Sonntag, 01.07.2001 10:57

Die grössten Hacker aller Zeiten - Teil 5: Kim Schmitz alias Kimble

aus dem Bereich Sonstiges

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Hacker sind heutzutage in aller Munde, mit unserer kleinen Reihe versuchen wir daher, Ihnen diese Legenden ein wenig näher zu bringen. Und egal ob Capt'n Crunch, die Legenden Richard Stallman und Steve Wozniak, oder der König der Hacker Kevin Mitnick, sie alle umgibt der Nimbus des geheimnisvollen ebenso, wie den auf tragische Weise ums Leben gekommenen Karl Koch. Mit Kim Schmitz alias Kimble, wollen wir Ihnen heute einen Mann vorstellen, der sich selbst als den "König" der Hackerszene in Deutschland sah, der aber wohl ein noch besserer Selbstdarsteller und Hochstapler war, was ihm erst seine großen Erfolge bescherte.

Ein Leben für den Hack

Er galt als König der Hacker - zumindest bei den Medien - in Deutschland, Kim Schmitz alias Kimble. Er knackte Großrechner und fälschte Kreditkarten, spähte Daten aus, manipulierte Computer und machte sich des mehrfachen Betrugs schuldig. Zu seinen Meisterstücken gehörte das Eindringen in den Rechner des Deutschen Beamtenbundes, wo er geheime Dokumente wie die Korrespondenz mit dem Bundeskanzler ausspähte.

Aber das war noch lange nicht alles, was er zu seinen Glanzzeiten trieb. Wann auch immer der international operierende "Kimble" den Computer einschaltete, machte er eine Verwandlung durch: Aus dem unbekannten Jugendlichen Kim Schmitz wurde der "König" der Computer-Szene. Sein Pseudonym ist längst Legende in der Hacker-Welt, die ihm jedoch auch kritisch gegenübersteht. Zusammen mit einem Freund kopierte Schmitz unter anderem Daten von 2.170 Kunden des Datex-P-Netzes der Telekom. Sein Motiv sah er darin, die Firmen auf Sicherheitslücken aufmerksam zu machen und ihnen anschließend ein Schutzsystem zu verkaufen.

Die Liste seiner Taten füllt ganze Aktenordner: Schmitz knackte die Geheimnummern sogenannter Calling-Cards amerikanischer Bürger und konnte so auf deren Kosten weltweit telefonieren. Mit diesen Nummern rief er später per Dauerwahlautomatik bei von ihm extra dafür gegründeten Telefon-Talk-Lines in Hongkong und auf den Niederländischen Antillen an. So flossen die Telefongelder, mehrere Hunderttausend Dollar, wieder in seine eigene Tasche.

Die Geburt von Kimble

1994 wurde Schmitz erstmalig verhaftet und nach einem Monat Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Geldnot habe ihn zurück in die Szene getrieben, gab er später an. "Es war wie eine Sucht: Ich habe mich morgens an den Rechner gesetzt und bin nach 16 Stunden wieder ins Bett gefallen." Namhafte Hacker wie er seien gezwungen, in den Chat-Foren des Internets ständig präsent zu sein. "Ich habe als Kimble eine zweite Identität aufgebaut und mein normales Leben völlig vernachlässigt, mich für nichts anderes mehr interessiert", sagte Schmitz später. Dabei habe er ständig an Gewicht zugenommen "Mein einziges Ziel war es, in der Hacker-Szene der Beste und Bekannteste zu sein." Einen Namen hat er sich damit in der Tat gemacht, ob es ein guter ist, soll einmal dahingestellt sein.

"Ich habe in fremden Datennetzen Wissen erlangt, welches nicht für meine Augen bestimmt war und dabei das Gefühl des Spions genossen", so Schmitz Jahre später. In einem Spiel "David gegen Goliath" habe ich die Genugtuung gesucht, "den Großen da oben zu zeigen, daß ich mit meiner 500-Mark-Anlage in ihr System eindringen kann". Letztlich fiel Schmitz jedoch seiner eigenen Geltungssucht zum Opfer. In zahlreichen Fernseh-Interviews ließ "Kimble", der schon mit 17 Jahren das Abitur machte, sich mit Gesichtsmaske als Hacker-König feiern. Insider behaupten, Kimble sei einfach nur ein Betrüger, er könne weder selbst hacken, noch habe er je eine der Taten die ihn berühmt machten, allein begangen.

Hochmut kommt vor dem Fall

Zum letzten Mal "negativ" auf sich aufmerksam machte "Kimble", als er es schaffte, allein durch selbstsicheres Auftreten ohne Sicherheitskontrolle in den Tower des Münchner Flughafens einzudringen und sich im Cockpit eines Jets fotografieren zu lassen. Doch auch für Schmitz gab es eine Art Happy End. Zusammen mit seinem Freund, der unter dem Pseudonym "Magic Drummer" bekannt wurde, wurde er zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Vorsitzende Richter Wolf-Stefan Wiegand hielt den beiden Angeklagten in seiner Urteilsbegründung zugute, "aus jugendlichem Leichtsinn" in die Verbrechen hineingeschlittert zu sein. "Kimble", mußte lediglich eine Geldbuße von 20.000 Mark zahlen, sein Mitangeklagter sogar nur 6.000 Mark.

Inzwischen betätigt sich der geläuterte Kim Schmitz als Geschäftsführer einer Datensicherheits-Firma mit mehr als 30 Mitarbeitern und weltweiten Patenten. Im Februar diesen Jahres sorgte er letztmalig für Aufsehen, als er ankündigte, die kurz vor der Insolvenz stehende Firma letsbuyit.com sanieren zu wollen, was letztlich - typisch für ihn - nur große Worte waren.

Im morgigen und letzten Teil unserer kleinen Reihe über Hacker, wollen wir Ihnen daß vielleicht größte Talent der Hackerszene Deutschlands vorstellen, nämlich Boris F. alias Tron.

Roland Silberschmidt
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