb VoiceStream aus den USA auch die vielfältigen Telekom-Beteiligungen in den USA sowie West- und Osteuropa besser in den Konzern einbinden.
Schuldenabbau
steht in der Prioritätenliste gleichzeitig ganz oben. Derzeit sitzt Sommers Unternehmen auf Rekordschulden von 65,5 Milliarden Euro). Der Telekom-Chef will diesen Berg bis Ende 2002 auf 50 Milliarden Euro verringern. Dies geht nur, wenn die Mobilfunk-Tochter T-Mobile wie geplant im kommenden Jahr an die Börse gebracht wird. Dies soll allein fast zwei Drittel der für die Schuldenreduzierung benötigten 15,5 Milliarden Euro bringen. Zweitgrößter Brocken beim Abstottern der Verbindlichkeiten sind geplante Einnahmen von fünf Milliarden Euro aus dem laufenden Verkauf der restlichen TV-Kabelgesellschaften an das US-Unternehmen Liberty Media.
Im Mobilfunk
sieht Sommer weiter den Wachstumsbringer der Zukunft. Mit VoiceStream hat T-Mobile mittlerweile 43,9 Millionen Handy-Kunden weltweit unter Vertrag, davon 22,1 Millionen in Deutschland. Rund um den Globus sollen die Mobilfunk-Firmen künftig unter der Marke T-Mobile firmieren. Große Hoffnungen setzt die Telekom weiter auf den neuen multimediafähigen UMTS-Mobilfunkstandard, mit dem der Bonner Konzern 2003 an den Start gehen will. "Signifikanten Umsatz" aus diesem Bereich erwartet Sommer allerdings erst im Jahr 2004.
Große Pläne im Internet
Auch die Internet-Tochter T-Online wartet weiter mit hohem Kundenwachstum auf. Zum Ende des ersten Halbjahres gingen 9,2 Millionen Menschen mit der Telekom ins weltweite Datennetz. Rasant wuchs zuletzt der Hochgeschwindigkeitsanschluss T-DSL, über den mittlerweile 1,2 Millionen Firmen und Haushalte Datenpakete verschicken und empfangen. Bis Ende des Jahres sollen es deutlich mehr als zwei Millionen sein.
Dass angeschlossene Kunden allein aber nicht viel Umsatz bringen, weiß angesichts weiter auflaufender Verluste auch die Telekom: Sie will T-Online nun "zum führenden Internet-Medienhaus" umbauen und schmiedet damit immer neue Inhalte-Allianzen mit etablierten Inhalteanbietern von Autozeitschriften und -herstellern, der "Bild"-Zeitung bis zum ZDF.