MobilCom möchte nun auch das im Festnetz beliebte Call-by-Call-Verfahren für den Mobilfunk einführen, wobei einzelne Gespräche über alternative Anbieter geführt werden können, wenn man einen Zahlencode vor der eigentlichen Nummer wählt. Ein entsprechender Antrag soll innerhalb von 14 Tagen bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) gestellt werden.
Die RegTP ihrerseits wartet erst einmal darauf, wie der MobilCom-Vorschlag aussieht, bevor sie sich weiter dazu äußert. Klar ist jedoch jetzt schon, dass mit der neuen Technik UMTS auch Call-by-Call eingeführt werden soll - allerdings erst fünf Jahre nach Start der Netze. Auf diese Weise sollen die Investitionen der Netzbetreiber geschützt werden, was für die GSM-Netze aber nicht mehr gelten würde. Ohne die Ausgaben für UMTS würden die Mobilfunkanbieter mit einem satten Plus dastehen.
Einige Anbieter werben damit, dass sie jetzt schon Call-by-Call anbieten, was aber so nicht stimmt. Meist handelt es sich um CallThrough-Anbieter, die eine Festnetz- oder 0800er-Nummer zur Einwahl ins eigene Netz anbieten, über das das Gespräch zu Festnetzkonditionen weitergeführt wird. Meist lässt sich so einiges an Geld sparen. Das Verfahren ist jedoch sehr umständlich und zwingt den Kunden oft dazu, auf seinen Optionstarif zu verzichten.
Kommentar
Es darf - und bei MobilCom-Chef Gerhard Schmid muss sogar - gefragt werden, was MobilCom mit diesem Vorstoß im Schilde führt. Die Netzbetreiber lassen sich nicht in die Karten schauen, wie groß die Gewinnmargen bei Handytelefonaten sind. Auf jeden Fall wäre aber zu erwarten, dass diese wie im Festnetzbereich mit den Gesprächsgebühren stark sinken werden. Dort haben einige Anbieter deshalb schon das Handtuch schmeißen müssen.
MobilCom könnte auf diese Weise den Netzbetreibern einige Butter vom Brot nehmen, ohne als Service Provider selbst davon betroffen zu sein. Große Gewinne würden die Büdelsdorfer zwar so nicht einfahren, den Mobilfunkkunden aber langsam daran gewöhnen, dass es auch einen Netzbetreiber MobilCom gibt bzw. geben wird. Denn beim Start von UMTS ist MobilCom mit einem eigenen Netz dabei. Spätestens dann ist wieder Seriösität gefragt. Zum Handy-Aldi wird MobilCom sicherlich nicht werden (wollen).
Peter Giesecke