Freitag, 29.06.2001 09:06

Die grössten Hacker aller Zeiten - Teil 3: Kevin Mitnick

aus dem Bereich Sonstiges

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Nach dem eher allgemeinen Bericht über Hacker, der Vorstellung von Capt'n Crunch und der beiden lebenden Legenden, Richard Stallman und Steve Woznik, wollen wir Ihnen heute, mit Kevin Mitnick, den "König" der Hacker vorstellen.

Eine Legende entsteht

Kevin Mitnick gilt weltweit als die Figur des Hackers überhaupt. Auf ihn trifft exakt die Vorstellung zu, die sich die breite Öffentlichkeit von einem kriminellen Hacker macht: Er konnte das Bankgeheimnis durchlöchern, Telefone anzapfen und weit entfernte Computer völlig unter seine Kontrolle bringen. Aber wer ist eigentlich Kevin Mitnick? Ist er wirklich der gefährliche Kriminelle als den ihn die Medien dargestellt haben?

Er selbst sowie auch Experten sehen das anders. Nach Ansicht der Telegraph-Journalistin Wendy Grossman ist Mitnick nicht das technische Genie, für den alle ihn halten. Seine Fähigkeiten lägen eher im "social engineering". Mitnick hatte zum ersten Mal vor 16 Jahren Schlagzeilen gemacht, als er in die Computer des amerikanischen Verteidigungsministeriums eingedrungen war. In den 80er Jahren wurde er viermal festgenommen und 1989 verurteilt. Während einer Bewährungsstrafe begann er 1992 wieder die Sicherheitscodes der bereits genannten Firmen zu hacken.

Der Stoff aus dem die Helden sind

Mitnicks Ruf als berüchtigster Computerhacker der USA verdankt er einem Reporter der "New York Times", John Markoff. Dieser berichtete über Mitnick erstmals in dem 1991 erschienenen Buch "Cyberpunk" und schrieb drei Jahre später eine Titelstory über den Superhacker, der, wenn er nicht von der Polizei geschnappt werden würde, nicht nur schwerste Schäden im Cyberspace, sondern auch Leben vernichten könne. Wenige Monate später behauptete Tsutomu Shimomura, ein Freund Markoffs, Mitnick sei bei ihm zu Hause in seinen Computer eingedrungen. Er verfolgte ihn zurück nach North Carolina, wo Mitnick vom FBI verhaftet wurde. Einige Titelstories und ein Buch namens "Takedown" folgten. Markoff und Shimomura teilten sich brüderlich den großzügigen Buchvorschuß von 750.000 Dollar.

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Kevin Mitnick aus dem Besitz fremder Software persönlichen Profit schlagen wollte, aber es gibt Vermutungen, dass Tsutomu Shimomura als Fahnder vom FBI angeworben worden war, um Mitnick zu einem Fehltritt zu verführen; er bestreitet dies und gibt an, er habe nur den Hacker verfolgt, der ihn und andere Programmierer bestohlen habe.

Ende gut, alles gut?

Mitnick, der nach seiner Freilassung am 21. Januar 2000, fast 5 Jahre nach seiner Verhaftung, nach Auflagen des Gerichts 3 Jahre lang nicht mehr mit einem PC arbeiten durfte, ist unterdessen nach erfolgreichem Einspruch gegen diese Anweisung, wieder im Computerbereich tätig. Nachdem er im April 2000 mit einer Vorlesungsreihe zu Themen der IT-Sicherheit begonnen hatte, diese aber abbrechen musste, als ihm das zuständige Gericht eine weitere Gefängnisstrafe androhte, legte dagegen Einspruch ein.

Das Gericht gab diesem letztlich unter der Voraussetzung statt, dass alle Stellenangebote an Mitnick im Einzelfalls geprüft werden müssten. Zu den mittlerweile für geeignet befundenen Stellen gehören Tätigkeiten als Berater und Dozent für Sicherheitsfragen sowie als Online-Journalist.

Im vierten Teil unserer Serie, geht es morgen um die erste von drei deutschen Hackerlegenden, Karl Koch alias Hagbard.

Roland Silberschmidt
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